AfD macht mit diesem Twitter-Foto Stimmung gegen andere Parteien

Eine mögliche “Jamaika”-Koalition ist zwar am Ende, doch im Bundestag geht der politische Alltag weiter. Während einer Bundeswehr-Debatte postete ein AfD-Abgeordneter ein Foto vom Plenarsaal und wollte damit die anderen Parteien diskreditieren. Doch der Versuch ging nach hinten los.


Am Dienstag diskutierte der Bundestag über Bundeswehreinsätze. Der AfD-Abgeordnete Jürgen Pohl nahm dies zum Anlass, um ein schlechtes Licht auf die politische Konkurrenz zu werfen. Gegen 14:15 Uhr stellte Pohl ein Foto auf seinen Twitter-Account, das er kurz zuvor im Plenarsaal gemacht hatte. Und das soll zeigen: Die Reihen von SPD, Linken, Grünen, FDP und Union sind weitgehend leer.

Conclusio: Nur bei der AfD interessiere man sich wirklich für die Nöte deutscher Soldaten. Auf dem Foto ist zu sehen, dass in der Tat bei allen Parteien außer der neu in den Bundestag gewählten AfD die Sitze in den hinteren Rängen leer sind. Die AfD hat vom Bundestagspräsidenten aus die Plätze ganz rechts, und damit auch in dem Tweet-Foto – und dort sitzen fast vollzählig die AfDler.

Doch schon ein Blick in die Liveübertragung der Debatte hätte genügt, um zu zeigen, dass das gar nicht stimmt. Sowohl bei der Debatte um den Bundeswehreinsatz im Mittelmeer (Sea Guardian) am Vormittag, als auch bei der Debatte über den Bundeswehreinsatz im Südsudan – zu jenem Zeitpunkt, als Pohl das Foto online stellte – waren die Reihen der „Altparteien“ nicht leerer als jene der AfD.

Links-Politiker Tobias Pflüger während einer Rede zum Bundeswehreinsatz im Südsudan (Bild: bundestag.de)

Wenige Minuten vorher, kurz vor 14:00 Uhr, waren die Plätze bei allen Parteien in etwa gleich ausgelastet. Als Tobias Pflüger von der Linkspartei seine erste Bundestagsrede überhaupt hielt, kann man sogar einige Lücken in den Reihen der AfD-Fraktion entdecken (im Bild rechts unten).

Wenn man die Perspektive umdreht und in die andere Richtung blickt, also direkt auf die Sitzreihen der AfD, ist das Bild sogar noch deutlicher. Während der Debatte über den Bundeswehreinsatz im Südsudan klaffen auch im Block der AfD-Fraktion Lücken (in diesem Bild in der Mitte oben). Die Reihen von FDP und CDU links daneben wirken dagegen gut gefüllt.

Etwa die halbe AfD-Fraktion ist bei der Südsudan-Debatte anwesend. (Bild: bundestag.de)

Im Gegensatz zum Tweet von Jürgen Pohl, der Solidarität für die Soldaten der Bundeswehr vermuten lässt, schlug die AfD in der Sache ganz andere Töne an. Der AfD-Abgeordnete Jan Ralf Nolte warf der Bundeswehr „Beihilfe zum Schleppertum“ vor. Dafür wurde er scharf kritisiert. Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der CDU, sagte Richtung Nolte: „Für diese Aussage müssen Sie sich entschuldigen. Unsere Soldaten sind keine Schlepperhelfer, sondern Lebensretter.“