Abzocke: Kölner Schlüsseldienst verlangt 900 Euro für eine Stunde Arbeit

35-Jähriger legt erfolglos Einspruch gegen Strafbefehl ein.

An einem Montagabend Ende Juli steht Maria Ferreira frustriert vor ihrer Eingangstür. Der Schlüssel klemmt. „Ich habe es dreimal versucht, aber es ging nichts mehr“, erinnert sich die Seniorin. Sie gelangt einfach nicht in ihre Wohnung in Widdersdorf.

Vom Telefon des Nachbarn aus ruft sie einen Schlüsselnotdienst an. Sie hat spontan den Erstbesten aus dem Branchenbuch ausgewählt und fällt prompt auf einen unseriösen Anbieter rein. Der arbeitet handwerklich nicht nur schlecht, er verlangt auch horrende Preise.

Keinen genauen Preis genannt

„Ich habe mich breitschlagen lassen“, sagt die ehemalige Lehrerin. Die zwei Männer, die vor ihrer Tür erscheinen, geben sich hartnäckig. Sie erklären Ferreira, sie müssten die Tür aufflexen. „Ich hatte ein ungutes Gefühl“, sagt die Betroffene. Die Männer verhalten sich auffällig. Sie fragt nach dem Preis, erhält aber keine genaue Antwort. Das können wir noch nicht sagen, heißt es.

Dann beginnen die vermeintlichen Handwerker mit der Arbeit. Mit Flex und Schraubenziehern zertrümmern sie das Türschloss. Einen neuen Zylinder haben sie dabei, den Beschlag aber nicht. Sie würden am nächsten Tag wiederkommen, versichern sie Ferreira.

Firmenname fehlte

Nach einer Stunde Arbeitszeit kassieren die Männer ab. Sie halten ein EC-Kartenlesegerät bereit und reichen der Seniorin einen Vordruck mit Preisen. Darauf fehlt der Firmenname. Allein eine Handynummer am Kopf der Rechnung gibt Auskunft über den mobilen Dienst. Allerdings ist es eine andere als die Nummer der Firma im Branchenbuch.

Die Preise sind dafür immens. Die Notdienst-Gebühren liegen bei 159 Euro, für die Arbeitszeit werden 159,60 Euro veranschlagt, der Sicherheitsbeschlag mit Kernziehschutz kostet 198 Euro. Insgesamt verlangen die Handwerker 900,23 Euro.

Geschäft mit zwielichtigen Methoden  boomt

Ferreiras Misstrauen verstärkt sich. Nochmals fragt sie nach dem Betrieb. Die Handwerker verweigern ihr die Auskunft und speisen sie mit Ausreden ab. „Ich bin da nicht hart genug“, sagt die Seniorin. Sie habe wenigstens eine ordentliche Rechnung verlangen sollen. „Ich habe mich geärgert, dass ich so schwach war und zugestimmt habe.“ Das Geschäft der zwielichtigen Dienste boomt seit Jahren.

„Das ist eine typische Geschichte“, sagt Annette Bobbert von der Verbraucherzentrale. Die Menschen befänden sich in einer Stresssituation und träfen keine überlegte Entscheidung. „Die Leute suchen nicht lange im Branchenbuch oder im Internet. Sie nehmen einfach irgendjemanden und landen meist bei den schwarzen Schafen“, sagt sie.

Betroffene wenden sich an die Verbraucherzentrale

Immer wieder wenden sich Betroffene an die Verbraucherzentrale. „Die Abzocke hört nicht auf. Wir können nur präventiv Tipps geben“, so Bobbert. Das wichtigste sei, nur lokale Anbieter mit Kölner Adresse und Festnetznummer auszuwählen und niemals die ersten Dienstleister in Branchenbuch oder Internet auszuwählen, da sie sich absichtlich hoch platzieren ließen. Grundsätzlich gelte, nie direkt zu bezahlen. „Lassen Sie sich nie unter Druck setzen“, rät Bobbert. In keinem Handwerksbetrieb werde sofort kassiert. Im juristischen Sinne gilt die Bezahlung aber als Zustimmung. Eben das wollen die unseriösen Dienste ausnutzen. Falls die Arbeiter zu aufdringlich würden, sollten Betroffene die Polizei rufen.

Die Ratschläge kommen für Maria Ferreira zu spät. „Ich bin nicht mal sicher, ob die einen Schlüssel von dem neuen Schloss behalten haben“, sagt sie. Deshalb war sie inzwischen bei der Polizei. Die Beamten haben ihr geraten, zu überprüfen, ob die Männer überhaupt ein Gewerbe angemeldet haben. Die Seniorin will nun bei der Stadtverwaltung nachfragen....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta