Japans Kaiser Akihito dankt am 30. April 2019 ab

Japans Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko

Japans Kaiser Akihito wird am 30. April 2019 abdanken. Das teilte Regierungschef Shinzo Abe am Freitag nach einem Treffen mit dem 83-jährigen Monarchen mit. Es ist das erste Mal seit mehr als 200 Jahren, dass ein japanischer Kaiser in abdankt. Den Thron soll dann Akihitos ältester Sohn, Kronprinz Naruhito, übernehmen.

Er sei "tief bewegt" von der "ruhigen Entscheidung" des Kaisers, sagte Abe. Die Regierung werde alles tun, damit die japanische Bevölkerung den Thronwechsel gebührend feiern könne. Naruhito soll vermutlich am Tag nach der Abdankung seines Vaters gekrönt werden. Der 57-Jährige hatte bereits im Juni beteuert, er wolle sich dann mit "Leib und Seele" seinen Pflichten widmen.

Akihito sitzt seit fast drei Jahrzehnten auf dem Chrysanthemen-Thron. Im vergangenen Jahr hatte er sein Land mit dem Wunsch in Aufruhr versetzt, die Krone an Naruhito weiterzureichen. Als Gründe für seinen Entschluss nannte er sein Alter und gesundheitliche Probleme. Er wurde zuletzt wegen Prostatakrebs behandelt und musste sich einer Herzoperation unterziehen.

Akihitos bevorstehende Abdankung hatte auch eine Debatte über die Nachfolgeregelung im japanischen Kaiserhaus ausgelöst: Zwar gab es in der japanischen Geschichte auch Kaiserinnen, nach den heutigen Gesetzen dürfen jedoch nur Männer den Thron besteigen. Nach Naruhitos jüngerem Bruder Akishino und dessen zehnjährigem Sohn Hisahito gibt es derzeit aber keinen weiteren männlichen Thronfolger.

Darüber hinaus verlieren weibliche Mitglieder der Kaiserfamilie ihren Status als Mitglieder des Hofs, wenn sie einen Bürgerlichen heiraten. Im Mai heizte die Nachricht von der bevorstehenden Verlobung von Akihitos Enkelin Prinzessin Mako mit ihrer College-Liebe Kei Komuro die Debatte um die Thronfolge deshalb weiter an.

Eine Abdankung des Kaisers ist in Japans Nachkriegsverfassung nicht vorgesehen. Für Akihitos Fall wurde im Juni ein spezielles Gesetz vom Parlament verabschiedet, das aber nur für ihn gilt. Einige Experten argumentieren, eine generelle Möglichkeit zum Abdanken könnte künftige Monarchen der Gefahr politischer Manipulationen aussetzen.

Das Parlament fordert inzwischen auch eine stärkere Rolle der weiblichen Mitglieder der Kaiserfamilie, und auch in der Bevölkerung ist die Idee populär. Traditionalisten, allen voran Ministerpräsident Abe und seine konservativen Anhänger, lehnen eine weibliche Erbfolge aber vehement ab.

Die Verfassung verbietet dem Monarchen jegliche Einmischung in die Politik. Trotzdem gelang es dem von Natur aus zurückhaltenden Akihito seit seiner Thronbesteigung 1989 immer wieder, subtil seine Meinung deutlich zu machen. Er gilt als volksnah und lehnt jeglichen Herrscherkult ab.

Mit seiner Frau, Kaiserin Michiko, hat der Monarch neben seinen beiden Söhnen eine Tochter. Japans Kaiserfamilie ist die älteste Monarchie der Welt.