Rekordzuwanderung, Rekordwachstum, Rekordbevölkerung: In Deutschland leben jetzt 84,3 Millionen Menschen, so viele wie noch nie

Zwar ging die Zahl der Geburten in Deutschland im Jahr 2022 weiter zurück und auch die Zahl der Todesfälle stieg. Aber durch die hohe Zuwanderung, besonders aus der Ukraine, stieg die Bevölkerungszahl auf einen Rekord. - Copyright: Picture Alliance
Zwar ging die Zahl der Geburten in Deutschland im Jahr 2022 weiter zurück und auch die Zahl der Todesfälle stieg. Aber durch die hohe Zuwanderung, besonders aus der Ukraine, stieg die Bevölkerungszahl auf einen Rekord. - Copyright: Picture Alliance

In Deutschland leben aktuell so viele Menschen, wie noch nie. Zum Jahresende 2022 hatte die Bundesrepublik mindestens 84,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Im Vergleich zum Jahresende 2021 nahm die Bevölkerungszahl um 1,1 Millionen Menschen zu. Diese Zahl nannte das Statistische Bundesamtes in einer ersten Schätzung.

Auch das Wachstum der Bevölkerung erreicht einen neuen Rekord. Die Ursache dafür war vor allem der Zuzug vieler Menschen aus der Ukraine, die in Deutschland Schutz vor Russlands Angriff auf ihr Land suchen. Das führte zu einer hohen Nettozuwanderung, also einem hohen Saldo auf Zuwanderung nach und Abwanderung aus Deutschland.

Nach der aktuellen Schätzung kamen rund 1,4 Millionen Menschen mehr nach Deutschland als ins Ausland fortzogen. Damit war die Nettozuwanderung 2022 mehr als viermal so hoch wie 2021 mit rund 330.000. Und auch hier gab es einen Rekord: Noch nie seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1950 war die Zuwanderung per saldo höher. Neben den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine, hat auch die Zuwanderung aus anderen Ländern deutlich zugenommen.

In den drei Jahrzehnten seit der Wiedervereinigung 1990 ist die Bevölkerung in Deutschland überwiegend gewachsen. Ausnahmen bildeten nur die Jahre 1998 sowie 2003 bis 2010. Das Bevölkerungswachstum hatte sich ausschließlich dadurch ergeben, dass mehr Menschen zugewandert als abgewandert waren. Ohne Zuwanderung wäre die deutsche Bevölkerung bereits seit 1972 geschrumpft, da seither jedes Jahr mehr Menschen starben als geboren wurden.

Die Folge dieses Bruchs bei den Geburten in Deutschland sind aktuell auf dem Arbeitsmarkt zu spüren. In Deutschland fehlen in fast allen Berufen und Branchen Arbeitskräfte. Im Herbst 2022 konnten Unternehmen 1,8 Millionen Arbeitsplätze nicht besetzen. Die Lücke wird ohne Zuwanderung steitg größer, weil in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, während aus den geburtenschwächeren Jahrgängen weniger Menschen neue in das Berufsleben starten.

Arbeitsmarkt-Experten sind daher einige, dass Deutschland eine hohe Nettozuwanderung braucht, um seinen Wohlstand halten und die steigenden Lasten für die Gesundheit und Pflege der alternden Bevölkerung zu stemmen. Ihr Berechnungen gehen davon aus, dass Deutschland dazu eine Nettozuwanderung in den Arbeitsmarkt von 400.000 bis 500.000 Menschen pro Jahr benötigt.

Auch im Jahr 2022 ist die Zahl der Geburten in Deutschland zurückgegangen und haben die Sterbefälle zugenommen. Das bremste das Bevölkerungswachstum. Die Zahl der Geburten sank 2022 um etwa sieben Prozent oder rund 50.000 auf etwa 740.000. Die Zahl der Gestorbenen stieg dagegen um rund vier Prozent oder 37.000 auf etwa 1,06 Millionen Sterbefälle.