5 Alternativen für attraktive Seitwärtsrenditen und Risikominderung, um jetzt dein Depot zu verstärken

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Viele Anleger haben in letzter Zeit über die immer weiter steigenden Kurse kräftig gestaunt. Möglicherweise wird es jetzt mal Zeit für eine Verschnaufpause. In dieser Situation wäre es nett, wenn man auch bei seitwärts laufenden Börsen ansehnliche Renditen erwirtschaften könnte. Wünschenswert wäre zudem, bei einem größeren Rücksetzer besser als bei einem reinen Aktieninvestment abzuschneiden.

Das würde helfen, etwas Risiko aus dem Depot zu nehmen — und tatsächlich: Mit den passenden Anlageinstrumenten ist das möglich. Aber wie immer hat alles seine Vor- und Nachteile. Hier ist der ultimative Überblick für Derivate mit Seitwärtsrendite.

Platz 5: Korridor-Optionsscheine

Bei diesen exotischen Papieren, die auch unter dem Namen Hamster-Optionsscheine bekannt sind, sammelt man an jedem Tag, an dem sich der Kurs des Underlyings (also des Wertpapiers, auf das sich das Derivat bezieht) in einem bestimmten Bereich bewegt, einen Fixbetrag ein. Die über die Laufzeit akkumulierte Summe wird dann am Schluss ausbezahlt.

Ein Totalverlust ist daher höchst unwahrscheinlich und wenn sich bei den Kursen nicht viel bewegt, kann man innerhalb von wenigen Monaten eine schöne zweistellige Rendite einstreichen. Trotzdem ist der Mechanismus nicht sonderlich hilfreich, weil eine Seitwärtsbewegung mit großen Ausschlägen nachteilig ist. Wir wollen hingegen möglichst auch bei einer wilden Achterbahnfahrt gewinnen.

Noch ungünstiger sind zum einen Earn-Varianten, bei der außerhalb der Spanne das angesammelte Geld wieder abgebaut wird und zum anderen Papiere mit zwei Knock-out-Schwellen (Inliner). Beide sind hochriskant und daher für unsere Zwecke auf keinen Fall empfehlenswert.

Platz 4: Discount-Optionsscheine

Auch bei diesen Produkten gibt es eine Spanne, welche hier mit zwei Kauf-Optionen konstruiert wird, wobei die gekaufte davon die untere Schwelle bildet und die verkaufte die obere. Der Verkauf macht das Zertifikat billiger, aber sorgt auch für eine Begrenzung des Gewinnpotenzials.

Wählt man nun die obere Schwelle unterhalb des aktuellen Kurses, dann lässt sich Geld verdienen, selbst wenn es leicht nach unten geht. So kostet die BMW (WKN:519000)-Aktie derzeit 86 Euro. Mit der Prognose, dass der Kurs Ende 2018 mindestens bei 83 Euro liegt, lassen sich derzeit (10.11.) 70 % Rendite über die Laufzeit erzielen.

Trotzdem bezahlen wir hier die mögliche Überrendite mit einem erhöhten Risiko, weshalb diese Papiere mit großer Vorsicht eingesetzt werden müssen. Das Problem: Wenn der Kurs im Beispiel auf unter 78 Euro einbricht, dann droht zum Stichtag ein Totalverlust.

Übrigens lässt sich auch mit einem Discount-Put, welcher mit zwei Verkaufs-Optionen konstruiert wird, eine Seitwärtsrendite erzielen. Das kann darüber hinaus ganz nützlich sein, um Risiko aus dem Depot zu nehmen. Aber dadurch, dass ein Totalverlust möglich ist, wenn das Underlying anzieht, kann sich das Instrument auch leicht als Renditekiller erweisen.

Platz 3: Bonus-Zertifikate

Eine weitere von Emittenten vielgepriesene Alternative zur Aktienanlage sind die Bonus-Zertifikate. Die lassen sich gut verkaufen, weil sie in diversen Szenarien eine bessere Rendite abwerfen als das Direktinvestment. Es gibt nämlich einen Bonusbetrag der zum Emissionszeitpunkt signifikant höher liegt als der Aktienkurs, auf den sich das Zertifikat bezieht. Bei einer eher schwachen Performance der Aktie kann man so einen guten Schnitt machen.

