9 Festnahmen bei Anti-Terror-Razzia in Athen

Die griechische Polizei hat in Athen acht Männer und eine Frau mit vermutlich türkischer Staatsbürgerschaft festgenommen, so die Sicherheitskräfte am Dienstag. Sie werden verdächtigt, in Verbindung mit der linksgerichteten türkischen Untergrundorganisation DHKP-C, die “Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front”, zu stehen. Diese wird von der Türkei als Terrorgruppe betrachtet.

Am frühen Morgen haben Einsatzkräfte der griechischen Antiterroreinheit eine Razzia in drei Wohnungen in den Bezirken Neos Kosmos und Kallithea durchgeführt. Laut Polizei wurden “Zünder und Material, mit dem Sprengsätze gebaut werden können”, gefunden.

Zuvor hieß es aus Polizeikreisen, dass die Festgenommenen einer kurdischen Untergrundorganisation angehörten. Dies habe sich aber nicht bestätigt.

Die Beschuldigten sollen der Justiz vorgeführt werden. Die Polizei sagte, dass es eine große Menge an digitalen Beweisen gibt, die mit großer Sorgfalt untersucht werden müssen. Das werde viel Zeit in Anspruch nehmen.

Die Nachbarn hatten bisher nichts Ungewöhnliches bemerkt. “Um 6.00 Uhr morgens haben wir laute Stimmen gehört, Menschen riefen Parolen”, berichtet ein Augenzeuge in Neos Kosmos. Er wohnt gegenüber von einer der durchsuchten Wohnungen.

“Ich habe sie einmal gesehen, als sie die Wohnung mieten wollten. Hier waren es eine Frau und zwei Männer”, sagt ein weiterer Anwohner des Stadtviertels. “Einer der Männer hatte lange Haare. Sie sind gekommen, sind in die Wohnung gegangen, haben sie besichtigt und das war es.”

“Die Anwohner waren von der großen Razzia am frühen Morgen sehr überrascht. Die Verdächtigen hatten zuvor nie Aufmerksamkeit erregt. In der Nachbarschaft heißt es auch, dass sich die Festgenommenen erst seit Kurzem hier aufhielten”, berichtet die Euronews Reporterin Fay Doulgkeri in Athen.

Greek police raids find explosives, nine held over links to banned Turkish group https://t.co/5LhOGH5Qd7 pic.twitter.com/dg3hy71vWI— Reuters Top News (@Reuters) 28 novembre 2017

Die Festnahmen fanden nur wenige Tage vor dem wahrscheinlichen Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Griechenland statt. Dieser wird in rund einer Woche in Athen erwartet. Es ist der erste Besuch eines türkischen Staatschefs seit 65 Jahren. Die beiden NATO-Länder streiten sich seit Jahrzehnten um Hoheitsrechte in der Ägäis sowie um die Zypernfrage.

Bei seinem Besuch, der noch nicht offiziell bestätigt wurde, sollen vertrauensbildende Maßnahmen zwischen den beiden Staaten beschlossen werden. In Regierungskreisen heißt es auch, dass es in den Gesprächen um gemeinsame Bau- und Verkehrsprojekte gehen könnte.