Der Adidas-Chef hält die Digitalstrategie der Großen Koalition für „realitätsfern“. Das Geschäft der Zukunft sieht er im Onlinehandel.

Der Adidas-Chef hält die Digitalstrategie der Großen Koalition für „realitätsfern“. Das Geschäft der Zukunft sieht er im Onlinehandel.


Er fällt auf zwischen den Anzugträgern in Düsseldorf. Kasper Rorsted trägt einen Wollpullover unter dem sein Hemdkragen hervorblitzt. Dazu Jeans und natürlich Sportschuhe, schwarz mit den drei Adidas-Streifen an der Seite.

Der CEO von Adidas springt auf die Bühne und ist auch hier immer in Bewegung. „Sie werden schon noch verstehen, dass ich in Jeans und Turnschuhen deutlich bequemer angezogen bin als Sie“, eröffnet er seinen Vortrag und lacht.

Auf der Handelsblatt-Veranstaltung „Asia Business Insights“ in Düsseldorf spricht Rorsted am Dienstag über nachhaltige Erfolgsstrategien für Asien. Vor allem China zähle bei Adidas zu den drei strategischen Wachstumsbereichen. Hier betrug das Wachstum in den ersten neun Monaten in 2017 30 Prozent.


Nur im Online-Handel erzielte die Sportfirma mit 50 Prozent noch deutlich mehr Umsatzwachstum. „Online ist dabei den Gesamtmarkt zu verändern“, erklärte Rorsted.

Doch nicht nur dort konnte der Konzern eine positive Entwicklung verzeichnen. Adidas könne insgesamt auf ein positives Jahr zurückblicken. „Wir haben in 2017 beim Umsatz die 20 Milliarden Euro Marke geknackt. Auch dank des rasanten Wachstums in China“, so Rorsted.

Europäer müssten einsehen, dass sie hinter China herhinken. „Wer hier im Raum bezahlt zum Beispiel mit dem Handy?“, fragt Rorsted in die Runde. Vereinzelt gehen Hände in die Höhe.

Rorsted nickt und erklärt: „In China bezahlen mehr als 50 Prozent der Menschen per MobilPay.“ Die Regierung in Berlin müsse deshalb nach Asien schauen, um zu verstehen, wie Digitalisierung funktioniert.


„Wenn man die technologischen Entwicklungen in China betrachtet und hört, was die Große Koalition in Berlin vorhat, kann man sich nur fragen: Wie realitätsfern ist das eigentlich?“, sagt Rorsted. „In Asien spricht niemand von der Digital-Strategie 2025, weil niemand weiß, was 2025 sein wird.“ Alles entwickle sich immer schneller.

Angesprochen auf den Geely-Einstieg bei Daimler zuckt Rorsted nur die Schultern. „Ich kann mir alles bei Adidas vorstellen. Ich habe als CEO weder das Recht noch die Pflicht mir die Nationalität von Aktionären auszusuchen.“

Dann springt Rorsted wieder von der Bühne. Vorher kann er es sich nicht nehmen lassen, „viel Erfolg beim Auffinden von Trends“ zu wünschen und grinsend auf die Anzugschuhe der Anwesenden zu deuten.