Aareal Bank, Hedgefonds mit Machtprobe - darum geht es heute

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(Bloomberg) -- Bei der laufenden Hauptversammlung der Aareal Bank AG will der aktivistische Investor Petrus Advisers Ltd. Aufsichtsräte abberufen lassen. Grund ist ein Streit zur Strategie. Das Vorhaben könnte scheitern, da andere Investoren und Stimmrechtsberater es nicht mittragen. Unterstützung hat der Hedgefonds hingegen bei seiner Kritik an der Vergütung des Managements, die er als zu hoch einstuft. Auch darüber wird heute abgestimmt. Bloomberg News beantwortet die drei wichtigsten Fragen zur Hauptversammlung.

Welches Gewicht haben die aktivistischen Investoren?

Der aktivistische Investor Petrus Advisers beziehungsweise sein Co-Chief-Investment-Officer Till Hufnagel halten eigenen Angaben zufolge 9,6% der Stimmrechte. Der Hedgefonds Teleios Capital Partners erhebt ähnliche Forderungen wie Petrus und kam zuletzt laut Dokumenten für die Hauptversammlung auf 5,1%.

Ein weiterer großer Aktionär ist die Deka Investment GmbH mit 9,6%. Dabei eingeschlossen ist allerdings ein 6,5% schweres Einzelmandat, hinter dem die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder steht. Auch Janus Henderson sowie Allianz Global Investors gehören große Aktienpakete.

Warum sollen drei Aufsichtsräte abgewählt werden?

Petrus forderte ein Spin-off der Software-Tochter Aareon an die Aktionäre der Aareal, weil die Sparte alleine schneller wachsen könne. Das lehnt die Bank ab. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, will Petrus die Aufseher Marija Korsch, Christof von Dryander und Dietrich Voigtländer heute abwählen und durch eigene Kandidaten ersetzen lassen, unter anderem Ex-Commerzbank-Bereichsvorständin Marion Khüny. Dafür gibt es wenig Unterstützung:

Deka: “Wir sehen die Besetzung des Aufsichtsrates nicht kritisch und sehen keine zwingenden Argumente, dass ein Wechsel zu diesem Zeitpunkt gerechtfertigt ist. Zudem: Durch die vakante CEO-Position und die damit verbundene Unruhe im Vorstand sollte der Aufsichtsrat stabilisierend wirken.”DSW: “Wir sind gegen eine Zersplitterung des Aufsichtsrats, bei der drei Aufsichtsräte als Gruppe abgewählt und drei neue Aufsichtsräte als Gruppe gewählt werden. Hier fehlt die individuelle Betrachtung.”Institutional Shareholder Services: Petrus habe “keine hinreichend überzeugenden Argumente vorgelegt, denen zufolge eine Änderung zu diesem Zeitpunkt gerechtfertigt ist”.Glass Lewis: Petrus Advisers habe es letztlich versäumt, zu belegen, dass ein Umbau des Aufsichtsrats wahrscheinlich zu einem besseren Ergebnis für die Bank führen werde.

Keine Empfehlung gab der Stimmrechtsberater IVOX ab, der zu Glass Lewis gehört, aber anderen Richtlinien unterliegt. Seiner Analyse nach lasse sich nicht eindeutig ermitteln, inwieweit sich eine teilweise Neubesetzung des Aufsichtsrats positiv auf die Entwicklung des Unternehmens auswirke.

Warum gibt es Kritik an der Vergütung des Vorstands?

Laut Petrus ist die Vergütung für das Aareal-Managemet zu hoch. Gehälter und Pensionszusagen der Führungskräfte müssten auf “ein ethisches Maß reduziert” werden. Einige Stimmrechtsberater und Aktionäre folgten der Kritik im Vorfeld, indem sie eine Ablehnung des Vergütungssystems auf der Hauptversammlung empfohlen oder angekündigt hatten:

Deka: “Das Gehaltspaket liegt deutlich über dem, was vergleichbare Unternehmen ihren Vorständen zahlen, was hauptsächlich auf das vorgeschlagene Grundgehalt zurückzuführen ist - ist eher auf dem Niveau der größten europäischen Banken.”DSW: ”Das Vergütungssystem können wir nicht mittragen, weil die Versorgungsleistungen der Vorstände - gemessen an der Gesamtvergütung - zu hoch sind und damit das Unternehmen über Jahre hinweg finanziell belastet wird.”Institutional Shareholder Services: Der Stimmrechtsberater verwies auf Bedenken hinsichtlich des Niveaus des CEO-Vergütungspakets und auf zu wenig Informationen in bestimmten Bereichen.

Die Stimmrechtsberater Glass Lewis und IVOX rieten Aktionären hingegen dazu, für das Vergütungssystem zu stimmen.

Aufsichtsratschefin Marija Korsch versprach kurz vor der Abstimmung am Dienstag, das Ergebnis akzeptieren zu wollen. “Wie auch immer Ihre Entscheidung ausfällt, wir werden sie annehmen”, sagte sie bei der Hauptversammlung. Bei einer Ablehnung solle an einer Verbesserung des Systems gearbeitet werden.

(Neu: Äußerungen der AR-Chefin im letzten Absatz)

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