ADAC-Vizepräsident rät vorerst vom Kauf von Diesel-Autos ab

Wertschöpfung versus Klimaschutz und gute Luft

Der ADAC rät bis auf weiteres vom Kauf neuer Diesel-Autos ab. "Unsere Empfehlung ist, mit einem Neuwagenkauf eventuell noch zu warten, bis im Herbst Modelle mit dem Standard Euro 6D auf den Markt kommen", sagte ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker der Wochenzeitung "Die Zeit". Hintergrund sind die Debatten um Entschädigungen wegen manipulierter Abgaswerte sowie um Fahrverbote in Städten wegen hoher Stickoxid- und Feinstaubwerte.

Die Modelle mit dem Abgas-Grenzwert Euro 6D "müssen strengere Tests unter Realbedingungen bestehen, eben auch auf der Straße", sagte Becker weiter. Er forderte von den Herstellern zudem im Streit um die Abgas-Manipulationen "eine verbindliche Garantie, dass eine fehlgeschlagene Nachrüstung zu einer einklagbaren Haftung führt". Dazu sind die Hersteller in Deutschland bisher nicht bereit.

Becker wies darauf hin, dass viele Autofahrer angesichts der Debatte um Fahrverbote, Abschalteinrichtungen und drohende Preisverfälle zutiefst verunsichert seien: "Uns erreichen täglich hunderte, manchmal tausende Anfragen von Mitgliedern, wie man sich jetzt am besten verhalten sollte", sagte der ADAC-Vizepräsident. "Wer sich vor ein, zwei Jahren ein Auto gekauft hat, spürt jetzt schon Einbußen."

VW hatte im September 2015 auf Druck von US-Behörden eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben. Diese drückte den Schadstoffausstoß bei Emissionstests nach unten. Im Zusammenhang mit der Affäre laufen mehrere Gerichtsverfahren, auch gegen weitere Hersteller.