50 Jahre "Grenzen des Wachstums": Frauen ohne Angst retten den Globus

Vor 50 Jahren alarmierte der „Club of Rome“ mit seinem Bericht „Grenzen des Wachstums“ im Vorfeld des allerersten UN-Umweltgipfels in Stockholm die Welt. "Grenzen des Wachstums" seien zu beachten. Andernfalls würde der Klimawandel unkontrollierbar.

Per Espen Stoknes, Psychologe und Wirtschaftswissenschaftler, arbeitet als Direktor des Center for Green Growth an der Norwegian Business School in Oslo und ist Mitglied des „Club of Rome“ (seit 20. Januar 2022).

Tatsächlich verringert der Krieg in der Ukraine das weltweite Wirtschaftswachstum. Der Höhepunkt der Globalisierung scheint hinter uns zu liegen. Wird dies helfen, den Planeten zu retten?

Per Espen Stoknes, Mitglied des „Club of Rome“:

"Wenn es darum geht, dass der Krieg das globale Wachstum senkt, hilft das überhaupt nicht, den Planeten zu retten. Was wir brauchen, sind Veränderungen in der Art und Weise, wie wir wachsen. Wir müssen das Ernährungssystem reformieren, in erneuerbare Energien reinvestieren und gleichzeitig den Armen erlauben, ihr Wachstum zu beschleunigen und die Ungleichheit verringern.

Es reicht also nicht aus, nur das Wirtschaftswachstum als solches zu betrachten. Sie müssen sich ansehen, wie man Investitionen in Lösungen lenken kann, die den Planeten retten, wie regenerative Landwirtschaft, erneuerbare Energien, bessere Einkommensverteilung und ein schnelleres Wachstum für diejenigen, die in Armut leben. Dies wird innerhalb der planetarischen Grenzen zu mehr Wohlbefinden führen. Und darum geht es beim „**Earth For All**“-Projekt.“

„Earth for all“ („Earth4All“) ist das „Club of Rome“-Projekt nach den „Grenzen des Wachstums“ – das für Mitte dieses Jahrhunderts drastische Einbrüche bei Industrie- und Nahrungsproduktion an die Wand malte – nach den Schocks sollten auch Weltbevölkerung und Umweltzerstörung zurückgehen.

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© - Club of Rome

„Earth4All“ fordert beschleunigten Systemwandel: „Die nächsten zehn Jahre müssen die schnellste wirtschaftliche Transformation der Geschichte bringen.“ Und vor allem: Frauen ohne Angst können den Planeten retten.

Per Espen Stoknes:

"Wir sehen einen stetigen Rückgang der Bevölkerungs-Wachstumsraten, wenn Frauen mehr Zugang zu Bildung, Arbeit und möglicherweise auch Renten bekommen, was dazu beiträgt, ihre wirtschaftliche Unsicherheit zu verringern. Und diese Geburtenraten sind seit 1972 gesunken, als die "Grenzen des Wachstums" veröffentlicht wurden. Aber dies war auch dort ein zentrales Thema. 1972 wurde prognostiziert, dass die Weltbevölkerung im Jahr 2000 6 Milliarden Menschen betragen würde, und das war sehr nahe an dem, was tatsächlich eingetreten ist. Und im „Earth for All“-Projekt schätzen wir, dass die Weltbevölkerung im Basisszenario – dem sogenannten „zu wenig zu spät“- Szenario – vor 2050 ihren Höhepunkt bei weniger als neun Milliarden Menschen erreichen wird und dann ein langsamer Rückgang auf etwa sieben am Ende dieses Jahrhunderts beginnt. Dies sind sehr starke Trends, und die Haupttreiber sind, wie wir sagen, wie viel BIP (Bruttoinlandsprodukt) pro Kopf zustande kommt und wie viel Bildung, Verhütung und Arbeit in Kombination mit wirtschaftlicher Sicherheit wir Frauen auf der ganzen Welt bieten können."

Wenn die Einkommen der Armen sinken, dann entscheiden sich viele dafür, mehr Kinder zu haben, als eine Art wirtschaftliche Absicherung für das Alter

Per Espen Stoknes:

"Wenn die Einkommen der Armen sinken, dann entscheiden sich viele dafür, mehr Kinder zu haben, als eine Art wirtschaftliche Absicherung für das Alter. Und wenn sich diese wirtschaftliche Unsicherheit verschlimmert, könnten wir einen Rückgang oder einen erneuten Anstieg der Geburtenraten bekommen, vor allem in den ärmeren Ländern."

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Per Espen Stoknes:

"Wir haben ein Szenario entwickelt, das auf fünf wichtigen "Turnarounds" basiert. Wir nennen das das Riesensprungszenario. Und das Riesensprungszenario besteht aus viel schnellerem Wachstum und Investitionen in den Ländern mit sehr niedrigem Einkommen wie Afrika, südlich der Sahara und Indien usw., die dann mit viel progressiveren Steuern und Bürgergeldern in jedem Land kombiniert werden - was dazu beiträgt, Ungleichheit zu verringern. Nach Armut und Ungleichheit müssen wir uns dann auch mit Bildung und Arbeit für Frauen befassen. Viertens müssen wir Investitionen von einem fossil betriebenen Ernährungssystem mit Getreidefutter und rotem Fleisch auf eine regenerative und nachhaltige Intensivierungslandwirtschaft verlagern. Das wäre die vierte Wende. Und die fünfte ist das Energiesystem, wo wir die Effizienz in allen Teilen des Systems verbessern und gleichzeitig massiv in erneuerbare Energien mit Speicherung investieren müssen.

Wenn wir also all diese fünf gleichzeitig anpacken, wie das zum Beispiel in Europa mit dem „**Green New Deal**“ versucht wird, und mit neuen Ansätzen für mehr soziale Gleichheit – all das ist heute schon zu sehen, aber sie müssen massiv ausgebaut werden. Und wenn das der Fall ist, können wir ein Riesensprung-Szenario erreichen, in dem es tatsächlich mehr Wohlstand pro Person und null Emissionen bis 2050 gibt und Ungleichheiten und soziales Vertrauen dramatisch verbessert werden."

Sigrid Ulrich

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