Aerosmith-Konzert in Köln: Der Meister in der Häkeldecke

Das Kölner Konzert war die einzige NRW-Station der Aerosmith-Abschiedstournee.

Nach mehr als 45 Jahren im Berufsleben freut sich der durchschnittliche Arbeitnehmer für gewöhnlich auf den meist wohlverdienten Ruhestand. Auch bei Rockstars beginnen erste Gedankenspiele über eine Zeit nach dem Rampenlicht. Die Scorpions etwa kündigen bereits seit Jahrzehnten ihre letzten Shows an. Auch Black Sabbath („The End“) und Deep Purple („The Long Goodbye“) sind oder waren auf Abschiedstourneen.

Dazu gesellen sich nun auch die US-Rocker von Aerosmith. Seit den frühen 70er Jahren in nahezu unveränderter Besetzung – bei Rockbands eher ungewöhnlich – haben Aerosmith beinahe alle Höhen und Tiefen durchlaufen. Nach dem Auftritt in der Lanxess-Arena am Dienstagabend ist nur schwer vorstellbar, dass diese Band zum alten Eisen gehören soll. Nach einem Videoclip mit den Album-Covern der Bandgeschichte betreten Sänger Steven Tyler und Kollegen zu vorgerückter Stunde gegen 21.45 Uhr die Bühne. Begleitet vom Kreischen vieler Fans legen Aerosmith mit „Let The Music Do The Talking“ den Ablauf des weiteren Abends fest: Wenig reden, viel spielen.

Der Sänger in der Häkeldecke

Tyler ist  in seiner gewohnten Rolle als Paradiesvogel ganz vorn auf dem weit ins Publikum hereinragenden Laufsteg zu finden. Der Mikrofonständer ist mit den obligatorischen farbigen Tüchern und Bändern geschmückt; es ist sein Markenzeichen von Anbeginn der Bandgeschichte. Der Meister selbst ist in eine Art schwarze Häkeldecke gehüllt die seiner Großmutter gehört haben könnte. Dazu trägt er eine großflächige Sonnenbrille und einen, offenbar aufgeschminkten, überdimensionierten Knutschfleck auf der linken Wange.

Direkt zu Beginn verschießen die Amerikaner vermeintlich viel zu früh ihr Pulver, als sie in dichter Folge ihre Hits „Cryin’“, „Livin’ On The Edge“, „Love In An Elevator“ und „Janie’s Got A Gun“ rocken. Das Publikum ist begeistert und feiert jede Nummer.

Intime Atmosphäre

Eine unbegründete Sorge, denn die großen Momente der Show sind tatsächlich die Ausflüge in die Bluesrock-Ursprünge von Aerosmith. Bei den Fleetwood-Mac-Covern „Stop Messin’ Around“ und „Oh Well“ sprüht die Band ebenso wie bei dem folgenden „Mama Kin“ nur so vor Spielfreude. Teilweise versammelt sich die komplette Truppe um das Schlagzeug von Joey Kramer und spielt beinahe gedankenverloren.

Es wirkt fast wie ein Jam im Proberaum und nicht wie die Show vor Tausenden in einer großen Halle. Vor der Zugabe bleibt auch Köln die übliche Verbeugung vor dem jeweiligen Spielort nicht erspart: „Cologne You’re Number 1“. Als ob die Kölner das nicht wüssten. Bevor es dann unausgesprochen „Aero-Vederci Baby“ – so lautet das Motto der Abschiedstour –  heißt, nimmt Tyler zu „Dream On“ am weißen Flügel Platz. Gitarrist Joe Perry steigt für ein Solo auf das Klavier. Rauchsäulen schießen links und rechts in die Höhe.

 Das Grande Finale ist ganz Rock-Show. Mit dem vermutlich größten Hit „Walk This Way“ verabschieden sich Aerosmith. War es denn nun wirklich der Abschied in den Ruhestand? Auf jeden Fall wäre es ein würdiges letztes Mal...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta