Abzocke bei Parship – so wehren Sie sich

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
(Bild: gettyimages)


Mehrere hundert Euro verlangt die Partnerbörse Parship von Kunden, die ihre kostenpflichtige Mitgliedschaft widerrufen. Diese Forderungen scheinen stark überzogen, so Stiftung Wartentest. Die Experten geben Tipps, wie Betroffene erfolgreich gegen zu hohe Rechnungen klagen können. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg geht strikt gegen Parship vor.

„Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship“ – der Werbeslogan hat der Singlebörse schon viel Hohn eingebracht. Von Ökonomen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung wurde der Spruch zur fragwürdigen „Unstatistik des Monats“ gekürt. Auch die Internetgemeinde spart nicht mit Spott.

Doch in die Kritik gerät Parship aktuell nicht nur wegen verwunderlicher Werbung, sondern auch wegen fragwürdiger Geschäftspraktiken. Denn wer bei dem Unternehmen seine kostenpflichtige Mitgliedschaft kündigt, wird kräftig zur Kasse gebeten. Kunden sollen dann einen sogenannten Wertersatz zahlen.

So verlangt Parship von einem Mann aus Münster 393 Euro. Er hatte seine Mitgliedschaft nach 14 Tagen widerrufen, berichtet Stiftung Warentest im Verbrauchermagazin test. Der Mann habe bei Parship eine Premium Classic-Mitgliedschaft abgeschlossen, für die er 523,95 Euro Vorkasse bezahlen musste.

Weil ihn die Singelbörse nicht überzeugte, habe er die Mitgliedschaft widerrufen – wohlgemerkt innerhalb des vom Gesetzgeber für Online-Verträge festgelegten Widerrufsrechts von 14 Tagen. Doch von den im Voraus gezahlten 523, 95 Euro bekam der Kunde nur 130,99 Euro erstattet. Parship teilte ihm mit, dass man 392,95 Euro als „Wertersatz“ einbehalte. Der Mann klagt nun gegen Parship.

Diese Praxis von Parship ist sehr umstritten, so die Verbraucherschützer. Sie verweisen auf ein Urteil des Hamburger Amtsgericht im Oktober 2016, wonach das Vorgehen von Parship für rechtswidrig erklärt wurde. Damals hatte Parship von einem anderen Kunden für fünf Tage Nutzung 359,10 Euro verlangt. Die Richter entschieden jedoch, dass Parship für fünf Tage Nutzung 6,55 Euro zustehen – und nicht wie gefordert 359 Euro.

Stiftung Warentest rät deshalb allen Betroffenen zur Klage, denn die Chancen stünden gut, Geld auf diese Weise zurückzuholen. Das gelte auch für Ansprüche, die weit zurückliegen. „Die Ansprüche der Verbraucher verjähren erst nach drei Jahren. Wer etwa 2014 seine Parship-Mitgliedschaft widerrufen hat, kann seinen Anspruch gegen Parship noch bis Ende 2017 geltend machen“, erklären die Experten.

Hilfe finden Betroffene auch bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Denn die macht mobil gegen die Singlebörse. Auf ihrer Internetseite listet die Verbraucherzentrale Urteile auf, in denen Verbraucher erfolgreich gegen Parship vor Gericht gezogen sind

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch auf den Internetseiten von Stiftung Warentest.

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