Adjutant am Beckenrand: Was eine Morgenpost-Reporterin als Bademeisterin erlebte

Schwimmmeisterin Britta Wulf (r.) zeigt Constanze Nauhaus, worauf sie achten muss

Endlich, da sind sie. Toben im Wasser herum, als sei nichts. Ha! Euer unschuldiger Gesichtsausdruck kann mich nicht täuschen. Nicht mich, die ich mich seit Wochen auf diesen Moment vorbereitet habe. Mit durchgedrücktem Kreuz schlendere ich betont langsam zu der Gruppe Fast-Jugendlicher im Nichtschwimmerbecken. Zigmal habe ich den Satz vorm Spiegel geübt, habe mich intensiv in den grauenhaften Schwimmlehrer der Prenzlauer Berger Thälmann-Schwimmhalle hineingefühlt, der mir mit Stange und schwarzer Pädagogik vor 25 Jahren das Schwimmen abgewöhnte.

Gleich werde ich es ihnen sagen, gleich. Den Sommersoundtrack Berlins. "Nicht vom Beckenrand springen!" Ich hole tief Luft. Und warte. Keiner springt. Regelkonform planschend schauen sie mich an. Das kann doch nicht wahr sein. Was ist denn mit der Jugend los, wieso will hier niemand gegen die Badeordnung verstoßen? Vom Beckenrand springen, das wird man doch wohl noch erwarten dürfen in einem Freibad!

Mein Tag als Bademeisterin. Um 6 Uhr habe ich mich mit Britta Wulf im Kombibad Mariendorf getroffen, um einen Tag Assistentin zu spielen. Seit 2008 ist sie dort Badleiterin, Berufserfahrung: 32 Jahre. "Den Beruf kenne ich von der Pike auf", sagt die sportliche 48-Jährige, der man ihr Leben im Wasser ansieht. Ihr Vater war bereits Schwimmmeister – im Sommerbad Westend, das es heute gar nicht mehr gibt – und Britta selbst schaffte im zarten Alter von zwei Jahren ihren Freischwimmer. Damals eine Sensation und auch der Berliner Morgenpost eine ...

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