Jeder sechste Deutsche besitzt Aktien oder Aktienfonds. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Aktionäre deutlich – zum falschen Zeitpunkt?

Jeder sechste Deutsche besitzt Aktien oder Aktienfonds. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Aktionäre deutlich – zum falschen Zeitpunkt?

Die Zahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfondsanteilen ist im Jahr 2017 gestiegen. Im Jahresdurchschnitt gab es um gut eine Million mehr Aktienbesitzer als im Jahr zuvor, insgesamt gut zehn Millionen Deutsche. Das berichtet das Deutsche Aktieninstitut (DAI), die Interessengemeinschaft börsennotierter Unternehmen im Land.

Damit ist jeder Sechste in Deutschland an börsennotierten Unternehmen beteiligt. Das ist immerhin der höchste Stand seit zehn Jahren und entspricht dem Niveau vor der Finanzkrise. „Die Entwicklung des vergangenen Jahres ist ein gutes Zeichen“, freut sich Christine Bortenlänger, Vorstand des DAI. Für vergangenes Jahr können sich Aktionäre über hohe Dividenden freuen.

Insgesamt besitzen nach den neuesten Zahlen 10,1 Millionen Menschen in Deutschland Aktien oder Aktienfonds. Davon besitzen gut fünf Millionen Anleger ausschließlich Aktienfonds, 2,9 Millionen Deutsche nur Aktien und gut zwei Millionen Menschen beides. Damit erreicht die Zahl der Aktionäre fast das Niveau des Jahres 2007 – vor Ausbruch der Finanzkrise.


Keine Entwarnung für die Aktienkultur

„Offenbar erkennen immer mehr Menschen die Vorteile der Aktienanlage für den langfristigen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge“, sagt Bortenlänger. Entwarnung für die Aktienkultur gibt das Deutsche Aktieninstitut dennoch nicht, denn:

  • Erstens sind die Anleger in der Vergangenheit häufig der Kursentwicklung nachgelaufen und haben sich bei fallenden Kursen wieder von ihren Anlagen getrennt. „Dieses Muster ist zwar seit der Finanzkrise schwächer geworden“, erklärt Bortenlänger, „der Lackmustest einer längeren Phase fallender Kurse oder steigender Zinsen auf Alternativanlagen steht aber noch aus.“
    Die Anleger sollten sich daher von den jüngsten Kursturbulenzen nicht verunsichern lassen und weiter auf eine kontinuierliche Anlage und langfristige Strategien setzen.
  • Zweitens investieren vor allem über 50-Jährige beziehungsweise Personen mit einem monatlichen Nettohaushaltseinkommen von über 3.000 Euro in Aktien beziehungsweise Aktienfonds. Diese Anleger waren schon vorher vergleichsweise aktienaffin, so dass sich das demografische Muster des Aktienbesitzes im Jahr 2017 eher verstärkt hat.
    Unterm Strich parken die Deutschen nach wie vor zu viel Kapital auf Konten, was in der Phase anhaltend niedriger Zinsen real - also nach Abzug von Inflation - Geld verbrennt. Nach Statistiken der Bundesbank liegen knapp vierzig Prozent des Finanzvermögens privater Haushalte auf Konten und Sparbüchern - das sind mehr als zwei Billionen Euro.

„Die Detailanalyse offenbart, dass wir vor allem jüngere Menschen und Menschen mit einem geringeren Einkommen noch stärker erreichen müssen“, betont die Chefin des Deutschen Aktieninstituts. Sie sieht die Politik in der Pflicht, für entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen.

„Der Koalitionsvertrag enttäuscht diesbezüglich auf ganzer Linie. Geld für die Altersvorsorge muss endlich in Instrumente fließen, die ausreichend Rendite erwirtschaften. Andere Nationen wie die USA, die Niederlande und Schweden machen uns vor, wie die Aktie zum Einsatz kommen kann – und zwar langfristig beim Aufbau von Altersvorsorgevermögen quasi ohne Verlustrisiko.“