Ab wann ist ein Superfood eigentlich ein Superfood?

(Bild: Getty Images)

“Nein, ehrlich, das ist das neue Moringa!” Ich sitze in der U-Bahn und höre zwei Frauen zu, die sich lautstark über die neuesten Superfoods unterhalten. Für alle, die noch vom ersten Satz verwirrt sind: Mit Moringa ist eine asiatische Baumart gemeint, die im Deutschen auch Meerrettichbaum genannt wird. Dessen Blätter haben angeblich nicht nur einen hohen Proteingehalt, sondern sollen außerdem besonders vitamin- und mineralstoffreich sein. Das reicht scheinbar aus, um den Status eines Superfoods zu erreichen.

Ab wann wird ein Lebensmittel eigentlich zum Superfood? Zuhause angekommen, schaue ich mir mal die Wikipedia-Definition von Superfood an:

“Superfood ist ein Marketingbegriff, der Lebensmittel mit angeblichen Gesundheitsvorteilen beschreibt.”

Der Werbung auf den Leim gegangen

Ist schon eine Weile her, dass ich mir so naiv vorgekommen bin. Das ist ein reiner Werbebegriff! Aber die Definition und die damit einhergehende Ernüchterung ist noch nicht zu Ende:

“(…) Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel schreibt zum Thema Superfoods: (…) und obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen.”

Im Klartext: Es gibt zwar Studien, die die gesundheitsfördernden Inhalte von Superfoods bestätigen, aber diese Studien finden meist unter unrealistischen Laborbedingungen statt. Wie die Lebensmittel auf den menschlichen Körper wirken, beziehungsweise, wie unser Körper die Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe verarbeitet, geht aus den Studien nicht hervor.

Normale vs. Superlebensmittel

Auch einen einheitlichen Standard, ab dem ein Lebensmittel zum Superfood wird, gibt es nicht. Die Industrie kann also eigentlich alles zum Superfood erklären, damit es sich besser verkauft. Wer will schon “normale” Lebensmittel kaufen, wenn man auch “Superlebensmittel” haben kann? Für letztere geben vor allem Menschen, die um ihre Gesundheit besorgt sind oder grundsätzlich gesünder leben wollen, auch gerne etwas mehr aus.

Letzteres lässt sich bei den Käufern von laktosefreien Produkten beobachten. Ganze 80 Prozent ebendieser Käufer, leiden laut einer Studie der Gfk nämlich gar nicht unter einer Milchzuckerunverträglichkeit, kaufen dennoch freiwillig die teureren Lebensmittel. Das führt unter anderem dazu, dass die Industrie auch Lebensmittel wie Edamer und Parmesan in der laktosefreien Variante verkauft. Das Problem: Wie viele andere Hartkäse, enthalten beide Käsesorten von Natur aus keine Laktose. Der Verbraucher kann im Supermarkt also entweder einen “normalen” Edamer oder einen “laktosefreien” Edamer kaufen. Beide unterscheiden sich tatsächlich aber nur preislich voneinander. Denn noch gibt es keine gesetzlichen Regelungen, die bestimmen, welche Produkte als laktosefrei oder auch als Superfood bezeichnet werden dürfen. Solange das der Fall ist, wird die Industrie diese zusätzlichen Einnahmequellen wohl weiterhin ausschlachten.

Das bedeutet im Endeffekt vor allem eins: Wer wirklich wissen will, was er isst, muss sich seine Lebensmittel genauer ansehen und manches auch hinterfragen. Das klingt selbstverständlich, wird bei den meisten von uns aber wahrscheinlich an der eigenen Bequemlichkeit scheitern.