850 Mio. US-Dollar: Bei Telegram klingelt die Kasse

Lars Sobiraj

94 Investoren haben in der zweiten Finanzierungsrunde von Telegram 850 Millionen US-Dollar zusammengetragen. Möglicherweise wird es für den Aufbau der eigenen Kryptowährung und die Verbesserung des Messengers noch eine dritte Finanzierungsrunde geben. Ob diese öffentlich sein wird, gab man noch nicht bekannt.

Diesen Monat haben 94 Investoren 850 Millionen US-Dollar zusammengetragen, um das Telegram Open Network (TON) benutzerfreundlich, schnell und kostengünstig zu gestalten. Die Mindesteinlage lag pro Investor bei einer Million US-Dollar. Geplant ist neben einer eigenen TON-Blockchain eine Kryptowährung namens Gram eine Möglichkeit, mithilfe des Telegram-Messengers und des eigenen Coins online Einkäufe zu bezahlen. Telegram will somit künftig eine große Rolle im Bereich E-Commerce spielen und versuchen, PayPal, MasterCard und Visa Marktanteile strittig zu machen. Bisher ist die Bezahlung bei Telegram nur mithilfe eines automatischen Bots möglich.

Zusammen mit der ersten Finanzierungsrunde sind somit nun 1,7 Milliarden US-Dollar zusammengekommen. Die Firma mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln wurde vom Exilrussen Pavel Durov gegründet. Dieser sorgte schon mit dem sozialen Netzwerk VKontakte (VK.com) international für Aufsehen. Die Transfers mittels der hauseigenen Blockchain sollen schneller als die per Ethereum oder Bitcoin sein.

Aufgrund der geringen Kosten will Telegram mit globalen Zahlungsdienstleistern wie Visa, MasterCard oder PayPal konkurrieren. Als im Jahr 2013 die plattformübergreifende App Telegram gestartet wurde, war noch nicht absehbar, wie sich das werbefreie Projekt entwickeln würde. Im März dieses Jahres gab das Unternehmen bekannt, man habe die magische Marke von 200 Millionen aktiven Nutzern geknackt. Nach eigenen Angaben melden sich dort jeden Tag 700.000 neue Nutzer an. Man hofft, bis zum Jahr 2022 über eine Milliarde aktiver Nutzer zu verfügen.

Telegram: Wie geht es weiter?

Ob es eine dritte und somit öffentliche Finanzierungsrunde geben wird, weiß man bisher nicht. Spätestens im dritten Quartal dieses Jahres wollen die Betreiber das eigene Netzwerk testen. Danach folgen zahlreiche Überprüfungen, ob das TON-„Test-Netzwerk“ schon den Erwartungen in Punkto Sicherheit und den technischen Spezifikationen standhalten kann. Im letzten Quartal 2018 schaltet man die finale Version der Blockchain frei. Gleichzeitig soll das elektronische Guthaben, die „Telegram Wallet“, eingeführt werden. Später folgt die Implementierung der Zahlungsabwicklung und die Veröffentlichung weiterer Dienstleistungen, wie etwa ein eigener TON-Proxy-Dienst, ein Online-Speicherdienst, DNS-Service, ein eigenes Online-Werbenetzwerk und vieles mehr.

Wachsende Skepsis in Branchenkreisen

Telegram

Nach Angaben des White Papers sollen pro Sekunde mehrere Millionen Transaktionen über die eigene Blockchain möglich sein. Es fehlt allerdings eine Erklärung, wie man dies realisieren will. Der Experte für Kryptographie, Professor Matthew Green, von der Johns Hopkins University ist beim Lesen der Ausarbeitung von Telegram skeptisch geworden. Für ihn hört sich das alles ein wenig so an, als wenn man die besten 20 Ideen aus dem Internet genommen hat, um sie gebündelt in einer noch besseren Form zu präsentieren. Die selbst gesteckten Ziele sind für Green ein wenig zu hoch und klingen für ihn teilweise unrealistisch.

Doch dazu kommen noch weitere Probleme. Telegram hatte letzte Woche mit enormen Verbindungsproblemen zu kämpfen. Millionen europäischer Nutzer konnten sich einen halben Tag lang nicht mehr mit den Servern des Unternehmens verbinden. Schuld hatte nach eigenen Angaben ausschließlich das Unternehmen, bei dem Telegram seine Server angemietet hat. In Russland droht dem Anbieter außerdem eine Sperre. Bisher hat man sich standhaft geweigert, dem Inlandsgeheimdienst Russlands, dem FSB, alle Verschlüsselungs-Keys zu übermitteln. Entweder Telegram wird für FSB-Mitarbeiter künftig komplett transparent, weil sie alles außer den geheimen Chats mitlesen können. Oder Durov muss sich damit abfinden, dass man seinen Dienst schon bald in Russland sperren wird.

Die Forderungen des FSB sind nicht neu. Im Jahr 2014 verlangte der FSB von VKontakte, dass man dem Geheimdienst die Daten prowestlicher Aktivisten aus der Ukraine aushändigen sollte. Als Durov dies verneinte, zwang man ihn zum Verkauf des Unternehmens. Die Mail.ru-Gruppe entließ ihn dann sofort aus dem Unternehmen. Den Medien sagte er damals, Russland sei in Anbetracht der politischen Lage für Internet-Geschäfte schlichtweg nicht geeignet. Auch wenn er vom Geheimdienst nicht mehr in gleicher Weise unter Druck gesetzt werden kann, würde er sicher höchst ungern auf die Nutzer aus seiner Heimat verzichten.

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Source: BTC-ECHO

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