Schalkes neues Risiko wird bestraft

Hannovers Neuzugang Jonathas (r.) traf wenige Minuten nach seiner Einwechslung

Domenico Tedesco rief seine Spieler zusammen und redete noch auf dem Platz auf sie ein.

Nach dem ersten schweren Dämpfer mit dem FC Schalke 04 sah der Trainer-Aufsteiger dringenden Gesprächsbedarf.

"Wir hatten keinen Zugriff und haben jedes Luftduell verloren. Darüber müssen wir sprechen", sagte Tedesco nach der ernüchternden 0:1 (0:0)-Niederlage bei Aufsteiger Hannover 96 bei Sky. (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Kehrer erhält nach Patzer Rückendeckung

Eine Woche nach dem überzeugenden 2:0-Sieg gegen RB Leipzig präsentierten sich die Schalker in der Vorwärtsbewegung weitgehend ideen- und harmlos.

Das frühe Pressing der Hannoveraner erzwang schließlich den entscheidenden Fehler vor dem Siegtreffer von 96-Rekordtransfer Jonathas (67.). Vorausgegangen war ein grober Schnitzer von Thilo Kehrer, den Marvin Bakalorz zur Vorlage für den Neun-Millionen-Mann aus Brasilien nutzte. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)


"Wenn man mit Risiko spielen möchte und das wollen wir, dann kann ein Fehler passieren. Deswegen macht Thilo bei uns keiner einen Vorwurf", sagte Schalkes Sportvorstand Christian Heidel.

Und auch Kehrers Coach wollte Kehrer nicht an den Pranger stellen: "Prinzipiell ist es eine gute Idee, um den Gegner zu locken", sagte der Schalker Coach. "Der Fehler war spielentscheidend, aber er darf passieren, daher ist das überhaupt kein Problem."

Besondere Freude bei Breitenreiter

Dennoch wartet in der Länderspielpause viel Arbeit auf den 31 Jahre alten Coach. "Wir haben es nicht geschafft, dem Druck von Hannover zu entkommen. Wir haben nicht das richtige Mittel gefunden", meinte Verteidiger Bastian Oczipka.


Auf der anderen Seite freute sich der frühere Schalke-Coach Andre Breitenreiter über den gelungenen Saisonstart mit sechs Punkten aus den ersten beiden Spielen. "Natürlich ist es ein besonderes Spiel gegen Schalke, aber ich bin einfach nur glücklich, dass wir gewonnen haben", sagte Breitenreiter, der vor anderthalb Jahren bei Schalke entlassen wurde. (Die Tabelle der Bundesliga)

96-Fans protestieren gegen Kind

Vor dem Anpfiff richteten sich die Augen auf die Nordkurve der 96er. Der Streit zwischen 96-Präsident Martin Kind und den Anhängern der Niedersachsen hatte vor dem Duell für jede Menge Wirbel gesorgt. Im ersten Bundesliga-Heimspiel nach dem Wiederaufstieg setzten die Hannover-Fans ihren Protest gegen die anstehende Übernahme der Profiabteilung durch den Unternehmer fort - ein Teil der Kurve blieb weitgehend stumm.


Dennoch sah Breitenreiter, der mit dem langjährigen Schalke-Manager Horst Heldt in der Saison 2015/16 die Geschicke bei Königsblau geführt hatte, einen guten Start seines Teams. Von der ersten Minute an bearbeiteten selbstbewusste 96er die Schalker mit aggressivem Pressing. Tedesco gestikulierte wild an der Seitenlinie.

Fährmann rettet gegen Sane

Die erste Torchance entsprang einer Standardsituation: Hannovers Innenverteidiger Salif Sané prüfte den neuen S04-Kapitän Ralf Fährmann mit einem gefährlichen Kopfball nach einem Freistoß aus dem Halbfeld (16.). Auch in der Folge blieben die Hausherren aktiver, Schalkes Mittelfeldzentrale mit Nationalspieler Leon Goretzka war zunächst abgemeldet.

Fährmanns Amtsvorgänger Benedikt Höwedes, der mit einem Wechsel zu Juventus Turin liebäugelt, konnte von der Bank aus vor dem Pausenpfiff keinen gefährlichen Schuss seines Teams auf das Tor von Hannovers Torhüter Philipp Tschauner sehen.

Video-Schiri: Sanes Handspiel nicht strafbar

Der Schalke-Trainer Tedesco brachte zum Wiederanpfiff Guido Burgstaller für den blass gebliebenen Franco Di Santo. Die Gäste kamen etwas besser aus der Kabine und hofften bereits in der Anfangsphase des zweiten Durchgangs auf einen Elfmeter. Doch Schiedsrichter Patrick Ittrich wertete ein Handspiel von Sané nach Rücksprache mit dem Videoassistenten als nicht strafstoßwürdig (50.).

Nach dem Führungstreffer durch Jonathas rannten die Gäste nochmals verzweifelt an, mehr als eine gute Schussmöglichkeit von Yevhen Konoplyanka ergab sich aber nicht mehr (72.).