Die 4 größten Missverständnisse über Bitcoin

Motley Fool Investmentanalyst

Historisch gesehen war kein Vermögenswert besser darin, für die Investoren im Laufe der Zeit Geld zu verdienen als der Aktienmarkt. Im Rückblick auf die letzten Jahrzehnte tendieren Aktien zu einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 7 % (inklusive Dividendenreinvestition und inflationsbereinigt). Das schlägt Rohstoffe wie Öl und Gold, Anleihen und Spareinlagen, und auch Immobilien. Tatsächlich deuten diese Daten darauf hin, dass der durchschnittliche Börseninvestor sein Portfolio etwa einmal pro Jahrzehnt verdoppeln sollte. Das ist eine wirklich phänomenale Rendite.

Aber bei Krypto-Währungen kann eine Rendite von 7 % im Handumdrehen erreicht werden. Tatsächlich ist der gesamte Marktwert der mehr als 1.300 Krypto-Währungen zusammengenommen von 17,7 Milliarden US-Dollar zu Beginn des Jahres auf 388 Milliarden US-Dollar am 9. Dezember gestiegen. In etwas mehr als 11 Monaten haben wir die Gewinne eines ganzen Lebens erlebt – oder, um genauer zu sein, eine Rendite von 2,100 %.

Was verbirgt sich hinter der 1.350%igen Jahresrallye von Bitcoin?

Auch wenn es in diesem Jahr nicht der größte prozentuale Gewinner war, so ist Bitcoin doch der Treiber hinter dieser Rallye. Die Marktkapitalisierung von 234 Milliarden US-Dollar (Stand 9. Dezember) machte mehr als 60 % des Gesamtwertes aller Kryptowährungen zusammen aus.

Also, warum diese riesige Rallye? Insbesondere die Kryptowährungsinvestoren scheinen von der Zukunft der Blockchain-Technologie begeistert zu sein. Die Blockchain ist die dezentrale Technologie, die den meisten Kryptowährungen zugrunde liegt und für die sichere und effiziente Erfassung von Transaktionen verantwortlich ist, ohne dass ein Finanzintermediär wie eine Bank benötigt wird. Der Dezentralisierungsaspekt soll die Blockchain wesentlich sicherer machen als aktuelle Datenbanken, obwohl das Fehlen eines Zwischenhändlers Transaktionen billiger machen könnte.

Es gab auch viel Aufsehen bei der Verwendung von Bitcoin als Zahlungsmittel. Eine Handvoll Markenunternehmen begann bereits 2014 Bitcoin zu akzeptieren, und neue Händler sind seitdem auf den Zug aufgesprungen.

Daher glauben einige, dass Bitcoin eines Tages beliebter sein könnte als Bargeld.

Natürlich haben auch Emotionen eine entscheidende Rolle gespielt. Da sich institutionelle Investoren meist nur im Hintergrund halten, sind Privatanleger für die monströse Rallye von Bitcoin verantwortlich. Die Angst etwas zu verpassen von den Gewinnen von 1.350 % im Jahresvergleich ist ein riesiger Kurstreiber.

Die größten Missverständnisse über Bitcoin

Daher ist es inzwischen so weit gekommen, dass Missverständnisse über die populärste Kryptowährung der Welt im Überfluss vorhanden sind. Hier sind die vier größten Missverständnisse über Bitcoin.

1. Der Preis von Bitcoin steigt immer weiter

Sicher, Bitcoin ist um mehr als 1.300 % seit Beginn des Jahres gestiegen, aber es hat auch fünf größere Korrekturen seit Mai, darunter zwei zwischen dem 7. Dezember und dem 9. Dezember hinter sich. Bitcoin verlor zwischen Mai und Anfang November 38 %, 40 % und 29 % seines Wertes. Vor kurzem erreichte Bitcoin einen Kurs von 19.000 US-Dollar auf Coinbase, stürzte aber in einem Zeitraum von zwei Tagen zweimal um mehr als 20 % ab. Auch wenn der Trend schon seit einiger Zeit nach oben geht, so kann Bitcoin doch auch genauso gut fallen.

Zusätzlich eröffnet der Bitcoin-Futures-Handels über CBOE Global Markets (NASDAQ:CBOE) und die CME Group den ersten „fairen“ Markt, den die  Krypto-Währungsinvestoren je gesehen haben. Statt nur Bitcoin kaufen oder verkaufen zu können, haben die Anleger nun die Möglichkeit, gegen Bitcoin zu wetten und Geld damit zu verdienen. Damit werden institutionelle Investoren endlich eine Möglichkeit haben, ihr Geld zu investieren – und mein Verdacht ist, dass viele dieser Wetten gegen den Erfolg von bitcoin gerichtet sind.

