Absichern gegen den Ernst des Berufslebens


Hunderttausende junge Menschen rufen dieser Tage: School’s out forever. Die Abiturprüfungen sind geschrieben, der Ernst des Lebens beginnt. Wie ernst das Leben werden kann, ist allerdings nicht allen Jugendlichen klar, befürchten Verbraucherschützer. Krankheiten oder Unfälle können auch junge Menschen treffen und schlimmstenfalls in den finanziellen Ruin treiben. Dann nämlich, wenn sie eine Berufsunfähigkeit zur Folge haben.



Durch Rücklagen lässt sich ein Verdienstausfall kaum ausgleichen. Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt in vielen Fällen nur eine Erwerbsminderungsrente, deren Höhe sich nach den eingezahlten Beträgen und den Versicherungsjahren bemisst. „Wer in jungen Jahren berufsunfähig wird, riskiert ohne private Berufsunfähigkeitsversicherung den sozialen Abstieg“, warnt die Verbraucherzentrale Hamburg.



Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) gilt deshalb als wichtigste Police neben der Haftpflichtversicherung. „Beide sichern existenzielle Risiken ab“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Die Leistung der Policen ist im Grundsatz schnell erklärt: Kann ein Versicherungsnehmer seinen Job nicht mehr ausüben, bekommt er eine monatliche Rente vom Versicherer. „Für eine BU muss man etwas tiefer in die Tasche greifen als für eine Haftpflichtversicherung“, sagt Boss.



Vorerkrankungen, chronische Leiden oder ein fortgeschrittenes Alter haben Risikozuschläge zur Folge und können sogar dazu führen, dass einzelne Risiken ausgeschlossen sind oder Versicherer ganz ablehnen. Man sollte eine BU deshalb möglichst abschließen, solange man jung und gesund ist.



Das Analysehaus Morgen & Morgen hat für das Handelsblatt BU-Tarife verglichen. Alle untersuchten Policen wurden von dem Analysehaus mit fünf Sternen bewertet, bieten also gute Leistungen. Weil sich die monatlichen Beiträge für BUs unter anderem nach dem ausgeübten Beruf richten, haben die Experten Angebote exemplarisch für fünf Berufsgruppen untersucht.



Genannt sind jeweils die fünf günstigsten Tarife, und zum Vergleich der Monatsbeitrag des teuersten Anbieters. Maßgeblich für das Ranking ist der sogenannte Zahlbeitrag, also das, was der Versicherte pro Monat tatsächlich bezahlt. Der Maximal- oder Tarifbeitrag wird nur unter besonders ungünstigen Umständen fällig, etwa wenn die Überschüsse der Versicherer sinken oder mehr Menschen berufsunfähig werden als gedacht. Der Zahlbeitrag darf den Maximalbeitrag nicht überschreiten, oft liegt er deutlich darunter.



Eine Absicherung kann erschwinglich sein

Die Auswertung zeigt: Eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit kann erschwinglich sein. Sie zeigt zudem, wie stark die Monatsbeiträge mit zunehmendem Alter des Versicherten steigen. Ein 18-jähriger Schüler zahlt für eine sogenannte selbständige BU (SBU) bei den günstigsten Anbietern zwischen 26 und 36 Euro pro Monat. Für einen 40-jährigen Zahnarzt werden 111 bis 135 Euro pro Monat fällig. Die Angebote lassen sich allerdings nur bedingt vergleichen. Sie bieten vor allem eine grobe Orientierung über die mögliche Kostenhöhe. Nicht nur Alter und Tätigkeit der Musterkunden variieren im Ranking, sondern auch die garantierte monatliche BU-Rente.



Eine SBU dient ausschließlich der Risikoabsicherung. Nur wenn der Versicherte berufsunfähig wird, zahlt der Versicherer. Welcher Anbieter am günstigsten ist, hängt stark von den Voraussetzungen des Versicherungsnehmers ab. Ein 25-Jähriger Krankenpfleger, der eine BU über 40 Jahre abschließt und tausend Euro monatliche BU-Rente möchte, ist mit einer Police der Europa-Versicherung gut bedient.



Er zahlt dafür derzeit 68 Euro pro Monat. Beim teuersten Anbieter wären es 144 Euro pro Monat. Für einen 18-Jährigen Schüler, der eine Versicherungsdauer von 49 Jahren und eine monatliche BU-Rente von 750 Euro wählt, ist ein Angebot von InterRisk mit 26 Euro pro Monat besonders günstig. Beim teuersten Anbieter würden monatlich 70 Euro fällig.

Zusätzlich zu SBUs haben die Experten von Morgen & Morgen kombinierte Angebote verglichen, bestehend aus einer Risikolebensversicherung und einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ). „Diese Policen sind oft nicht viel teurer als SBUs. Sie sind vor allem dann sinnvoll, wenn es jemanden gibt, den man mit absichern will“, erklärt BdV-Expertin Boss.



Die Besonderheit: Stirbt der Versicherungsnehmer, bekommt eine zuvor festgelegte Person Geld ausgezahlt. Die sogenannte Todesfallsumme variiert je nach Anbieter und Police, kann vier- oder fünfstellig ausfallen.

Das Ranking zeigt, dass die teuerste Police nicht unbedingt die höchste Todesfallsumme bietet. So zahlt etwa der 18-Jährige Musterkunde für eine Police der Dialog-Versicherung derzeit 35 Euro pro Monat. Im Todesfall bekommen Hinterbliebene 25.000 Euro ausgezahlt. Beim teuersten Anbieter werden 71 Euro pro Monat fällig, im Todesfall gibt es aber nur 5.625 Euro.



Die Kombination aus Risikolebensversicherung und BU kann sinnvoll sein, sagen Verbraucherschützer. Anders sieht es mit einem Mix aus BU und Kapitallebensversicherung aus, den viele Versicherer gern verkaufen. „Wir raten davon ab, Geldanlage und Risikoabsicherung zu kombinieren“, sagt Boss.



Erstens sind solche Tarife oft sehr teuer. Zweitens kommt es vor, dass Kunden sich die Beiträge zur Kapitallebensversicherung nicht mehr leisten können, weil sich ihre finanzielle Situation geändert hat. Wollen sie dann die Kapitallebensversicherung kündigen, müssen sie allerdings auch die BU kündigen, und danach womöglich zu schlechteren Konditionen neu abschließen.