4 Gründe, wie Ripple zur Marktbewertung von 127 Milliarden Dollar gekommen ist

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Wer derzeit Krypto-Währungen hält, kann den Lotto-Schein getrost stecken lassen: Im vergangenen Jahr verzeichneten die digitalen Währungen das vielleicht größte Jahr, das es je für eine einzelne Anlageklasse gegeben hat. Zu Jahresbeginn hatten alle Krypto-Währungen zusammen eine Marktbewertung von 17,7 Milliarden Dollar, zum Jahresende waren es dann 613 Milliarden Dollar – ein Zuwachs von mehr als 3.300 %!

Bitcoin, die populärste Krypto-Währung der Welt und die, die am häufigsten von Händlern akzeptiert wird, wird oft als die wichtigste eingestuft. Bis vor kurzem machte sie häufig 60 % bis 80 % des gesamten virtuellen Münzmarktes aus.

Doch bei der monumentalen Rallye von Krypto-Währungen im vergangenen Jahr ging es um weit mehr als nur um Bitcoin. Eigentlich handelt die Geschichte von allen Krypto-Währungen außer eben Bitcoin. Wenn wir Bitcoins Marktkapitalisierung aus der Gleichung ausschließen, steigt der Gesamtwert aller anderen virtuellen Währungen von 2,24 Milliarden Dollar am 31. Dezember 2016 auf 374 Milliarden Dollar am 31. Dezember 2017. Wichtig ist also, dass man das nächste Bitcoin entdeckt.

Ripple stößt von Ethereum von Platz zwei der Krypto-Währungen

Und das nächste Bitcoin, das könnte eben Ripple sein. Ripple stieg 2017 um mehr als 35.500 % an, und in den letzten zwei Wochen hat sich der Preis seiner Münze (XRP) vervierfacht. Tatsächlich hat Ripple vor kurzem Ethereum vom zweiten Platz in Sachen Marktkapitalisierung gestoßen. Ripple war am 3. Januar 2018 127 Milliarden Dollar wert.

Was um alles in der Welt muss passieren, damit eine virtuelle Währung aus dem Schatten der Bitcoin auftaucht und plötzlich auf einen Marktwert von 127 Milliarden Dollar in weniger als einem Jahr hochschnellt? Dafür scheinen vier Faktoren verantwortlich zu sein.

1. Gerüchte über Listung auf Coinbase

Der größte Faktor der letzten Zeit ist nichts anderes als ein Gerücht, dass Ripple bald auf der Cryptocurrency Exchange Coinbase gelistet sein wird. Coinbase ist die weltweit beliebteste Krypto-Währungsbörse, bietet aber derzeit nur den Handel mit Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Bitcoin Cash an. Als zweitgrößte virtuelle Währung erscheint es nur logisch, dass Coinbase versuchen würde, Ripple relativ bald hinzuzufügen.

Darüber hinaus sind die Transaktionsgebühren für Ripple deutlich günstiger als für Bitcoin. Wie viel günstiger? Ripples Transaktionsgebühren liegen normalerweise bei einem Bruchteil eines Cents, verglichen mit Bitcoin-Transaktionen, bei denen Gebühren von bis zu 30 Dollar anfallen können. Niedrige Gebühren könnten ein Mittel sein, um Investoren anzulocken.

Wie kürzlich auf Inverse erwähnt, hat Coinbase Pläne geäußert, seine Altcoin-Angebote im Jahr 2018 zu erweitern. Das Hinzufügen von Ripple wäre jedoch unglaublich ironisch angesichts der Kommentare von Coinbase CEO Brian Armstrong und des aufkeimenden Rivalen Stellar im Februar 2015.


Zusätzliche Spekulationen deuten darauf hin, dass Coinsquare, die größte Krypto-Währungsbörse Kanadas, schneller als Coinbase sein könnte. CEO Cole Diamond sagte kürzlich in einem Interview mit Business News Network: „Wir werden Ripple hinzufügen, wir werden Monero hinzufügen, wir werden andere digitale Währungen hinzufügen, die ihre eigenen Blockchains haben und neue ICOs – mit Ausnahme von Ethereum.“

Das sind natürlich gute Neuigkeiten für Anleger.

2. Wichtige Partnerschaften mit Großbanken

In den letzten zwei Jahren hat Ripple auch mit einer Handvoll Banken zusammengearbeitet, um seine Blockchain-Technologie zu testen. Ripple konzentriert sich in erster Linie auf die Beschleunigung der Abwicklungszeiten von Transaktionen über sein Netzwerk, insbesondere bei Transaktionen ins Ausland.

