64 Millionen für Xentral: „Ich habe Emails von Investoren lange Zeit einfach ignoriert"

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Bei ihrem Startup stehen Promi-Investoren Schlage: Claudia und Benedikt Sauter
Bei ihrem Startup stehen Promi-Investoren Schlage: Claudia und Benedikt Sauter

Die Finanzierungsgeschichte von Xentral geht im Wesentlichen so: erst gebootstrapped, dann kamen Ex-DHDL-Investor Frank Thelen, Seriengründer Christian Reber und die Valley-Legende Sequoia. Jetzt steigt auch noch der Top-Fonds Tiger Global ein. Letzterer investiert zusammen mit Meritech 63,6 Millionen Euro in das Augsburger Software-Startup. Xentral hat Benedikt Sauter zusammen mit seiner Frau Claudia im Jahr 2015 gegründet.

„Wir wollen die Software sein, mit der andere ihr Business bauen“, sagt Sauter im Gespräch mit Gründerszene. Xentral entwickelt ein ERP-System für Händler – ein Tool, über das sämtliche Prozesse im Unternehmen gebündelt werden können: Logistik, Buchhaltung, Personalplanung, Wareneinkauf und -Verwaltung sowie die Vertriebskanäle. Mehr als 1.000 Kunden hat das Startup nach eigenen Angaben, darunter vor allem Firmen mit zehn bis 100 Beschäftigten, aber auch größere wie Porsche oder den Mode-Shop About You.

Über DHDL-Startups zum ersten Investment

Zu Beginn haben Claudia und Benedikt Sauter ihre Firma aus eigener Tasche finanziert. „Dann sind einige DHDL-Firmen sind zu uns gekommen und so kamen wir dann zu Frank Thelen.“ Der investiert 2018 mit Freigeist einen kleinen Betrag, Ende vergangenen Jahres dann legt Software-Seriengründer Christian Reber nach, der mit Unternehmungen wie Wunderlist, Pitch oder Superlist Erfolge gefeiert hat und der dafür auch Geld von Sequoia erhalten hat. Der legendäre VC aus dem Silicon Valley hatte bereits Steve Jobs Kapital für die Entwicklung des Macs gegeben. Ein Sequoia-Investment macht ein Startup weltweit bekannt.

Als Sauter das Sequoia-Angebot erhält, überlegt er trotzdem kurz, denn er hat gleichzeitig ein Kreditangebot der Deutschen Bank auf dem Tisch. Dafür müsste er zwar keine Anteile abgeben, doch der Zugang zum gewaltigen Netzwerk des US-VCs bliebe verschlossen. Da das für Sauter besonders wichtig ist, entscheidet er sich, das Angebot anzunehmen. Jetzt beim Investment von Tiger Global sei die Situation für ihn und seine Frau so komfortabel gewesen, dass er kaum Geschäftsanteile abgeben musste. Auch einen Sitz im Board habe es für die neuen Investoren nicht gegeben.

Emails von Investoren lange Zeit ignoriert

Besonders fokussiert auf VCs sei Sauter auch nie gewesen. „Ich habe Emails von Investoren lange Zeit einfach ignoriert“, sagt Sauter im Gespräch. „Wir wollten erst einmal unsere Sachen auf die Reihe bekommen und nicht gestört werden.“ Dann kommen die Xentral-Gründer zur Einsicht: „Irgendwann kommt schon ein Punkt, an dem man mit Kapital auch mehr erreichen kann.“

Besonders, weil das bei der Einstellung von Fachkräften hilft. Xentral sei damit als Arbeitgeber deutlich attraktiver geworden, resümiert Sauter. Und das passe sehr zur eigenen Wachstumsstrategie. Die will Sauter nämlich besonnen umsetzen: „Uns ist es vor allem wichtig, die Schlüsselpositionen gut zu besetzen. Wie viele Mitarbeitende es dann in den Units braucht, ergibt sich durch die Führungskraft.“

Weg von der deutschen Denke

Hauptaufgabe für die kommenden Monate soll vor allem das internationale Wachstum sein. Gerade hat Xentral ein Büro in Amsterdam eröffnet. Dort gebe es gut ausgebildete Entwickler, sagt Sauter. Aber es gehe ihm auch darum, vom deutschen Denken weg zu kommen. „Andere Märkte funktionieren schneller, über den Standort dort können wir das lernen. Das wird wichtig zum Beispiel für den Start in Großbritannien.“ Dort gebe es derzeit einige Testkunden, der offizielle Launch werde bald erfolgen. In naher Zukunft stehe auch die Expansion in die USA an.

Der Markt für Unternehmenssoftware ist milliardenschwer, und die Angebote des Platzhirschen SAP seien vor allem für kleine Firmen zu komplex und zu teuer. In diese Kerbe wollen Sauter und seine Frau mit Xentral schlagen. Dass das funktionieren kann, haben sie bereits gezeigt, Anfang des Jahres sei die Firma bereits Cashflow-positiv gewesen. Aber jetzt will das Paar erst einmal die Basis für eine internationale Erfolgsgeschichte schaffen. Die zu finanzieren, scheint für Claudia und Benedikt Sauter zumindest kein Problem zu werden.

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