Abiy sieht Ende des Konflikts in Äthiopien "in Reichweite"

·Lesedauer: 2 Min.
Kämpfer in der Stadt Gonder in Äthiopien
Kämpfer in der Stadt Gonder in Äthiopien

Der militärische Konflikt in der äthiopischen Region Tigray steuert nach Ansicht von Regierungschef Abiy Ahmed auf sein Ende zu. In der Unruheregion sei ein Ende des Armeeeinsatzes "in Reichweite", sagte Abiy am Dienstag. Der bewaffnete Konflikt zwischen der Armee und der Regierungspartei in Tigray trieb derweil viele in die Flucht: Rund 3000 Menschen seien aus Äthiopien ins Nachbarland Sudan geflohen, teilte ein sudanesischer Behördenvertreter mit.

"Die Operationen werden eingestellt, sobald die kriminelle Junta entwaffnet ist, die legitime Autorität in der Region wiederhergestellt ist", schrieb Abiy im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er fügte hinzu, dass der Militäreinsatz gegen die Regierungspartei in Tigray, die Volksbefreiungsfront TPLF, planmäßig verlaufe. Zuvor hatte das äthiopische Militär die Einnahme eines wichtigen Regionalflughafens verkündet. 

Staatsmedien zufolge gelang es der Armee am Dienstag, einen 60 Kilometer von der Stadt Humera entfernten Flughafen "komplett einzunehmen". Das Gebiet liegt nahe der Grenzen zum Sudan und zu Eritrea. Die von der TPLF kontrollierten Medien in Tigray wiederum erklärten, die vom "Faschisten Abiy Ahmed ausgegebene Informationen" seien "weit von der Wahrheit entfernt". Von unabhängiger Seite waren die Angaben nicht zu überprüfen. 

Die äthiopische Armee hatte vergangene Woche erklärt, sie befinde sich im "Krieg" mit der TPLF, die die Region im Norden des Landes regiert. Abiy hatte zuvor von zwei Angriffen der TPLF auf äthiopische Militärbasen gesprochen und einen Inlandseinsatz der Armee angeordnet. Ein Großteil der Kämpfe konzentrierte sich Berichten zufolge auf den Westen von Tigray, nahe der Grenze zwischen dem Sudan und Eritrea.

Dem sudanesischen Flüchtlingshilfswerk zufolge veranlasste der Konflikt bisher etwa 3000 Menschen zur Flucht in den Sudan. "Die Flüchtlinge strömen rein, und die Situation ändert sich stündlich", sagte der Leiter Alsir Khaled in der sudanesischen Grenzstadt Kassala. Khaled zufolge befinden sich auch 30 äthiopische Soldaten unter den Flüchtlingen. "Sie stellten sich an einem sudanesischen Militärkontrollpunkt", sagte er. Ein Augenzeuge berichtete der Nachrichtenagentur AFP, dass Familien mit kleinen Kindern versuchten, einen Fluss zu überqueren, um den Sudan zu erreichen.

Babar Baloch, Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, sagte am Dienstag, dass die UN "besorgt" über die Auswirkungen des andauernden Konflikts auf die humanitäre Situation in Tigray sei. Der Vorsitzende der Afrikanische Union (AU), Moussa Faki Mahamat, appellierte an beide Konfliktparteien, alle Kampfhandlungen einzustellen, die Menschenrechte zu respektieren und den Schutz von Zivilisten zu gewährleisten.

In Tigray hatte es bereits in den vergangenen Monaten Spannungen gegeben. Die TPLF erkennt Regierungschef Abiy, der im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, nicht an.

hg/cp