4 mutige Prognosen für die Solarenergie

Motley Fool Investmentanalyst

Die Solarindustrie kann ein schnelllebiger Ort für Unternehmen und Investoren sein. Aber sie bietet langfristige, milliardenschwere Chancen und jedes Unternehmen, das ein nachhaltiges Geschäft aufbauen kann, könnte ein großer Gewinner für seine Investoren sein.

Mit der Entwicklung der Branche werden Unternehmen, die die richtige Strategie verfolgen, zum Erfolg geführt, während diejenigen, die eine falsche Strategie verfolgen, zum Scheitern verurteilt sein können. Hier sind einige Trends, von denen ich erwarte, dass sie die Geschicke der Solarinvestoren in den nächsten Jahren beeinflussen werden.

First Solar wird in den USA zollfreie Konkurrenz bekommen

In den USA war das letzte Jahr in der Solarbranche von Gerüchten und der Einführung von Solarzöllen geprägt, von denen nur sehr wenige Unternehmen profitierten. Ein Gewinner war First Solar (WKN:A1LEKM), das einzige Unternehmen, das hier eine große Fertigung hat. Das Unternehmen nutzte seine zollfreie Produktion, indem es Milliardenumsätze (7,7 GW im Jahr 2017) verbuchte und einen Großteil seiner Produktion bis 2019 fest verplanen konnte. Aber die Zeiten, in denen das Unternehmen der einzige große zollfreie Anbieter war, könnten zu Ende gehen.

Wir wissen, dass JinkoSolar (WKN:A0Q87R) plant, dies zu ändern, indem es ein 50 Millionen US-Dollar teures Modulmontagewerk in Florida baut und damit einen der größten globalen Lieferanten in die USA bringt. Die größere Störung könnte jedoch von SunPower (WKN:A1JNM7) kommen, das zwei Produktionsstätten in den USA im Auge hat.

SunPower würde seine Solarmodule der P-Serie, die Solarzellen von Rohstofflieferanten aus der ganzen Welt beziehen, in den USA montieren. Das Unternehmen könnte eine Freistellung von 2.500 Megawatt (MW) für in die USA importierte Zellen nutzen, um Module der P-Serie herzustellen, sodass diese Module möglicherweise zollfrei produziert werden könnten. Das ist eine große Sache für First Solar, denn wir wissen bereits, dass die Module der P-Serie von SunPower laut Datenblättern einen Wirkungsgrad von bis zu 19,6 % haben, was deutlich besser ist als der beste Wirkungsgrad von First Solar von 17 % im vierten Quartal 2017.

Ich denke, dass First Solar bis Ende des Jahres einer bedeutenden einheimischen Produktion gegenüberstehen wird, mit der es konkurrieren muss, und SunPower ist das wahrscheinlichste Unternehmen, wenn es um den Aufbau von Kapazitäten geht. Das wäre eine große Veränderung gegenüber dem letzten Jahr, als First Solar durch die neu eingeführten Solarzölle ein starkes Umsatzplus verzeichnete.

Energiespeicherung setzt sich durch

Im Jahr 2017 schlichen sich Energiespeicher in den Solarmarkt ein. Grund dafür waren einige Großprojekte, und SunPower bekam eine 60-Millionen-US-Dollar-Pipeline an kommerziellen Solarprojekten. Doch im Jahr 2018 sollte die Branche noch einen Gang höher schalten.

Ich denke, dass immer mehr kommerzielle Solarprojekte Energiespeicher beinhalten werden, um sowohl den Energieverbrauch als auch die sogenannten Nachfragegebühren (eine Gebühr, die auf dem Spitzenenergieverbrauch eines Gebäudes in einem Monat basiert) einzusparen. Daher sagte SunPower während seiner letzten Telefonkonferenz mit den Analysten, dass es in Zukunft erwartet, dass 30 % der Projekte auch einen Energiespeicher enthalten werden.

Bei den Aufdachanlagen für Wohnhäuser beginnen die Staaten im ganzen Land, auf Nutzungszeiten umzustellen oder den Kunden unterschiedliche Tarife in Abhängigkeit von der Tageszeit, zu der sie Strom verbrauchen, in Rechnung zu stellen. In Kalifornien verteuern die Nutzungszeiten den Strom in den Abendstunden, wenn die Sonne untergeht, was eine perfekte Zeit ist, um gespeicherte Sonnenenergie zu nutzen und damit die Stromrechnung zu reduzieren.

Da die Energiespeicherung finanziell leichter zu rechtfertigen ist, wird der Markt exponentiell wachsen. Vivint Solar (WKN:A12AWB) und Sunrun (WKN:A14V1T) haben in einigen Bundesstaaten Energiespeicherprodukte auf den Markt gebracht und SunPower sagt, dass sein Produkt für Haushalte bald erhältlich ist. Bis Ende des Jahres könnten Solar- und Energiespeicher zum Standardangebot von Installateuren im ganzen Land gehören.

