Adler auf Rekordtief nach Milliardenverlust und fehlendem Testat

(Bloomberg) -- Die rasante Talfahrt der Adler Group SA hat sich am Montag beschleunigt, nachdem der angeschlagene Vermieter über das Wochenende einen Verlust von 1,18 Milliarden Euro berichtete, für dieses Ergebnis kein Testat der Wirtschaftsprüfer erhielt und sein kompletter Verwaltungsrat seinen Rücktritt anbot.

Adler fielen am Montag nach den dramatischen Nachrichten um bis zu 46% auf ein Rekordtief von 3,88 Euro, während sein meistgehandelter Bond um 18,5 Cent auf 46 Cent je Euro nachgab. Erst vor einer Woche hatte Adler sich durch eine Sonderprüfung zu schweren Vorwürfen des Leerverkäufers Fraser Perring entlastet gesehen. Nach einer kurzen Atempause deutete sich jedoch bereits letzte Woche an, dass die meisten Anleger diese Interpretation nicht teilen. Die Verweigerung des Testats durch KPMG, die auch die Sonderprüfung durchgeführt hatten, vertieft nun den Vetrauensverlust der Investoren.

“Ich brauche nichts zu beschönigen, wir haben einen schwierigen Moment für das Unternehmen”, sagte Verwaltungsrats-Chef Stefan Kirsten in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Man arbeite daran, für das laufende Jahr wieder ein uneingeschränktes Testat zu erlangen, aber bis dahin “müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass Banken und Kapitalmärkte für uns geschlossen sind”, so Kirsten.

Kirsten, der erst im Februar als Verwaltungsratsvorsitzender eingesetzt wurde, bleibt im Unternehmen. Er bat die zurückgetretenen Thilo Schmid, Thomas Zinnöcker und Co-CEO Thierry Beaudemoulin bis zur Hauptversammlung des Unternehmens am 29. Juni im Amt zu bleiben und sich dann zur Wiederwahl zu stellen. Ein neuer Finanzchef wird mit sofortiger Wirkung extern gesucht.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger kritisierte die Kontinuität im Management und forderte einen “Neuanfang” für die Gruppe, in die sich auch Großaktionär Vonovia SE einbringen solle. Die SdK ist laut eigener Aussage mit zwei Prozessfinanzierern im Gespräch, um mögliche Schadensersatzforderungen für Investoren zu prüfen. Die Vonovia will sich auf der Hauptversammlung öffentlich äußern, erklärte eine Sprecherin.

Der Hauptgrund für Adlers Verlust sind Goodwill-Abschreibungen in Höhe von 1,08 Milliarden Euro, unter anderem in seinem Consus-Entwicklungsgeschäft. Adler schob dies auf Preisanstiege im Baugewerbe und Engpässe in der Lieferkette, die es gezwungen hatten, die Annahmen über die wahrscheinliche Rentabilität seiner Projekte zu revidieren.

KPMG weigerte sich, das Testat zu erteilen, weil Adler Korrespondenz über Geschäfte mit verbundenen Parteien zurückgehalten hatte, die ein Schwerpunkt der Betrugsvorwürfe von Perrings Firma Viceroy Research sind. Das bedeute, dass Wirtschaftsprüfer nicht beurteilen könnten, ob die Deals, für die Adler teils noch Geld schuldet, ordnungsgemäß bilanziert worden seien, so KPMG.

Kirsten verteidigte das Vorgehen der Adler in Bezug auf die nicht gelieferte Korrespondenz, die sich laut KPMG auf etwa 813.000 E-Mails erstreckt. “Diese Dokumente noch einzubringen hätte den Sonderprüfungsbericht verzögert, hätte den Jahresabschluss verzögert” und damit einen Bruch der Anleihebedingungen provoziert, die die Vorlage des Berichts bis 30. April erforderten. Das hätte KPMG sehr irritiert. “Ich stehe trotzdem eindeutig zu meiner Meinung, dass der 30.4. Mitternacht die wichtigere Deadline war.”

Adler werde den Dialog mit KPMG suchen, um zu klären, “wie diese Informationsdefizite ohne rechtliche Nachteile geheilt werden können”. Gleichzeitig kritisierte er die Prüfer dafür, dass sie sich zu Bauverzögerungen geäußert hätten, für die sie seiner Meinung nach keine Expertise besäßen. Er wisse noch nicht, ob Adler KPMG wieder mandatieren werde.

Überschrift des Artikels im Original:

Adler Slumps After KPMG Refuses to Give Opinion on Results (2)

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