50 Jahre Tatort: Wie viel Experiment verträgt der „Tatort“?

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Es war ausgerechnet ein junger Berliner Underground-Regisseur, der 2017 den „Tatort“, den zuverlässigsten Quotenbringer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, empfindlich aus dem Fahrwasser brachte. Die Folge „Babbeldasch“ mit Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal spielte nicht nur in einem Mundarttheater, in dem fleißig hessisch gebabbelt wurde. Regisseur Axel Ranisch, damals 32, drehte überwiegend mit Laiendarstellern und ließ diese weitgehend ohne Drehbuch improvisieren.

Der verantwortliche Sender SWR konnte nicht behaupten, er habe von nichts gewusst. Vielmehr hatte man Ranisch – ein Darling des Berliner Mumblecore, eine sehr spezielle Form des Low- bis No-Budget-Films – ja gerade beauftragt, um etwas Außergewöhnliches zu wagen. Beim Publikum kam das aber gar nicht an. Reihenweise schalteten Zuschauer ab. Das sonst quotenverwöhnte Format kam nicht mal 20 Prozent Marktanteil. Die „Bild-Zeitung“ erkor ihn zum „schlechtesten ,Tatort’ aller Zeiten“. Und im Internet gab es einen regelrechten Shitstorm.

Erst kritisiert, dann gefeiert – so ging das oft in dieser Reihe

Volker Herres, der Programmdirektor der ARD, fühlte sich persönlich bemüßigt, ausgerechnet in der „Bild am Sonntag“ ein Ende der Experimente zu deklarieren. Mutige Experimente gehörten bei dem Format dazu. Das sei, so Herres gönnerisch, auch okay – „solange es nicht in einen Wettlauf der Redaktionen mündet, wer den abgedrehtesten Film produziert.“ Damit hatte der Programmdirektor, ob absichtlich oder nicht, ei...

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