7500 Menschen demonstrieren gegen Stahlfusion zwischen ThyssenKrupp und Tata

Der Aufsichtsrat des Industriekonzerns ThyssenKrupp hat am Samstag über die umstrittene geplante Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel beraten

Aus Sorge um die Arbeitsplätze in der Region haben rund 7500 Menschen in Bochum gegen die Pläne von ThyssenKrupp protestiert, die traditionsreiche Stahlsparte des Konzerns mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel zu verschmelzen. Der Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler, forderte am Freitag "Transparenz" von der Konzernspitze über die Folgen der Fusion und verlangte Sicherheiten für die Arbeiter.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte laut Redetext auf der Kundgebung, es dürfe keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Auch sie verlangte, "die Zahlen und Fakten" müssten auf den Tisch. Sie sei von den Fusionsplänen nicht überzeugt.

Zudem müsse der Firmensitz in Deutschland bleiben. Das sei von "zentraler Bedeutung", um weiterhin die Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Unternehmen zu gewährleisten, sagte Nahles.

In der deutschen Eisen-, Stahl- und Bergbauindustrie gelten weitreichende Mitbestimmungsrechte. In Firmen mit mehr als 1000 Beschäftigten muss der Aufsichtsrat jeweils zur Hälfte mit Vertretern der Arbeitnehmerseite besetzt sein, damit deren Interessen bei der Unternehmensführung berücksichtigt werden.

ThyssenKrupp und Tata Steel wollen ihre Stahlaktivitäten in Europa zusammenlegen und so den zweitgrößten europäischen Stahlproduzenten nach ArcelorMittal schmieden. Am Mittwoch unterzeichneten sie eine entsprechende Absichtserklärung. Die Fusion in einem Joint Venture soll demnach zum Wegfall von bis zu 4000 Jobs führen, rund die Hälfte davon bei ThyssenKrupp.

Nach Angaben von ThyssenKrupp soll das neue Unternehmen seinen Sitz in den Niederlanden haben, die Verhandlungen über die Zusammenlegungen sollen bis Anfang 2018 abgeschlossen werden. ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger sprach von einer "Vorwärtsstrategie" und verwies zur Begründung vor allem auch auf Überkapazitäten in der Stahlbranche, die ein Problem seien.

Das bezweifelte IG-Metall-Bezirksleiter Giesler: Die Arbeitnehmer seien "nicht davon überzeugt, dass die Fusion mit Tata der beste und richtige Weg für ThyssenKrupp Steel ist". Der Konzernspitze gehe es nur darum, die Interessen der Finanzmärkte zu befriedigen. Er forderte "belastbare Zukunftskonzepte für ThyssenKrupp und die Stahlsparte und keine Bad Bank Stahl".