Achterbahnfahrt bei Microsoft

Für Microsoft-Aktionäre ist es ein Auf und Ab: Ein nachbörsliches Kursfeuerwerk verwandelte sich in eine rasante Talfahrt. Die Quartalszahlen hatten zwar überzeugt - der Ausblick schaffte das wiederum nicht.


Es könnte eine Punktlandung werden. Anfang 2015 wurde Microsoft noch als der ewig gestrige Softwarekonzern aus den 70ern gehandelt, der ein riesiges Windows-Problem mit sich herumschleppt. Damals versprach der frisch eingesetzte Vorstandschef Satya Nadella den Investoren bis zum Ende des Geschäftsjahres 2018 einen Umsatz von 20 Milliarden Dollar mit Produkten aus der Cloud. Das wäre dann Ende Juni 2018.

Am Donnerstag präsentierte Nadella die Zahlen für das vierte Quartal und das abgelaufene Geschäftsjahr und der Zeiger des Cloud-Tachometers in Redmond steht bei 18,9 Milliarden Dollar „Runrate“. Runrate ist der Jahresumsatz, wenn das Geschäft mit der gleichen Geschwindigkeit wie im letzten Monat des Berichtszeitraums weiterläuft.

Es muss also in den kommenden zwölf Monaten nur noch minimal steigen, um die Zielmarke zu erreichen. „Es ist nachvollziehbar, dass wir sehr zuversichtlich sind, unser Ziel zu erreichen“, konstatierte Finanzchefin Amy Hood gegenüber Analysten. Die einzelnen Bereiche werden nicht gesondert herausgerechnet, aber der Umsatz mit Azure, der kommerziellen Cloud-Plattform, hat sich mit 97 Prozent Plus verdoppelt und der Umsatz mit Office 365 stieg um 43 Prozent, wobei erstmals mehr Cloud-Abos der Bürosoftware verkauft wurden als von der DVD-Version zum Einmalpreis.


Die Anleger zeigten sich zunächst höchst erfreut über die Erfolge. Sie belegen, mit welcher Geschwindigkeit sich Microsoft offenbar vom kranken Mann der IT-Branche zum Vorzeigeunternehmen gewandelt hat. Das Nettoergebnis im vierten Quartal, das am 31. Juni endete, lag mit 6,51 Milliarden Dollar deutlich über den Erwartungen und gut doppelt so hoch wie im Vorjahresquartal. Das lag allerdings auch an einem einmaligen positiven Steuereffekt durch die Schließung der Smartphone-Sparte. Die angefallenen Verluste wurden verrechnet.

Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent auf 23,32 Milliarden Dollar. Zusammen mit den Rückstellungen für einen Teil der Windows-10-Umsätze wären es sogar 24,7 Milliarden Dollar.


Zufriedenheit trotz Schluckauf

Die Microsoft-Aktie stieg nachbörslich kräftig auf neue Rekordwerte von über 75 Dollar, bevor sie wie ein Stein wieder deutlich unter 74 Dollar fiel und dann bei 74 Dollar schloss - 22 Cents unter dem amtlichen Schlusskurs des Tages.
Das passierte praktisch in dem Moment, als Finanzchefin Amy Hood die Umsatzprognose für das laufende Quartal verkündete. Der Zielkorridor von 23,6 bis 24,3 Milliarden Dollar war offenbar nicht genug. Der Mittelwert von 23,95 Milliarden Dollar wäre ein Plus von nur noch sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Analysten hatten mit 24,2 Milliarden gerechnet.


Das erinnerte dann daran, dass die Transformation trotz aller Erfolge nicht ausgestanden ist. Abwärts ging es zuletzt eigentlich immer im Bereich „More Personal Computing“, wo das Windows-10-Geschäft mit Privatkunden und PC-Herstellern zu finden ist. Das Minus lag bei zwei Prozent und zog auf 8,8 Milliarden Dollar an. Auch die Hardware-Sparte Surface verlor zwei Prozent. Neue Laptops und Tablets sollen hier den Trend drehen. Die Sparte "Enterprise Services" setzten drei Prozent weniger um, zum Großteil wegen weniger Wartungsverträgen für Windows Server 2003. Auch hier spürt man die Cloud.


Hoffnungsträger wiederum sind „Intelligent Cloud“ mit einem Plus von elf Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar und „Productivity and Business“ mit 21 Prozent Zuwachs auf 8,4 Milliarden Dollar. Hier finden sich zum Beispiel Firmenverträge für Office-365-Pakete. Die Neuerwerbung LinkedIn steuerte 1,1 Milliarden Dollar zum Umsatz bei.
Trotz des Schluckaufs an der Börse im späten außerbörslichen Handel können die Aktionäre zufrieden sein mit Satya Nadella. Seit seiner Ernennung Anfang 2014 hat sich der Aktienpreis glatt verdoppelt. Microsoft ist wieder im Spiel.