adidas-Aktie: Besser ohne Reebok?

Dennis Zeipert, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Es ist so weit! Nach Jahren der vergeblichen Sanierungsversuche will adidas (WKN: A1EWWW) nun seine Tochter Reebok verkaufen. Seit der Übernahme vor etwa 15 Jahren war die Tochter praktisch ein Klotz am Bein. Seit Jahren tritt Reebok beim Umsatz auf der Stelle und bremst damit den gesamten Konzern aus.

Die Übernahme von Reebok sollte im Jahr 2006 eigentlich helfen, adidas in den USA endlich erfolgreicher zu machen. Der US-Markt ist der größte Sportartikelmarkt weltweit und adidas hat dort nur einen verhältnismäßig geringen Marktanteil. Mit der Reebok-Übernahme hatte man sich erhofft, endlich zu Marktführer Nike (WKN: 866993) aufschließen zu können. Aber es kam alles ganz anders.

Reebok drückt das Wachstum

Der Reebok-Konzern hat vor der Übernahme durch adidas im letzten vollen Geschäftsjahr einen Umsatz von etwa 3,8 Mrd. Dollar und einen Gewinn von 0,19 Mrd. Dollar verbucht. adidas hat sich die Übernahme letztendlich 3,8 Mrd. Euro kosten lassen. Angesichts der Erwartung, dass man im lukrativen US-Markt expandieren könnte, schien das ein angemessener Preis zu sein.

Schaut man sich die Zahlen 15 Jahre später an, bietet sich ein düsteres Bild. adidas hat in der Zwischenzeit einige Teile von Reebok verkauft, aber die Kernmarke behalten. Der Umsatz der Marke Reebok ist zwischen den Geschäftsjahren 2006 und 2019 von knapp 2 Mrd. Euro auf 1,7 Mrd. Euro gefallen. Details über den Gewinn oder Verlust wurden nicht veröffentlicht, bis auf den Hinweis, dass Reebok 2018 in die Gewinnzone zurückgekehrt ist. Offenbar hat Reebok nicht nur das Umsatzwachstum gedrückt, sondern auch die Gewinne verringert. Von Expansion also keine Spur.

adidas geht zurück zu den Wurzeln

Im gleichen Zeitraum ist der Umsatz der Marke adidas von 6,6 Mrd. Euro auf 21,5 Mrd. Euro angestiegen. Angesichts der mehr als enttäuschenden Ergebnisse war Reebok schon lange ein Sanierungsfall. Bisher hatte Reebok für den adidas-Konzern daher wohl höchstens einen negativen Wert. Da ist es nach den vielen vergeblichen Sanierungsversuchen nur konsequent, die Reißleine zu ziehen.

Wie viel adidas letztendlich für Reebok bekommen wird, lässt sich noch nicht sagen. Es könnte gut sein, dass eine weitere Abschreibung droht. Andererseits boomt der Markt für Sportartikel derzeit. Das dürfte adidas helfen, einen guten Preis auszuhandeln. Denn Reebok ist und bleibt eine bekannte Marke, die für einen strategischen Käufer einen hohen Wert haben könnte. Wer dieser Käufer sein wird, ist noch nicht bekannt, aber erste Details dürften Mitte März veröffentlicht werden.

Angesichts dieses 15 Jahre andauernden Dramas ist es wohl für alle Beteiligten das Beste, wenn Reebok den Besitzer wechselt. Auf diese Weise kann sich das adidas-Management wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren, Reebok unter neuem Management eventuell zu altem Glanz zurückfinden und adidas-Anleger einen Schlussstrich unter ein sehr teures Experiment ziehen.

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Dennis Zeipert besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Nike.

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