VW rüstet sich mit Führungswechsel und neuer Konzernstruktur für die Zukunft

Der neue VW-Chef Diess

Mit einer neuen Führung und schlankeren Konzernstrukturen rüstet sich Volkswagen für die Herausforderungen der Zukunft. "Die Last ist auf viele Schultern verteilt", sagte der neue Konzernchef Herbert Diess am Freitag in Wolfsburg. Eine Baustelle bleibe der Dieselskandal: Durch die Abgaskrise habe VW "viel Vertrauen verloren", und es bleibe eine Aufgabe für die kommenden Jahre, dieses Vertrauen wieder herzustellen. Anteilseigner Niedersachsen äußerte sich erfreut.

Diess war am Donnerstagabend vom Aufsichtsrat zum Nachfolger von VW-Chef Matthias Müller ernannt worden. Außerdem wurden der bisherige Generalsekretär des Konzernbetriebsrates, Gunnar Kilian, als neuer Personalvorstand eingesetzt und Porsche-Chef Oliver Blume in den Konzernvorstand befördert. Diess soll ein weiterer Manager, ein Chief Operation Officer, als "rechte Hand" zur Seite gestellt werden, diese Personalie ist aber noch offen.

Volkswagen beschloss zudem eine neue Konzernstruktur und führte die Markengruppen "Volumen" - unter anderem mit VW und Seat - sowie "Premium" mit Audi und "Super Premium" mit Porsche ein. Außerdem soll die Nutzfahrzeugsparte in eine Aktiengesellschaft mit Sitz in München umgewandelt und auf einen Börsengang vorbereitet werden. Durch die neue Struktur erhoffe sich VW Synergieeffekte und "schnellere und effizientere Entscheidungen", sagte Diess.

Dem "Spiegel" zufolge könnte der Börsengang des Lastwagengeschäfts bis zu sieben Milliarden Euro einbringen. Demnach will der Konzern bis zu 25 Prozent verkaufen. Auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch stellte am Freitag klar, dass es keine Überlegungen gebe, dass der Konzern die Kontrolle über das Lastwagengeschäft "aufgeben" wolle. Außerdem sei ein Börsengang kein Thema für dieses Jahr.

Das Land Niedersachsen, das 20 Prozent an VW hält, begrüßte die Veränderungen im Konzern. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erklärte, durch die Bildung der Markengruppen werde der Vorstand entlastet und könne sich "stärker auf übergeordnete Belange" konzentrieren. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) erwartet "auch weiterhin richtige und mutige strategische Entscheidungen" von Diess. VW müsse künftig durch "gute Produkte, ein hohes Umweltbewusstsein und große Transparenz" das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen.

Die Dieselkrise betrachtet auch VW noch nicht als ausgestanden. "Das wird eine lange Aufgabe und ein langer Weg sein", sagte Diess zum Ziel, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Die "Automobilwoche" zitierte aus einem Brief von Diess an die Belegschaft: "Nur wenn wir die Aufarbeitung ernsthaft und tiefgreifend vorantreiben, können wir daraus lernen, ähnliche Fehler in Zukunft zu vermeiden."

Volkswagen hatte im Herbst 2015 zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen unterschiedlicher Marken eine Software zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut zu haben. Die Fahrzeuge seien "in Ordnung gebracht" und durch Software-Updates seien die Stickoxid-Emissionen merklich gesenkt worden, sagte Diess.

Zugleich sprach sich der Konzernchef erneut gegen Hardware-Nachrüstungen aus. Diese seien "aufwendig" und machten "wenig Sinn". Es gebe effizientere und schnellere Maßnahmen, um die Luft in belasteten Städten zu verbessern.

Linken-Chef Bernd Riexinger kritisierte, Börsengänge seien "keine Antwort auf den Dieselskandal". Beim Umbau des Konzerns müssten Transparenz, Verbraucherschutz und die Mitsprache der Beschäftigten im Vordergrund stehen.