AfD schaltet Wahlwerbung im russischen Staatsfernsehen

Die Alternative für Deutschland scheint russischsprachige Deutsche für sich gewinnen zu wollen. (Bild: ddp)

Eine Woche vor der Bundestagswahl hat die AfD offenbar Werbung beim zweitgrößten russischen Fernsehsender geschaltet. Eine Anzeige für die Partei erschien im Tagesprogramm während einer Talkshow. Und das ist kein Einzelfall.

Der Journalist Alexey Kovalev hat am Donnerstag auf Twitter einen Screenshot veröffentlicht. Darauf zu sehen: Die Einblendung von AfD-Werbung im Satellitenprogramm des Senders „Rossija 1“. Den kann man auch in Deutschland empfangen.

Die AfD wirbt auch in russischen Zeitungen, die ebenfalls in Deutschland erhältlich sind. Die Werbeanzeige im Fernsehen scheint also Teil einer größeren Kampagne zu sein, die sich explizit an russischsprachige Deutsche richtet. Die AfD Hamburg etwa warb mit einer Anzeige, die antiislamische Ressentiments fördert – in russischer Sprache, wie „Buzzfeed News“ herausfand. Hier heißt es übersetzt: „Mit Heldenmut für Deutschland und unsere Kinder. Ein ungebetener Gast ist schlimmer als ein Tatar. Für den Schutz unserer Grenzen, für die Abschiebung von Islamisten!“

Wie viele russischsprachige Menschen in Deutschland leben, dazu gibt es keine gesicherten Statistiken. Die Schätzungen, so der „Mediendienst Integration“ in einem Beitrag aus April, reichten von drei bis sechs Millionen. Rund 2,4 Millionen seien laut dem Mediendienst als Aussiedler oder Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Unabhängig von der genauen Zahl scheint die „Alternative für Deutschland“ nun diese potenzielle Wählerschaft offensichtlich für sich gewinnen zu wollen.

Die AfD gilt als russlandfreundlich und Putin-nah. Der Publizist Boris Schumatsky schrieb kürzlich in einem Bericht für das „Institute for Strategic Dialogue“, dass keine andere deutsche Partei so enge Beziehungen mit Russland pflege. Dabei blieb eine Frage von „Buzzfeed News“ bislang unbeantwortet: Die Nachrichtenseite wollte von der AfD wissen, ob sie für die Anzeige im russischen Staatsfernsehen bezahlen musste.

Sehen Sie auch: So wirbt die CDU um Deutschtürken