Abo-Streaming-Dienste bald überall in der EU verfügbar

Online-Dienste wie Netflix und Sky Go müssen ab dem ersten April in allen EU-Ländern verfügbar sein. Auf Reisen innerhalb der EU könnten Abonnenten von Online-Diensten bald "unter denselben Bedingungen wie in ihrem Heimatland und ohne Zusatzkosten" diese Dienste nutzen, sagte Digitalkommissarin Mariya Gabriel am Dienstag in Brüssel. Ausgenommen von den neuen Vorschriften sind Live-Streams und Mediatheken von Fernsehsendern.

Die Regelung gilt für Abonnements bei Anbietern von Online-Inhalten wie Filmen, Übertragungen von Sportereignissen, E-Büchern, Videospielen oder Musik. Bislang sind diese Inhalte zum Teil nicht verfügbar, wenn Nutzer sich von außerhalb ihres Heimatlandes einloggen. So können etwa Spiele der Fußballbundesliga über ein in Deutschland abgeschlossenes Abonnement nicht im Ausland verfolgt werden.

In anderen Fällen wie etwa des Streaming-Anbieters Netflix können Abonnenten zwar vom Ausland aus auf die Plattform zugreifen, allerdings variieren die verfügbare Auswahl an Filmen und Serien sowie die angebotenen Sprachversionen von Land zu Land. "Von nun an muss dasselbe Angebot wie im Heimatland auch im EU-Ausland verfügbar sein", erklärte die Kommission.

Die Regelung gilt für Situationen, in denen der Kunde sich "vorübergehend" im Ausland befindet - etwa auf Urlaubs- oder Dienstreise. Da keine zeitliche Begrenzung vorgesehen ist, hängt die Regelung de facto vom Wohnort des Kunden ab: Er hat das Recht auf das Angebot, das an seinem Wohnort gültig ist, unabhängig davon, wo in der EU er sich wie lange aufhält.

Schließt ein Kunde ein Abonnement in einem anderen Land ab, als das seines Wohnortes, kann er sich nicht auf die EU-Vorschrift berufen. Online-Plattformen müssen deshalb laut der Verordnung von nun an den Wohnort ihrer Abonnenten überprüfen. Das kann etwa über die Rechnungsadresse, die Bankverbindung oder Kreditkarteninformationen des Kunden geschehen.

Die neuen Vorschriften sind für kostenpflichtige Anbieter verpflichtend. Online-Dienste, die sich über Werbung oder Gebühren finanzieren - also in erster Linie private und öffentlich-rechtliche Fernseh- und Radiosender - müssen ihre Inhalte nicht europaweit zugänglich machen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisiert diese Ausnahmen. Es sei "im ureigenen Interesse Europas, dass Bürger Kultur- und Informationsangebote aus der gesamten EU nutzen können", erklärte Martin Madej vom vzbv. Einzelne Sender wie das öffentlich-rechtliche Yleisradio in Finnland und der frankophone belgische Rundfunk RTBF haben angekündigt, freiwillig die EU-Vorschriften für Bezahlangebote anzuwenden.