2. Es ist eine viel sicherere Methode, Geld zu übertragen als aktuelle Datenbanken.

Ein weiteres weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Bitcoin eine wesentlich sicherere Art der Geldübermittlung und Zahlungsabwicklung ist als aktuelle Datenbanken. Es stimmt zwar, dass die Dezentralisierung sicherstellt, dass Cyberkriminelle keine Möglichkeit haben, eine ganze Krypto-Währung zu lahm zu legen, wenn sie Zugang zu einem Server erhalten, aber das bedeutet nicht, dass eine virtuelle Währung notwendigerweise sicher ist.

Für diejenigen, die sich vielleicht nicht erinnern können, wurde Mt. Gox, der einst rund 70 % des gesamten Bitcoin-Volumens verarbeitet hat, angeblich von Cyberkriminellen gehackt, die 850.000 Bitcoin und Dutzenden von Millionen von Dollar im Besitz von Mt. Gox stahlen. Heute wären diese Bitcoins mehr als 10 Milliarden US-Dollar wert. Eine anschließende Konkursanmeldung von Mt. Gox schickte den Bitcoin-Kurs nach unten. Kurzum, Bitcoin ist nicht unempfindlich gegen solche Störungen.

3. Bitcoin ist das neue Gold

Ein dritter Irrglaube ist, dass Bitcoin dazu bestimmt ist, das neue Gold zu werden. Diese Idee ergibt sich aus der Tatsache, dass Bitcoin über Protokolle verfügt, die die Zahl der Coins, die abgebaut werden können, auf 21 Millionen begrenzen. Daher hat es einen Knappheitsfaktor, der dem von Gold ähnlich ist. Da der Dollar im Jahr 2017 schwächer wurde, haben sich einige Investoren, die nach einer sicheren Investition suchen, für Bitcoin im Gegensatz zu Gold entschieden.

Aber es gibt zwei fatale Fehler bei dieser Annahme. Erstens, das einzige, was die Knappheit von Bitcoin kontrolliert, sind Protokolle – und sie können umgeschrieben werden. Jedes Mal, wenn Bitcoin aufgespalten wird, zeigt das technisch gesehen, dass es Wege gibt, die Protokollgrenzen zu umgehen. Bitcoin ist nicht annähernd so knapp, wie die Leute denken.

Der andere Faktor ist, dass Bitcoin nur einen Bruchteil dessen wert ist, was das ganze Gold der Welt wert ist. Gold ist auch seit 2.700 Jahren als Währung anerkannt und das bedeutet, dass es seinen Wert als Geldspeicher behalten wird, wenn der Dollar fällt.

4. Es ist völlig anonym.

Schließlich wird Bitcoin oft für seine Anonymität gelobt. Die Fähigkeit, etwas zu verwenden, was nicht von der Bundesregierung oder einer Zentralbank unterstützt wird, wird von Liberalisten hoch geschätzt. Aber die Realität ist, dass Bitcoin doch nicht so anonym ist.

Es stimmt, dass man nicht seine Sozialversicherungsnummer angeben oder ein Bankkonto eröffnen muss, um Bitcoin zu verwenden. Trotzdem zeichnet es Informationen auf, die möglicherweise mit dir in der zugrundeliegenden Blockchain in Verbindung gebracht werden können. Diese Aufzeichnung ist notwendig, um zu vermeiden, dass derselbe Bitcoin zweimal ausgegeben wird, und um die Gefahr krimineller Aktivitäten zu verringern.

Diese Protokollierung stellt aber auch sicher, dass die Regierung bei Bedarf Bitcoin-Anwender finden kann. Zum Beispiel hat der Internal Revenue Service kürzlich einen Gerichtsprozess gewonnen, in dem gefordert wurde, dass Coinbase Informationen über mehr als 14.300 Bitcoin-Händler, die zwischen 2013 und 2015 Coins im Wert von mehr als 20.000 US-Dollar getauscht haben, offenlegt. Der Grund? Bitcoin-Gewinne sind steuerpflichtig, und in den fraglichen Jahren berichteten nur 800 bis 900 Steuerzahler über Bitcoin-Gewinne auf ihren Steuererklärungen. Mit anderen Worten, der IRS verwendet die Blockchain-Technologie, um potenzielle Steuerhinterzieher zu finden, was darauf hindeutet, dass es nicht so anonym ist, wie viele denken.

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The Motley Fool empfiehlt Cboe Global Markets und CME Group.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams  auf Englisch verfasst und wurde am 13.12.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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