Im Juni 2016 gab Ripple bekannt, dass sieben globale Banken, darunter die Canadian Imperial Bank of Commerce, UBS, Unicredit und Banco Santander (WKN:858872), das digitale Buch des Unternehmens in Pilotphasen oder Kleinkapazitäten testen.

Mitte November 2017 wurde der Bekanntheitsgrad jedoch erhöht, als das Unternehmen eine Partnerschaft mit American Express (WKN:850226) und Banco Santander für ausgewählte Zahlungen ins Ausland ankündigte. Gemäß den Bedingungen dieses Praxistests werden American Express-Kunden, die Nicht-Kartenzahlungen an britische Santander-Konten vornehmen, diese Zahlungen über das Blockchain-Netzwerk von Ripple abwickeln lassen. Es wird erwartet, dass diese Transaktionen in Sekundenschnelle abgewickelt werden, was eine massive Verbesserung gegenüber dem manchmal tagelangen Verifizierungsprozess bedeuten würde, den Banken bei grenzüberschreitenden Zahlungen durchführen.

Je mehr große Finanzpartner Ripple anlocken kann, desto besser kann seine Coin performen.

3. Der Mangel an „Fairness“ an Krypto-Währungsmärkten

Ein dritter Grund, warum Ripple so gut funktioniert hat – zusammen mit fast allen anderen Krypto-Währungen – ist ein Mangel an „Fairness“ beim Krypto-Währungshandel.

Was ist damit gemeint? Bei den meisten öffentlich gehandelten Aktien hat man die Möglichkeit zu kaufen und zu verkaufen, sowie Short-Sell- und Buy-Optionen. Es lässt sich also Geld verdienen, ganz egal ob eine Aktie steigt oder fällt. Es ist ein fairer Markt, der es Optimisten und Skeptikern gleichermaßen ermöglicht, sich einzubringen. Bei den Krypto-Währungen allerdings besteht die einzige Option derzeit, mit einer Ausnahme, darin, zu kaufen oder zu verkaufen. Damit ist es fast logisch, dass man kauft – und damit den Wert einer Währung in die Höhe treibt.

Die einzige Ausnahme ist Bitcoin. Skeptiker können ihre Wetten gegen Bitcoin über Bitcoin-Futures platzieren, die über CBOE Global Markets oder der CME Group gehandelt werden. Unter der Annahme, dass Bitcoin-ETFs auch im nächsten Jahr genehmigt werden, gibt es also ETFs mit Bärenstimmung, die eine ähnliche Rolle spielen werden.

Kurz gesagt, bis ein gerechterer Markt existiert, werden Kleinanleger fast dazu genötigt, Krypto-Währungen wie Ripple immer weiter nach oben zu treiben

4. Die Verbindung von Ripples Coin und Blockchain

Abschließend möchte ich auf die Art und Weise hinweisen, in der Ripples Blockchain und Coin Hand in Hand arbeiten, und so den Wert steigern.

Eines der bekanntesten Probleme bei der Bewertung von Krypto-Währungen ist, dass ihre Coins nicht immer sehr nützlich sind. Viele Krypto-Währungen verlangen, dass ihre Blockchain-Transaktionsgebühren in ihrem angebundenen Token bzw. der Coin bezahlt werden, aber darüber hinaus fehlt eine echte Funktion, für die man diese Coins verwenden könnte.

Zum Beispiel haben Litecoin und Bitcoin eine allgemeine Verwendung als Mittel zum Kauf von Waren und Dienstleistungen bei zumindest einer Handvoll Händlern. Ihre Münzen dienen einem Zweck, der über das bloße Bezahlen von Transaktionsgebühren hinausgeht. Den meisten Krypto-Währungen fehlt dieser klar definierte Zweck – aber nicht Ripple.

Die XRP-Münze von Ripple ist als perfekter Vermittler für Transaktionen ins Ausland konzipiert. Man stelle sich vor, ein Kunde in Japan möchte eine Zahlung an einen Händler in Frankreich über Ripples Blockchain leisten. Theoretisch kann der japanische Yen des Käufers sofort in XRP-Münzen umgewandelt werden, wobei diese XRP-Münzen dann in Euro umgerechnet werden. All dies kann für einen Bruchteil der derzeitig fälligen Kosten getan werden und wäre auch viel schneller erledigt.

Die größere Frage ist natürlich, ob Ripple diesen Wahnsinnslauf aufrecht erhalten kann. Ich denke nein, aber so lange es keinen gerechteren Markt gibt, wo sich auch Skeptiker wohlfühlen und investieren wollen, könnte es positiv weitergehen.

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The Motley Fool empfiehlt Aktien von American Express, Cboe Global Markest and CME Group.

Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 5.1.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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