AfD-Politiker empören sich über Justiz-Nachricht aus dem Jahr 2011

Zwei AfD-Politiker betreiben Stimmungsmache auf Twitter – und lassen Fakten aus. (Bild: Getty Images)

Mit einer Nachricht über den Missbrauch einer Elfjährigen macht ein AfD-Politiker derzeit auf Twitter Stimmung gegen Menschen muslimischen Glaubens. Ein Parteikollege tut es ihm nach. Dabei scheinen die zwei übersehen zu haben, dass der Artikel bereits sieben Jahre alt ist.

Drei- bis fünfmal tweetet oder retweetet der Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt im Schnitt täglich. Dabei scheint dem AfD-Politiker nun ein nicht ganz unwichtiges Detail durchgerutscht zu sein, als er sich in einem Tweet über eine Straftat empörte. Denn dabei handelte es sich nicht um eine aktuelle Nachricht, sondern um eine Tat aus dem Jahr 2006. Der Artikel stammt aus dem Jahr 2011.

In dem Artikel der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ wird geschildert, wie ein elfjähriges Mädchen an einen 21 Jahre alten Verwandten zwangsverkuppelt wurde. Sowohl das Kind als auch der Erwachsene haben einen islamischen Hintergrund. Auf Drängen seiner Mutter, so heißt es in dem Artikel, habe der 21-Jährige nach erstem Zögern seine zukünftige Kindsbraut vergewaltigt. „Dafür hat das Landgericht Osnabrück den Mann am Dienstag zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden ist“, heißt es in dem Artikel. Alle drei hätten eine Strafaussetzung zur Bewährung auf drei Jahre bekommen. Dies sei die damals von der Staatsanwaltschaft geforderte Mindeststrafe gewesen.

AfD-Mann Reichardt regte sich darüber nun auf Twitter auf: „Missbrauch einer Elfjährigen! 2 Jahre Haft auf Bewährung! Das Verhältnis unserer Justiz zum Schutz der Kinder ist offenbar reformbedürftig. Grüne Ideologie hat bereits zuviel Einfluss!“, schrieb der Politiker. Als Hashtag fügt er unter anderem das Wort „Islamisierung“ hinzu.

Twitter/Screenshot/@M_Reichardt_AfD

André Poggenburg, Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, übernahm den Tweet von Reichardt und kommentierte den Artikel mit den Worten: „Der totale Werteverfall unseres Landes schreitet voran.“

Twitter/Screenshot/@PoggenburgAndre

Dass der Artikel aus dem Jahr 2011 stammt und die darin beschriebene Tat sich im Jahr 2006 zugetragen hat, erwähnten die beiden Politiker in ihren Tweets nicht. Ein Twitter-User kommentierte: „Natürlich ist diese Tat verachtenswert. Natürlich gehört so etwas härter bestraft. Eine vor über 11 Jahren verübte Tat allerdings heute als Stimmungsmache zu instrumentalisieren, ist allerdings…nun ja______ (hier das passende Adjektiv einfügen).“


Viele andere User kritisierten den laschen Umgang mit Fakten beziehungsweise das Auslassen von wichtigen Informationen ebenfalls. Offenbar sah sich Martin Reichardt genötigt, darauf zu reagieren. Auf Twitter schrieb er unter anderem: „Gehören solche Taten & Urteile der Vergangenheit an? NEIN!“

Twitter/Screenshot/@M_Reichardt_AfD

Bei dem Gerichtsverfahren im Jahr 2011 legten der 21-Jährige und seine Eltern, die ihn zu der Beziehung gedrängt haben, laut der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ umfassende Geständnisse ab.