613 Missbrauchsakten: Italienische Bischofskonferenz gibt erstmals Zahlen bekannt

In Rom hat die italienische Bischofskonferenz (CEI) erstmals einen Bericht über die sexuellen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass in den vergangenen zwei Jahren 89 Betroffene von sexueller Gewalt im Rahmen der katholischen Kirche Beschwerde eingelegt oder Anzeige erstattet haben.

Bei einer Pressekonferenz, die den Bericht der CEI über den Schutz von Minderjährigen in der Kirche vorstellen sollte, erklärte der Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz, Guiseppe Baturi, auf Nachfrage eines Reporters, dass es sich tatsächlich um einige hundert Missbrauchsfälle handle. Insgesamt hätte die Bischofskonferenz 613 Akten im Vatikan-Kloster für die Glaubenslehre untersucht.

Baturi präzisierte weiter, dass 613 nicht die Zahl der missbrauchten Menschen wiederspiegele, da es sich um Anzeigen Betroffener und Akten mutmaßlicher Täter mit mehreren Opfern handle. Mitinbegriffen seien auch bereits archivierte Fälle.

Diese fast zufällige Enthüllung verdeutlicht, dass der ursprüngliche Bericht nicht dazu gedacht war, einen genauen oder historischen Blick auf das Problem des Missbrauchs durch Italiens katholische Kirchenvertreter zu werfen.

Der überwiegende Teil der Opfer sei zum Zeitpunkt der Tat zwischen 10 und 18 Jahre alt gewesen. Zudem seien 68 mutmaßliche Täter gemeldet worden, führt der Bericht weiter aus. Etwas weniger als die Hälfte davon seien Kleriker (30), der Rest Laien (23) und Angehörige der Pfarrei (15). Für den Bericht befragte die CEI zusammen mit Expertinnen und Experten ihre 226 Diözesen, rund 73 Prozent antworteten.

Lorenzo Ghizzoni, Bischof von Ravenna Mitglied der Kommision zum Schutz Minderjähriger, betonte während der Pressekonferenz, dass eine moralische Verpflichtung bestehe, die Opfer zu unterstützen und zu ermutigen, Anzeige zu erstatten. Der Bericht wurde dieses Jahr erstmals veröffentlicht, die CEI wolle ihn nun jährlich herausgeben.

Italiens wichtigster Verband von Missbrauchsbetroffenen in der italienischen Kirche Rete L’Abuso kritisierte, dass der kurze Berichtszeitraum von den vergangenen zwei Jahren ans "Lächerliche" grenze. Anders als der kürzlich veröffentlichte Bericht, geht die Gruppierung von etwa einer Million Opfern in dem überwiegend katholisch geprägten Land aus.

Die Organisation kritisiert außerdem, dass keine Entschädigungen erwähnt worden seien und die Kirche die Opfer nur unzureichend unterstütze. Nur etwa 14 Prozent der Diözesen biete psychologische Betreuung an.