Bis zu 7 Milliarden Euro – VW plant Mega-Börsengang für die Lkw-Sparte

Mit einem Börsengang der Lkw-Sparte könnte Volkswagen bis zu sieben Milliarden Euro einnehmen. Das wäre der größte IPO seit über 20 Jahren.


Der Volkswagen-Konzern will laut einem Bericht des „Spiegel“ bei einem möglichen Börsengang seiner Lkw-Sparte Truck & Bus bis zu sieben Milliarden Euro erlösen. Dafür plane der weltgrößte Autobauer den Verkauf von bis zu einem Viertel der Anteile, schrieb die Zeitschrift ohne Nennung von Quellen.

Das wäre der zweitgrößte Börsengang der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Spitzenreiter ist bisher die Deutsche Telekom, die 1996 umgerechnet etwa 10 Milliarden Euro einnahm. Auf Platz zwei liegt bisher die Deutsche Post im Jahr 2000 mit 5,5 Milliarden Euro. Den größten Börsengang der vergangenen Jahre legte in diesem März die Siemens-Medizintechniksparte Healthineers mit einem Volumen von 4,65 Milliarden Euro hin.

VW hatte bereits am Vorabend mitgeteilt, das Geschäft in eine Aktiengesellschaft umwandeln zu wollen, um es „kapitalmarktfähig“ zu machen. Eine Sprecherin von VW Truck & Bus wollte den Bericht nicht kommentieren und verwies auf die Mitteilungen des Unternehmens vom Vorabend.


Laut VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch will der Konzern die Mehrheit an dem Gebilde aus den Marken MAN, Scania und der brasilianischen VW-Nutzfahrzeugtochter auch im Fall eines Börsengangs behalten. Beschlossen sei dieser aber noch nicht.

2017 verkaufte Truck & Bus insgesamt 205.000 Nutzfahrzeuge, fast 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz wuchs um gut 12 Prozent auf 23,9 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte vor Sondereinflüssen um mehr als ein Viertel auf 1,7 Milliarden Euro.

Der VW-Aufsichtsrat hatte am Donnerstagabend mit der Umwandlung der Truck & Bus GmbH in eine AG den Weg freigemacht. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sicherte dem Konzern in einem Brief an die Belegschaft die Unterstützung der Arbeitnehmer beim Umbau der Sparte zu. Auch die Betriebsräte von MAN und Scania unterstützten die Börsenpläne.

Die Arbeitnehmer hatten ihre Zustimmung davon abhängig gemacht, dass Jobgarantien, Standort- und Investitionszusagen erhalten bleiben. „Wir stehen hinter der Strategie“, schrieb MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris in einem Brief an die Mitarbeiter des Münchner Konzerns. „Mit der Kapitalmarktfähigkeit schaffen wir die Voraussetzung dafür, mögliches Wachstum finanziell stemmen zu können.“


VW will einen weltweit führenden Lkw- und Bushersteller formen. In der Vergangenheit wurde bereits deutlich gemacht, dass dazu etwa der Anteil am US-Lkw-Bauer Navistar aufgestockt werden könnte. Auch die Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Sinotruk könnte ausgebaut werden. Innerhalb des neuen Truck-Riesen sollen die einzelnen Marken – wie im VW-Konzern üblich – eigenständig bleiben.

Besonders zwischen MAN und Scania hatte es lange Jahre Reibereien gegeben. Erst VW-Truck-Chef Andreas Renschler, der 2015 an Bord gekommen war, gelang es, dem Streit zwischen den selbstbewussten Schwestermarken die Schärfe zu nehmen und die Zusammenarbeit voranzutreiben. MAN-Betriebsratschef Stimoniaris schrieb in seinem Rundbrief: „Uns war und ist eines sehr wichtig: Den Global Champion formen MAN und Scania gemeinsam.“

Abspaltungen des Lkw-Geschäfts sind derzeit in Mode. Auch Daimler arbeitet daran, die Sparte zu verselbstständigen, um sie letztlich womöglich an die Börse bringen zu können. Auch die Stuttgarter wollen die Mehrheit an dem Geschäft behalten, sollte es an die Börse gehen.