Tesla wird in Vergessenheit geraten

Teslas (WKN:A1CX3T) Übernahme von SolarCity sieht von Tag zu Tag schlimmer aus, was dadurch unterstrichen wird, dass das Unternehmen nur 87 MW im vierten Quartal 2017 installiert hat. Das sind 57 % weniger als ein Jahr zuvor. Das Solargeschäft stirbt langsam unter Tesla und es gibt keine Anzeichen für eine baldige Trendwende.

Als Unternehmen konzentriert sich Tesla im Jahr 2018 zu Recht darauf, die Model-3-Produktionslinie auf den neuesten Stand zu bringen und das Produkt in die Hände der Kunden zu bekommen. Die Ressourcen wurden auf die Produktion des Model 3 verlagert und die Solarenergie wird dadurch in den Hintergrund gedrängt.

Ein weiterer Grund, warum die Zahl der Solaranlagen von Tesla in diesem Jahr weiter sinken wird, ist, dass die Vertriebskanäle noch nicht gesichert sind. Das Unternehmen schließt den Direktvertriebskanal, der SolarCity zum größten privaten Solarinstallateur in den USA gemacht hat, und verlagert die Verkäufe in die Tesla-Filialen, die das in diesem Maßstab noch nicht unter Beweis gestellt haben. Nach dem Verlust der Marktanteilsposition als Nummer 1 im Jahr 2017 könnte das Unternehmen hinter Sunrun, Vivint Solar und vielleicht SunPower auf Platz 3 oder 4 im US-Solarmarkt für Wohnhäuser fallen, was für Tesla ein schockierender Absturz wäre.

Der Nahe Osten wird die Solarenergie ernst nehmen

Nirgendwo auf der Welt ist das Potenzial für Solarenergie größer als im Nahen Osten. Die Region verfügt über reichlich Solarressourcen und einen Anreiz, den Ölverbrauch für die Stromerzeugung zu reduzieren, wodurch die Region ihre Ölexporte steigern kann. Sie hat auch einige der günstigsten Solarstrom-Kaufverträge der Welt, die vor Kurzem weniger als 2 Cent pro Watt erreichten, billiger als jede andere Stromquelle für neue Kraftwerke.

Der Nahe Osten hat bereits früher einige hochkarätige Solarziele gehabt – nämlich Saudi-Arabiens 109 Milliarden US-Dollar teuren Solarplan, aus dem bislang, drei Jahre nachdem er verkündet wurde, fast noch nichts geworden ist.

Aber diese Branche läuft jetzt zu gut, um sie zu ignorieren, und als Zeichen des Potenzials der Solarenergie hat Saudi-Arabien kürzlich eine Absichtserklärung mit Softbank unterzeichnet, um Anlagen mit einer Kapazität von 200.000 MW in Saudi-Arabien zu bauen – genug, um 32,8 Millionen US-Haushalte zu versorgen.

Bei der Solarenergie im Nahen Osten geht es nicht mehr um Schlagzeilen und unerfüllte Versprechungen, sondern um Geld. Das Erdöl und Erdgas, das den größten Teil der Region antreibt, ist weitaus teurer als Solarstrom, und das ist ein Trend, von dem ich denke, dass er 2018 noch stärker wird.

Wer ist für die Zukunft der Solarenergie gut aufgestellt?

Es gibt vier Unternehmen, die sich meiner Meinung nach angesichts der Trends, die wir heute in der Solarbranche beobachten, von der Konkurrenz unterscheiden. First Solar hat in den USA einen Vorsprung, weil es nicht von den Zöllen betroffen ist, kann aber auch vom Wachstum in Regionen wie dem Nahen Osten profitieren, wo seine Dünnschichttechnologie die der Konkurrenz übertrifft. Mit seiner langen Renditehistorie (wie sie nur wenige Solarunternehmen vorweisen können) wird First Solar wahrscheinlich langfristig ein Gewinner sein.

SunPower wird von der Integration von Solar- und Energiespeicherung profitieren, an der das Unternehmen seit Jahren arbeitet. Wenn es auch eine Produktionsstätte in den USA aufbauen kann, könnten es ebenfalls ein bevorzugter Lieferant für Solarentwickler im Versorgungsbereich werden.

Schließlich profitieren Vivint Solar und Sunrun vom schrumpfenden Solargeschäft von Tesla und sollten sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, da die Kunden beginnen, Dachsolaranlagen mit Energiespeichern zu kombinieren. Die beiden Unternehmen sind kleinen, regionalen Installateuren bei der Entwicklung von Energiespeichern weit voraus und sollten diesen Vorteil nutzen können, da die Kunden in Zukunft Speicher mit Solarenergie benötigen.

Mehr Lesen

Dieser Artikel wurde von Travis Hoium auf Englisch verfasst und am 09.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Tesla. The Motley Fool empfiehlt First Solar.

Motley Fool Deutschland 2018