"Wer ab seinem 20. Lebensjahr monatlich 50 Euro anlegt, kann Mitte 60 Millionär sein" — diese Finanz-Tipps geben Expertinnen Frauen zum Geld anlegen

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Je früher, desto besser: Aktien-Profis raten vor allem jungen Frauen ihr Geld an der Börse anzulegen
Je früher, desto besser: Aktien-Profis raten vor allem jungen Frauen ihr Geld an der Börse anzulegen

„This is a man's world“, heißt es im Lied von James Brown und wenn man sich die Ungleichheit beim Thema Geld zwischen Mann und Frau anschaut, wird deutlich: Er hat recht.

Frauen verdienen im Schnitt 18 Prozent weniger als Männer, wie das Statistische Bundesamt 2020 ermittelt hat. Umgerechnet in einen konkreten Betrag sind das 4,16 Euro pro Stunde. Bei einer typischen 40-Stunden-Woche macht das 665 Euro pro Monat. Dass Frauen weniger verdienen, liegt auch am strukturellen Problemen.

Laut Arbeitskräfteerhebung waren 2019 in Deutschland 47 Prozent der Frauen, zwischen 20 bis 64 Jahren, in Teilzeit tätig. Bei den Männern waren es nur neun Prozent. Als Hauptgrund gaben die Frauen die Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen an. Da Frauen durch die Betreuung oftmals ihre Karriere unterbrechen, erreichen sie auch seltener Führungspositionen, verdienen dann auch weniger Geld. Und wer weniger verdient, hat auch weniger zum Sparen. Das kann im hohen Alter zu Problemen führen.

Denn neben der Lohnlücke haben Frauen auch weniger Geld im Alter übrig, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat berichtet. Laut der Behörde bekamen Frauen 2019 in Deutschland rund 36 Prozent weniger Rente als Männer.

„Altersarmut ist für viele Frauen in Deutschland eine reale Gefahr“

Weltsparen, die Plattform für Geldanlage, hat anlässlich zum “Women's Equality Day” (Frauen-Gleichstellungstag) am Donnerstag, 2000 Menschen befragt, 1050 davon Frauen, wie es in Sachen Gleichberechtigung bei der Altersvorsorge steht. Dabei hat Weltsparen ermittelt, dass 56 Prozent der Frauen nicht privat fürs Alter vorsorgen, bei Männern sind es 49 Prozent. Laut der Plattform liege das vor allem am geringen Einkommen. Fast die Hälfte aller weiblichen Befragten, die nicht für das Alter vorsorgen, hat kein Geld dafür übrig.

"Altersarmut ist für viele Frauen in Deutschland eine reale Gefahr", warnt Weltsparen-Finanzexpertin Verena Thaler. „Die gesetzliche Rente reicht nicht, Frauen müssen selbst aktiv werden, um im Alter finanziell abgesichert zu sein.“ Aufgrund der Lohn- und Rentenlücke seien Frauen „doppelt gefragt“, sagt Thaler. Sie empfiehlt, mit einem monatlichen Sparbetrag von 50 Euro zu beginnen, denn schon über mehrere Jahre wächst eine "ordentliche Summe" an. "Wichtig ist, dass insbesondere für lange Anlagezeiträume der Zinseszinseffekt ausgenutzt wird", sagt Thaler.

So sieht es auch Anne Connelly, Gründerin und Chefin von hermoney, einem Finanzportal für Frauen. Connelly rät Frauen, Geld, dass für längerfristige Ziele und Wünsche eingeplant wird, zu investieren. Dazu würden sich vor allem weltweit anlegende Fonds und ETFs eignen, sagt die Expertin zu Business Insider. „Einfach mal ein Konto bei einer Direktbank eröffnen und sich mit einem Sparplan in die Welt der Börse trauen!“ Sie selbst legt schon „sehr lange“ ihr Geld in Fonds, ETFs und ein paar Einzelaktien an, wie sie berichtet. Ihr wichtigster Geld-Tipp: „Immer die Kontrolle über die eigenen Finanzen zu behalten, Risiken absichern und die Alltagsfinanzen im Blick haben."

