Abbruch bei blutiger Feigenbutz-Schlacht sorgt für Ärger

Michael Prieler, Robin Wigger, Sarah Valentina
Vincent Feigenbutz verteidigte seinen Titel

Vincent Feigenbutz hat seinen IBF-Intercontinental-Titel im Supermittelgewicht durch technischen K.o. erfolgreich gegen den Südafrikaner Ryno Liebenberg verteidigt. Die Art und Weise, wie der Sieg zustande kam, sorgte aber für Wirbel.

Denn der Ringrichter - der auch als Ringarzt aktiv ist - brach den Fight wegen eines stark blutenden Cuts bei Liebenberg in der sechsten Runde ab und verhalf Feigenbutz, der nach Punkten hinten gelegen haben dürfte, zum Sieg.

"Wenn wir so anfangen, wird das ja ein Pussy-Kampf oder ein Pussy-Sport", echauffierte sich SPORT1-Experte Graciano Rocchigiani: "Der Kampf hätte nicht abgebrochen werden dürfen. Das war ohne Grund. Ich habe schon viel Schlimmeres gesehen als diesen Cut."

Feigenbutz spricht von "Krieg"

Routinier Liebenberg machte dem 22 Jahre alten Titelverteidiger das Leben schwerer als gedacht. In den ersten drei Runden drängte der 34-Jährige seinen Kontrahenten Feigenbutz bedrohlich in die Defensive.


Erst in der vierten Runde kämpfte sich die große deutsche Box-Hoffnung zurück in den Fight und fügte Liebenberg eine Runde später den Cut an der Stirn zu. Dann geriet das Duell zur Blutschlacht, die der Ringrichter in der sechsten Runde zu Liebenbergs Unmut beendete.

"Das war ein Krieg. Es war ein sehr, sehr harter Kampf. Als ich gesehen habe, dass er einen Cut hat, bin ich immer weiter drauf. Respekt an ihn, wir haben heute etwas für das Boxen getan", sagte Feigenbutz bei SPORT1.


Rocchigiani kritisiert Abbruch

Rocchigiani kritisierte Feigenbutz und nahm sich auch den Ringrichter vor. "Heute hätte er den Kampf normalerweise nicht gewinnen können, so wie er geboxt hat", so "Rocky": "Und wenn der Ringrichter Arzt ist, soll er die Verletzung abtupfen, das Blut wegmachen und dann gucken, wie dick, breit und tief die Wunde ist. Hier (an der Stirn, Anm. d. Red.) kann eigentlich gar nichts passieren, das ist alles Knochen."

Es dürfe nicht jedes Mal abgebrochen werden, "wenn da einer mal blutet oder einen kleinen Cut hat".

Auch SPORT1-Expertin Regina Halmich bedauerte das Urteil, warb aber auch für Verständnis. "Ich habe es im ersten Moment nicht verstanden. Der Abbruch war sehr unglücklich, weil es sehr eng war", so Halmich: "Aber wenn der Ringrichter auch Arzt ist, sage ich: Dem Arzt muss ich die Entscheidung überlassen. Weil wenn dann was passiert, ist das Gejammer groß."


Rückkampf oder WM-Chance?

Für Feigenbutz, dem nun womöglich noch in diesem Jahr ein WM-Kampf winkt, bedeutete der Erfolg im 30. Profifight den 28. Sieg (zwei Niederlagen). Sein neuer Trainer Zoltan Lunka würde ihm aber lieber noch ein Jahr Zeit geben, wie er am SPORT1-Mikrofon erklärte.

Eventuell könnten sich beide Seiten auch auf einen Rückkampf einigen, für den sich neben Halmich auch Ex-Profi Luan Krasniqi aussprach. "Es war ein unglückliches Ende. Am liebsten würde ich einen Rückkampf sehen. Es war eine richtige Prüfung für Vincent", so Krasniqi.


Im Vorjahr hatte Feigenbutz seinen ersten WM-Fight gegen den Italiener Giovanni de Carolis durch technischen K.o. verloren und damit verpasst, zum jüngsten deutschen Champion der Boxgeschichte aufzusteigen.

SPORT1 zeigt dieses Jahr zwanzig Kampfabende live im Free-TV, unter anderem mit Arthur Abraham, Tyron Zeuge und Vincent Feigenbutz

Bunn feiert Punktsieg

Im Vorkampf hatte Patrick Rokohl seinem finnischen Kontrahenten Mika Joensuu keine Chance gelassen, siegte klar nach Punkten.

Deutlich härter musste Box-Hoffnung Leon Bunn für seinen Punktsieg gegen Maurice Possiti aus Frankreich kämpfen. Possiti verlangte dem Frankfurter über acht Runden alles ab.


Doch Bunn konnte die Punktrichter zurecht mehr beeindrucken, gewann letztlich einstimmig nach Punkten.

Auch zwischen Nina Meinke und Vissia Trovata ging es über die volle Distanz. Die beiden Fighterinnen lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, der bei beiden deutliche Spuren hinterließ.

Schwer gezeichnet durfte am Ende aber doch Favoritin Meinke die Fäuste als Siegerin in die Höhe recken.


Im letzten Vorkampf vor Feigenbutz' Titelkampf setzte Denis Radovan seinem Gegner Mattia Scaccia schon früh zu. In der dritten Runde wurde der Italiener das erste Mal angezählt.

In der vierten Runde schickte der Kölner Scaccia dann endgültig auf die Bretter.