Miss-America-Chef wegen sexistischer Äußerungen suspendiert

Gretchen Carlson

Der Belästigungsskandal in den USA hat nun auch den Schönheitswettbewerb Miss America erreicht: Der Veranstalter suspendierte am Freitag seinen Chef Sam Haskell, weil dieser sich in E-Mails beleidigend über ehemalige Gewinnerinnen des Wettbewerbs geäußert hatte. 49 frühere Miss Americas hatten zuvor in einem offenen Brief den Rücktritt des gesamten Führungsteams wegen sexistischer Sprüche gefordert.

Die Schönheitsköniginnen zeigten sich empört über den "Gebrauch abschätziger Begriffe", mit denen Frauen "herabgewürdigt und erniedrigt" würden. Mit dem offenen Brief reagierten die Frauen auf die Veröffentlichung interner E-Mails der Wettbewerbs-Organisatoren in der Internetzeitung "Huffington Post" am Donnerstag.

Frühere Siegerinnen der Wahl wurden darin mit vulgären Begriffen belegt, die Männer machten sich über ihr Gewicht oder ihr Sexualleben lustig, Miss-America-Chef Haskell bezeichnete eine frühere Gewinnerin als "ein Stück Müll".

In dem offenen Brief schrieben die Ex-Schönheitsköniginnen: "Als Miss Americas weisen wir die entstellenden Charakterisierungen von uns als Gruppe oder persönlich entschieden zurück." Unter den Unterzeichnerinnen ist die inzwischen 87-jährige Gewinnerin des Wettbewerbs von 1948 sowie die TV-Moderatorin Gretchen Carlson.

Die Miss America Organization hatte gegenüber der "Huffington Post" zunächst erklärt, sie sei bereits vor Monaten auf die E-Mails hingewiesen worden und habe einen Mitarbeiter gefeuert, der besonders unangemessene Äußerungen gemacht habe. Der Verwaltungsrat habe ansonsten aber "volles Vertrauen in das Führungsteam".

Am Freitag hatte dann die TV-Produktionsfirma Dick Clark Productions ihre Zusammenarbeit mit Miss America beendet. Sie wurde nach eigenen Angaben ebenfalls schon vor Monaten auf die E-Mails aufmerksam gemacht und zeigte sich "erschüttert" über deren "inakzeptablen Inhalt". Die Produktionsfirma habe den Vorstand von Miss America zunächst aufgefordert, eine umfassende Untersuchung einzuleiten und "angemessene Maßnahmen" zu ergreifen. Nun habe die Firma aber entschieden, die Zusammenarbeit mit Miss America zu beenden.

Am Freitag stimmte der Verwaltungsrat von Miss America dann dafür, Miss-America-Chef Haskell bis auf weiteres zu beurlauben. Die Organisatoren des Wettbewerbs sagten zudem eine "gründliche Untersuchung" der "angeblich unangemessenen" E-Mail-Wechsel zu.

In den USA wird seit Wochen eine breite Debatte über sexuelle Gewalt geführt, die nach den Belästigungs- und Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein aufgekommen war. Zahlreiche weitere Prominente gerieten inzwischen durch ähnliche Vorwürfe unter Druck, darunter die Schauspieler Kevin Spacey und Dustin Hoffman, die US-Fernsehmoderatoren Matt Lauer und Charlie Rose und mehrere Mitglieder des US-Kongresses.