40 Euro brutto pro geflogene Stunde: Ryanair-Tochter Lauda streicht ihren Piloten das Grundgehalt, sagt die Gewerkschaft

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Flugzeuge von Lauda Europe sind unter anderem am Flughafen Wien-Schwechat stationiert.
Flugzeuge von Lauda Europe sind unter anderem am Flughafen Wien-Schwechat stationiert.

Die Piloten der Ryanair-Tochter Lauda Europe klagen über eine wiederholte Verschärfung ihrer Arbeitsbedingungen bei der Fluggesellschaft. Das berichtet die österreichische Gewerkschaft Vida in einer offiziellen Mitteilung. Danach sei in den neuen Arbeitsverträgen der Piloten kein Grundgehalt mehr vorgesehen, sondern nur noch eine Bezahlung von 40 Euro brutto für jede tatsächlich geleistete Flugstunde.

Davor hätten die Piloten laut Vida noch 40 Flugstunden als ein monatliches Grundgehalt ausbezahlt bekommen, auch wenn sie weniger geflogen seien. Das heißt, mindestens 1600 Euro brutto pro Monat war ihnen sicher. Mit den neuen Verträgen müssen jene Piloten, die – zum Beispiel aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie – im Monat wenig oder gar nicht fliegen, mit einer Nullrunde an Einnahmen rechnen.

Gewerkschaft wirft der Airline Sozialdumping vor

Geht man von durchschnittlich 70 bis 80 Flugstunden im Monat aus (in guten Zeiten), entspräche das einem Brutto-Gehalt zwischen 2800 und 3200 Euro im Monat. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Grundgehalt eines Piloten bei der Lufthansa beträgt laut Arbeitgeber-Bewertungsportal „Glasdoor“ etwas mehr als 7000 Euro brutto im Monat.

„Sozialdumping“, nennt das Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt bei der Vida, und forderte einen Branchen-Kollektivvertrag. „Sonst wird es auch in Zukunft Piloten mit Dienstort Flughafen Wien und befristeten, prekären maltesischen oder ähnlichen Dienstverträgen in Österreich geben und es kann weiter auf Kosten der Beschäftigten billig geflogen werden. Den Machenschaften der Lauda Europe und der Entrechtung der Bordbeschäftigten gehört endlich ein rechtlich verbindlicher Riegel vorgeschoben“, sagt Liebhart in der Mitteilung der Gewerkschaft.

Die Gewerkschaft berichtete außerdem, der Flugbetrieb der Lauda Europe habe die Piloten stundenlang Bereitschaftsdienste an den Flughäfen absitzen lassen, obwohl es an den Tagen ohnehin keine geplanten Flüge gegeben habe – also klar war, dass sie nicht fliegen würden. Übertragen auf die neuen Verträge hieße das: Bereitschaft absitzen ohne Bezahlung, da künftig laut der Berichte nur noch geleistete Flugstunden bezahlt werden. „Alles aus Schikane“, vermutet Liebhart.

https://twitter.com/DanielLiebhart/status/1427701742465175554

Gewerkschaft Vida: Viele Piloten schauen sich nach anderen Jobs um

Die Gewerkschaft weist darauf hin, dass sich nach ihren Informationen viele Piloten von Lauda Europe nach anderen Jobs umschauen würden oder das Unternehmen bereits verlassen hätten. „Schon jetzt hören wir, dass das Lauda Europe-Management Piloten kontaktiert und sie auffordert, ihren bereits genehmigten Urlaub wieder zurückzugeben“, sagt Liebhart. Eine Anfrage von Business Insider an Ryanair, dem Mutterkonzern hinter Lauda Europe, zum Thema blieb bislang unbeantwortet.

Die Ryanair-Tochter war bereits vor einigen Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil Briefe des Managements an die Flugbegleiter des Standorts Wien aufgetaucht waren, in denen sie mit harschem Ton dazu angehalten wurden, höhere Umsätze im Bordverkauf zu erzielen.

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