„Frauen neigen dazu, sich zu lange zu informieren“

Auch Margarethe Honisch, Finanzbloggerin von „Fortunalista“ und Kolumnistin bei Business Insider, investiert ihr Geld vor allem in breit diversifizierte ETFs. Laut Honisch sollten sich Frauen, bevor sie anfangen zu investieren, zunächst einmal mit der individuellen Situation auseinandersetzen und folgende Fragen beantworten: Wie stehe ich finanziell da? Was hab ich? Was kann ich aufwenden? Was brauche ich später? Welches Risiko kann ich eingehen - und welches möchte ich eingehen? Honisch rät davon ab, sich irgendwelche Musterdepots im Internet anzuschauen. Stattdessen solle man von seinen individuellen Wünschen und Möglichkeiten ausgehen.

„Frauen gelten oft als risikoscheuer als Männer. Das hängt aber meist damit zusammen, dass Frauen oft weniger Geld haben und behutsamer damit umgehen müssen“, sagt Honisch. Geldanlage sei „nicht kompliziert“, aber man müsste wissen, was man tue. „Tatsächlich neigen Frauen jedoch dazu, sich zu lange zu informieren und alles bis ins Detail wissen zu wollen, bevor sie starten. Mein Tipp speziell an Frauen wäre also: Grundwissen aneignen und dann auch wirklich loslegen!“

„Je früher ich anfange, desto weniger Geld benötige ich“

„Anfangen“ – das rät auch Maria Mann, Gründerin und Chefin von Financery, einem Robo-Advisor, der sich gezielt an Frauen richtet. „Nicht noch drei Podcasts hören, fünf Bücher lesen oder einen weiteren Kurs belegen. Der beste Zeitpunkt anzufangen, ist heute“, sagt die Finanzexpertin zu Business Insider. „Denn, je früher ich anfange, desto weniger Geld benötige ich. Wenn ich mein Geld investiere, lasse ich es für mich arbeiten und erhalte eine Rendite – und im nächsten Jahr eine Rendite auf die Rendite des Vorjahres. So kann ich über einen längeren Zeitraum meine Einzahlung verdoppeln oder verdreifachen.“

Je später man starte, desto mehr Geld müsse man hierfür in die Hand nehmen. „Es lohnt sich also, früh anzufangen und langfristig zu investieren.“ Zudem empfiehlt Mann auch nicht nur in eine Aktie oder in einen ETF zu investieren, sondern ein Portfolio aufzubauen, welches mehrere Bereiche abdeckt. „So kann der Erfolg der Branchen, die sich sehr gut entwickeln, mögliche Verluste anderer ausgleichen. Und ich habe mein Risiko minimiert.“

"Risiko lieben lernen"

Bevor man anfängt zu investieren, rät Aktien-Expertin Katja Eckardt von "Finanzdiva", einen "Kassensturz" zu machen. "Mag niemand machen, aber es bringt Geld ans Licht, das für sie arbeiten kann", sagt Eckardt zu Business Insider. Sie selbst habe ihr Auto abgeschafft und teure, für sie unrentable Versicherungen, wie eine Riester – und Betriebliche Altersvorsorge gekündigt. Das Ergebnis: "800 Euro Cash, die ich jeden Monat anlegen kann."

Um sich Arbeit abzunehmen, empfiehlt Eckardt auch die Nutzung eines Robo-Advisors, der für einen das Anlegen übernimmt. "Wer ab seinem 20. Lebensjahr monatlich 50 Euro anlegt, kann Ende 60 Millionär sein", sagt die Finanzexpertin. Dabei rechnet sie mit einer sehr optimistischem jährlichen Rendite von rund neun Prozent und einem Anfangskapital von 10.000 Euro. "Das kann man versuchen zu sparen, wenn man das Geld von den Geburtstagen zusammensammelt und sich jetzt kein Auto mit 18 kauft", sagt Eckardt. Die neun Prozent seien, laut dem Aktien-Fan, durchaus realistisch, wenn man die Entwicklung von erfolgreichen Tech-Unternehmen betrachtet.

"Zudem sollten Frauen auch das "Risiko lieben lernen", wie Eckardt sagt. "Wer es sich zutraut und ein paar Euros auf der hohen Kante hat, sollte es zumindest einmal ausprobieren. Warum nicht monatlich 30 Euro anstatt in den Lottoschein, in Bitcoin & Co stecken?" Ihr Fazit: "Es braucht nicht das große Geld zum Anlegen, sondern Nerven, Mut und Ausdauer zum Vermögensaufbau."

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