830 PS und die höchste Literleistung der Welt: Der neue 296 GTB ist der erste V6-Ferrari seit den Siebzigern

·Lesedauer: 4 Min.
Der Hybrid-Sportler 296 GTB ist offiziell der erste Ferrari mit V6-Motor.
Der Hybrid-Sportler 296 GTB ist offiziell der erste Ferrari mit V6-Motor.

Ferraris neuestes Modell wandert zwischen den Zeiten.

Zum einen ist der 296 GTB mit seinem modernen Hybridantrieb und dem aggressiven Design ein typisches Supercar des Jahrgangs 2021. Auf der anderen Seite kann sein V6-Motor und die Grundkonzeption auch als Hommage an die erste Generation des Dino gedeutet werden. Das einstige Einstiegsmodell der italienischen Sportwagenschmiede wurde von 1969 bis 1974 ebenfalls mit einem mittig platzierten V6 ausgeliefert. Ferrari behauptet jedoch, dass der neue Hybridsportler 296 GTB sogar der erste Ferrari mit sechs Töpfen überhaupt sei.

Damit hat die PR-Abteilung der Italiener auch gar nicht so unrecht, denn der damals intern als "Ferrari für Arme" verpönte Dino durfte aus Imagegründen nämlich nicht einmal das weltberühmte Logo mit dem schwarzen Pferd auf gelbem Grund tragen. Seitdem kamen aus Maranello die markentypischen V12- und V8-Aggregate, aber keine Sechszylindermotoren mehr — abgesehen von Auftragsentwicklungen wie dem 510 PS starken V6 der aktuellen Giulia QV von Alfa Romeo.

Der Verbrenner allein leistet 663 PS

Bei dem neuen V6-Motor mit einem Zylinderbankwinkel von 120 Grad und drei Litern Hubraum handelt es sich um eine komplette Neuentwicklung. Eine Besonderheit: Die beiden Turbolader sind im "heißen V", also zwischen den Zylinderbänken untergebracht. Eine Bauweise, auf die auch Mercedes-AMG bei seinen Achtzylindern schwört.

Das Ferrari-Aggregat alleine stellt 663 PS zur Verfügung, die Leistung pro Liter Hubraum liegt also bei beeindruckenden 221 PS. In dieser Disziplin hat der 296 GTB somit den Weltmeistertitel inne. Bisher führte der Mercedes-AMG A45 S mit seinen 211 PS pro Liter das Ranking an. Der V6 dreht maximal bis 8.500, ihm wird von einem 167 PS starken und im Heck untergebrachten Elektromotor unter die Arme gegriffen, was in einer Systemleistung von 830 PS und 740 Newtonmetern Drehmoment resultiert. Die Kraft wird über eine achtstufige Doppelkupplung an die Hinterräder weitergeleitet. Bei der Box handelt es sich um die straßentaugliche Version eines Formel 1-Getriebes.

Die Unterschiede zu den anderen Ferrari-Modellen halten sich im Innenraum in Grenzen.
Die Unterschiede zu den anderen Ferrari-Modellen halten sich im Innenraum in Grenzen.

Der E-Motor wird aus einer lediglich 7,45 kWh kleinen Batterie gespeist, was einen Radius von 25 Kilometern und eine rein elektrische Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h ermöglicht. Ferrari hat bei der Entwicklung auch großen Wert auf Leichtbau gelegt. Der V6 wiegt nur rund 186 Kilogramm, während der E-Motor nur 22 Kilogramm und der Stromspeicher lediglich 73 Kilogramm auf die Waage bringen. So konnte das Leergewicht des 296 GTB recht niedrig gehalten werden. Mit der optionalen Leichtbau-Ausstattung Assetto Fiorano wiegt das neue Modell dank eines exzessiven Einsatzes von Carbon und anderer High Tech-Materialien nur 1.470 Kilo. Allerdings verlangt Ferrari für die Gewichtseinsparung von lediglich 12 Kilo einen Aufpreis von 33.000 Euro. Dafür kommen die Kunden damit in den Genuss einer exklusiven, zweifarbigen Lackierung. Die Fahrleistungen sind aber auch bei der normalen Version respektabel: In 2,9 Sekunden geht es von Null auf Hundert. Der Vortrieb des Mittelmotor-Sportlers erreicht erst bei 330 km/h seinen Zenit.

In Italien geht es preislich bei 269.000 Euro los

Ferraris Designabteilung hat diese Power und dieses sportliche Talent auch designtechnisch zum Ausdruck gebracht. Das Interieur und das Blechkleid des 4,56 Meter langen, 1,19 Meter flachen und 1,96 Meter breiten 296 GTB orientiert sich dabei am großen Bruder SF90 Stradale. Allerdings wirkt der kleinere der beiden Hybrid-Brüder etwas geradliniger und weniger zerklüftet. Die stark gebogene Frontscheibe, die vielen Lufteinlässe, sowie der markante Diffusor und das mittig in die Heckschürze eingelassene Doppel-Endrohr der Auspuffanlage stechen designtechnisch am meisten heraus.

Die deutschen Preise hat Ferrari zwar noch nicht veröffentlicht, auf dem Heimatmarkt Italien soll der Grundpreis des 296 GTB jedoch bei 269.000 Euro liegen. Die ersten Exemplare sollen nach Plan Anfang nächsten Jahres an die Kunden ausgeliefert werden. Auf lange Sicht könnte die neue Baureihe zudem eine offene Version bekommen und den aktuellen F8 Tributo ersetzen. Dieser ist mit seinen 720 PS nämlich deutlich schwächer und könnte mit seinem 3,9 Liter-V8 in den nächsten Jahren den strengen Abgasverordnungen zum Opfer fallen. Die Fahrleistungen der beiden Modelle liegen auf einem ähnlichen Niveau.

Auch am Heck sind die Parallelen zum SF90 Stradale deutlich zu erkennen.
Auch am Heck sind die Parallelen zum SF90 Stradale deutlich zu erkennen.
Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.