"90 Prozent des Erfolgs ist Kovac": Wechsel zu Bayern München trifft Eintracht Frankfurt hart

Fredi Bobic wurde kalt erwischt. Der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt stieg am Donnerstagabend gerade aus dem Flugzeug aus Dänemark, als sich die Nachrichten überschlugen. "Niko redet immer mit mir, aber es sind keine Infos zu mir geflossen", sagte Bobic der Bild -Zeitung. Dass sein Trainer Niko Kovac im Sommer nach zwei überaus erfolgreichen Jahren zum Rekordmeister Bayern München wechselt, stand da schon fest. Die Eintracht trifft es wie ein Schlag.

"90 Prozent des Erfolgs ist Niko Kovac", hatte Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng erst in der vergangenen Woche im hr -Fernsehen gesagt: "Er hat diese zusammengewürfelte Mannschaft zu einer Einheit geformt und dieses Wir-Gefühl erzeugt. Er weiß ganz genau, wie er uns handhaben muss. Er weiß, wann er draufhauen muss, wann er uns streicheln muss. Das macht er überragend."

Bringt der Kovac-Wechsel der SGE Unruhe?

Und überaus erfolgreich. Am Mittwoch (20.45 Uhr im LIVE-TICKER ) spielt die Eintracht bei Schalke 04 um den zweiten Einzug ins DFB-Pokalfinale in Folge. Im Mai 2017 verloren die Hessen das Endspiel gegen Borussia Dortmund (1:2), die Reise von 50.000 Frankfurtern in die Hauptstadt zählt trotzdem zu den Höhepunkten der Vereinsgeschichte. Die laufende Bundesliga-Saison könnte auf einem Champions-League-Platz enden - wenn der Kovac-Wechsel keine Unruhe hereinbringt.

"Wir haben Ziele, die wir erreichen wollen. Nur daran denken wir. Das war ein Thema, jetzt ist es kein Thema mehr", sagte Boateng: "Wir fokussieren uns komplett auf die letzten Spiele, und das macht auch der Trainer. Das hat er klipp und klar gesagt."

GFX Niko Kovac FC Bayern München

Die Treue-Bekenntnisse des 46 Jahre alten Coaches hatten allerdings schon in den vergangenen Tagen etwas halbherzig gewirkt. "Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass ich im kommenden Jahr hier Trainer bin", meinte Kovac zwar, ließ die Hintertür dabei aber bewusst offen: "Im Fußball passiert so viel. Ich weiß nicht, was morgen passiert. Stand jetzt bin ich bis 2019 Trainer."

Kovac kostet Bayern München 2,2 Millionen Euro Ablöse

Deshalb wäre es zumindest überraschend, wenn der Klub wirklich noch keinen Plan B geschmiedet hat. Bobic sagte Anfang Mai, er sei von dem Bayern-Thema "nicht genervt, ich bin eher gelangweilt". Für Kovac bezahlen die Bayern laut kicker eine im Vertrag festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Auch die könnte reinvestiert werden.

Wer Kovacs Nachfolger am Main wird, hängt wohl auch stark vom weiteren Saisonverlauf ab. Durch die Konstellation im Pokal-Halbfinale würde der Eintracht bei einem verlorenen Endspiel selbst Platz sieben zum Erreichen der Europa-League-Qualifikation genügen. Sollte das Kovac-Team über die Liga die Königsklasse erreichen (bis Platz vier), wäre der Verein sogar für die nächsthöhere Güteklasse an Trainern attraktiv - sicherlich keine schlechte Ausgangslage für die Suche.