Entwickelt sich die Aktie hingegen wider Erwarten besonders stark, dann partizipiert man auch daran und das ist super. Aber es gibt zwei Haken: Erstens gibt es keinen Anspruch auf die Dividende und zweitens verliert man den Bonus-Anspruch, wenn eine festgelegte Marke nach unten gerissen wird. Deshalb würde ich mich im Moment damit nicht wirklich besser fühlen als mit Aktien.

Platz 2: Aktienanleihen

Aktuell ziemlich beliebt sind sogenannte Aktienanleihen. Das sind Schuldverschreibungen der Emittenten, bei denen die Rückzahlung unter bestimmten Bedingungen in Aktien erfolgen kann. Im besten Fall erhält der Anleger am Laufzeitende also sein Geld (bzw. 100 % des Nennwerts) zurück und zusätzlich einen vergleichsweise hohen Zinssatz von meist rund 10 %.

Dafür verzichtet er aber auch auf eine Dividendenzahlung und setzt sich dem Risiko aus, lediglich eine festgelegte Anzahl von Aktien eines bestimmten Unternehmens zu bekommen, die dann wesentlich weniger wert sind. Trotzdem gilt, dass Investoren gegenüber einer Direktanlage besser gestellt sind, egal ob seitwärts, leicht aufwärts oder abwärts. Nur wenn es stärker nach oben geht, gerät man ins Hintertreffen, was aber natürlich verkraftbar ist.

Von daher könnte man sich jetzt durchaus überlegen, sein Depot mit solchen Papieren anzureichern, solange man keine attraktiven unterbewerteten Aktien finden kann.

Platz 1: Discount-Zertifikate

Noch besser als Aktienanleihen gefallen mir in der jetzigen Situation aber Discount-Zertifikate. Wer zum Beispiel glaubt, dass sich adidas (WKN:A1EWWW) im WM-Jahr 2018 gut schlagen wird, der bekommt aktuell ein auf 185 Euro limitiertes Papier für etwa 166 Euro, bei einem Aktienpreis von 181 Euro. Das ist ein Discount von 15 Euro, den man bei einer Seitwärtsbewegung einstreichen kann bis zum Stichtag im Januar 2019.

Geht es nach oben, kann man sogar noch bis zu 4 Euro zusätzlich verdienen pro Zertifikat. Auf der Unterseite hält man sich bis zu einem Aktienkurs von 166 Euro im Plus. Somit fährt man auch hier in den meisten Fällen besser als mit einer Direktanlage.

Discount-Zertifikate gibt es übrigens auch in der Endlos-Variante und werden dann meist Rolling-Discounts genannt. In dem Fall braucht man sich um das Laufzeitende keine Sorgen zu machen und kann grundsätzlich Foolish langfristig dabeibleiben. Das Investment wird jeden Monat aufs Neue justiert. Allerdings denke ich, dass das auch die Schwäche des Ansatzes ist.

Es ist wenig realistisch, dass das Underlying jeden einzelnen Monat seitwärts läuft, sodass auf lange Sicht wahrscheinlich eine Direktanlage mehr Rendite verspricht, zumal das Rollen auch Kosten verursacht.

Auf was sonst noch zu achten ist

Nicht ganz unwichtig ist hier, zu verstehen, dass Faktoren wie das Zinsniveau, die erwartete Dividende und die Schwankungsbreite (Volatilität) zum Teil erheblichen Einfluss auf die Bewertung solcher Derivate während der Laufzeit haben. Zum Beispiel wird bei Discount-Zertifikaten eine Kauf-Option verkauft, deren Preis stark von der Volatilität abhängt. Je besser du diese Zusammenhänge verstehst, desto eher gelingt es, das optimale Instrument zu finden. Viele Börsenportale bieten auch nützliche Hilfestellungen, um Papiere mit günstiger Preisstellung und passenden Parametern herauszufiltern. Bei der Wahl der Laufzeit würde ich im Moment nach Papieren Ausschau halten, die in 9 bis 18 Monaten fällig werden.

Auch wenn wir bei The Motley Fool überzeugt sind, dass der Kern eines jeden Depots die direkte und langfristige Investition in Aktien darstellen sollte, gilt doch: Für eine Übergangszeit, in der du wenig Aufwärtsdynamik erwartest, könnten die hier vorgestellten Papiere eine perfekte Depotergänzung darstellen. Bei Aktienanleihen und Discount-Zertifikaten besteht neben einer guten Chance auf eine Überrendite der zusätzliche Vorteil der Risikominderung.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt BMW.

Motley Fool Deutschland 2017