Mit Abonnements über die Blockchain für mehr Qualitätsjournalismus

Wolfgang Bergthaler

Die Suche der Medien nach internet-fähigen Geschäftsmodellen ist so alt wie das World Wide Web. Warum Online-Werbung dem Qualitätsjournalismus schadet, Micropayment nicht funktioniert und wie anonyme One-Click Subscriptions zukunftsfähige Abrechnungsmodelle ermöglichen könnten.

Bereits in den 90er-Jahren hat sich im Internet ein Geschäftsmodell herauskristallisiert, das menschliche Aufmerksamkeit ins Zentrum stellt: Werbung. Was aus der Not heraus entstand, hat sich dem Medium kulturell eingeprägt. Heute gibt es zwar Bezahlmöglichkeiten, aber nur wenig Zahlungsbereitschaft. Paywalls für Online-Abos oder Micropayments für einzelne Artikel funktionieren nur partiell und fristen nach zwanzig Jahren des Experimentierens immer noch ein Nischendasein. Stattdessen wird das Konzept von Zero Marginal Cost offensichtlich wörtlich genommen und auch recht konsequent von den Konsumenten eingefordert. Gleichzeitig wird aber immer deutlicher, welchen Preis das vorherrschende dominierende Geschäftsmodell hat.

Die Quantität des von den Medien heute produzierten Contents sowie sensationsgetriebener Berichterstattung (Stichwort „Clickbaits“) tun der leidgeplagten Branche – gerade im Kontext von Fake News und des kollektiven Vertrauensverlusts in die Institutionen – nichts Gutes. Wenn die klassischen Medien in den kommenden Jahren keine Alternative zum bestehenden werbe­finanzierten Erlösmodell finden, könnte der Qualitätsjournalismus noch weiteren Schaden nehmen.

Probleme bei der Monetarisierung von Inhalten über die Blockchain

Viel hat man schon darüber geschrieben, wie die Blockchain-Technologie Medien und insbesondere Content-Produzenten dabei helfen könnte, tragfähige und effiziente Geschäftsmodelle zu entwickeln. Aggregatoren könnten übersprungen und so Geld direkt vom Konsumenten zum Produzenten fließen. Auch wenn dieser Anwendungsfall sinnvoll und löblich ist, wird er wohl nicht so schnell die traditionell gewachsenen Strukturen ablösen – vor allem weil die Nutzer den Mehrwert dieser Plattformen wie Aufbereitung, Kuratierung oder Suchfunktion auch (wert)schätzen.

Aus technischer Sicht scheint die Monetarisierung auf Ebene einzelner Artikel, Videos oder Musikstücke aber nur theoretisch machbar. Denn um Micropayments wirtschaftlich anzubieten, müssten die Transaktionskosten der genutzten Blockchain ausreichend niedrig und kalkulierbar sein. Bis jetzt bietet allerdings noch keine Blockchain eine derartige Skalierbarkeit, sodass dieser Anwendungsfall definitiv noch einige Jahre in der Zukunft liegt.

Zu bezweifeln ist allerdings, ob Micropayments funktionieren. Denn egal ob traditionelle/zentrale Ansätze wie Flattr, Paypal Donate oder proprietäre Lösungen einzelner Medienhäuser, „Pay-Per-Use“ entspricht beim Medienkonsum offensichtlich nicht der menschlichen Psychologie. Das stellte der Blockchain- und Kryptowährungs-Pioneer Nick Szabo bereits 1996 in diesem Artikel „The Mental Accounting Barrier to Micropayments“ fest.

Geld neu denken: Streaming Money, ideal für Abonnements

Eine Alternative dazu könnten blockchain-basierte Abonnements sein. Derzeit gibt es allerdings noch keine effiziente Methode, um eine Kryptowährung für ein abo-basiertes Geschäftsmodell zu verwenden. So müsste ein Abonnent heute entweder jede Transaktion – zum Beispiel jeden Monat – mit dem Private Key signieren oder alternativ eine ausreichend große Menge an Coins auf einem Treuhandkonto hinterlegen. Beide Wahlmöglichkeiten sind mit Aufwand verbunden und einfach unpraktisch.

Um genau dieses Problem zu lösen und Abos über die Blockchain abzurechnen, wird aktuell von der Entwickler-Community ein Ethereum Improvement Proposal (EIP) diskutiert – siehe hier.

Ein alternativer Vorschlag kommt von der Genossenschaft lab10 collective aus Österreich. Deren ARTIS Blockchain will das Paradigma von wiederkehrenden Zahlungen komplett durchbrechen. Inspiriert durch die Überlegungen von Andreas Antonopoulos zu „Streaming Money“  werden Coins (oder Tokens) auf der ARTIS Blockchain kontinuierlich – und nicht diskret – übertragen. Ein sogenannter Streem wird durch eine Transaktion gestartet. Ab dann fließt Geld in einer definierten Menge zwischen zwei Accounts – so lange bis eine weitere Transaktionen den Streem (zum Beispiel für ein Abo) wieder stoppt.

Wie man dadurch schnell und anwendungsfreundlich ein Abonnement abschließen kann, demonstriert diese Animation.

Sogenannte Anonymous One-Click Subscriptions ermöglichen es dem Nutzer, über die ARTIS Infrastruktur mit nur einem Klick (im Vergleich zu über 50 Klicks bei typischen Bezahlprozessen) ein Abo abzuschließen. Dafür muss er sich weder registrieren noch Zahlungsdaten eingeben. Durch diese neuartige Bezahl-Form erspart sich jeder Konsument nicht nur 80 Prozent der Zeit, sondern behält sich auch seine Anonymität.

Die Bereitschaft, (jederzeit wieder kündbare) Abos mit dieser signifikant verbesserten Usability abzu­schließen, ist wohl deutlich höher als unter den bisher üblichen Rahmenbedingungen. Daher ist davon auszugehen, dass so in Zukunft mehr Menschen für guten Content im Internet bezahlen würden.

The Next Big Thing: Abos auf der Blockchain?

So würden die Anbieter von One-Click Subscription Services profitieren. Anstatt Display-Ads zu schalten, Daten zu sammeln und Drittdienstleistern wie Payment-Gateways dazwischen zu schalten, gäbe es dann einen direkten und permanenten Cashflow – im wahrsten Sinne des Wortes. Gerade klassische Medien könnten dann wieder ihr bevorzugtes Geschäftsmodell nutzen und sich auf das konzentrieren, was sie am besten können: Qualitätsjournalismus betreiben.

Was mit dem Zeitungsabonnement beginnt, lässt sich zum Beispiel auch für Dienstleistungen der Sharing Economy nutzen und bis zur Zahlung von Gehältern, Wohnungsmieten oder Taschengeldern weiterspinnen.

Die ARTIS Blockchain soll im Dezember 2018 launchen. Für dieses Projekt, welches die Infrastruktur für die „Subscription-based Economy“ entwickelt, sollen ab dem 31. Mai fünf Millionen Euro eingesammelt werden.

Weitere Infos zu Streaming Money und Anonymous One-Click Subscriptions auf ARTIS Blockchain

 

Source: BTC-ECHO

Der Beitrag Mit Abonnements über die Blockchain für mehr Qualitätsjournalismus erschien zuerst auf BTC-ECHO.