75. Filmfestspiele in Cannes starten: Mit Glamour und Blick auf den Ukraine-Krieg

Cannes hat sich herausgeputzt, das Meer glänzt und die Festivalfahnen wehen. Die Stadt am Mittelmeer ist bereit für die 75. internationalen Filmfestspiele. Eine Jubiläumsausgabe im Zeichen des Ukrainekrieges. Die offizielle russische Delegation wurde ausgeladen, es gebe aber keinen Russland-Boykott, erklärt Festivaldirektor Thierry Frémaux.

"Ja, wir haben vor zwei Monaten, zu Beginn des Krieges, eine Presseerklärung herausgegeben, um unseren Standpunkt klar und deutlich darzulegen, der lautet: keine offiziellen russischen Vertreter, keine Instanzen einer Regierung, die den Krieg in der Ukraine führt.

Der totale Boykott, der in der Tat nicht von den ukrainischen Behörden, sondern von Hardlinern, von Leuten, die sehr extrem sind, gefordert wird, ist eine Position, die ich verstehen kann.

Oder zumindest kann ich verstehen, dass wir darum gebeten werden, weil es sich um Menschen handelt, die bombardiert werden, es ist ein Land, das angegriffen wird, es ist ein Land, das überfallen wurde."

Man wolle ganz bewusst neben all dem Glanz, den Scheinwerfer auf den Krieg in der Ukraine zu richten, so Frémaux weiter. Zudem sei es auch wichtig, die Russen zu unterstützen, die Risiken eingehen, um Widerstand zu leisten,

"Wir glauben, dass wir trotz allem versuchen müssen, zwischen den Russen, die es wagen, die sich dem offiziellen Diskurs widersetzen und denen, die das Geschehen anprangern, zu unterscheiden.

Und zweifellos lautet die Position des Festivals, dem ukrainischen Volk und seinen Vertretern eine absolute und nicht verhandelbare Unterstützung zuzusichern. "

Und so ist im offiziellen Wettbewerb der neue Film des russischen Exilregisseurs Kirill Serebrennikow ("Tschaikowskis Frau") zu sehen, der Russland noch vor dem Beginn des Ukraine-Krieges nach jahrelangem Hausarrest und Reiseverbot verlassen konnte.

Der Theater-, Opern- und Filmregisseur war 2017 verhaftet und unter Hausarrest gesetzt worden. Bei einem umstrittenen Prozess wegen angeblicher Veruntreuung von Geldern 2020 verurteilte ihn die russische Justiz zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe. Im Januar durfte Serebrennikow überraschend für Proben nach Hamburg reisen.

Seine Tschechow-Inszenierung "Der schwarze Mönch" eröffnet im Juli das Theaterfestival in Avignon. In der kommenden Saison wird Serebrennikow zwei Theaterstücke am Thalia Theater zeigen, darunter eine Neuinterpretation seiner Inszenierung "Barocco. Ein musikalisches Manifest".

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