4 Dinge, die uns das Management von Snap mitteilen möchte

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Die Anleger von Snap (WKN:A2DLMS) können von der bisherigen Kursentwicklung der Aktie nicht begeistert sein. Mit rund 12 US-Dollar pro Aktie notiert Snap deutlich unter seinem IPO-Preis von 17 US-Dollar und bei weniger als der Hälfte seines Jahreshöchstkurses von 29,44 US-Dollar. Dennoch ist das nicht wirklich eine Folge der schlechten Umsetzung, sondern eher der Überbewertung der Aktie.

Das Unternehmen macht viele Änderungen, um das Geschäft langfristig auszurichten, aber so viele Änderungen so früh macht den Investoren Sorgen. Es stellt sich aber die Frage, ob diese Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden. Hier sind vier Dinge, die CEO Evan Spiegel & Co. uns mitteilen möchte.

Veränderung der App

Eine Sache, die das Unternehmen verändert, ist… das ganze Produkt! Kein Wunder, dass die Investoren nervös sind. Spiegel sagte, eine der häufigsten Beschwerden über Snap sei, dass es schwierig zu bedienen sei. Mit Snapchats monatlich aktivem Benutzerwachstum, das hinter den Erwartungen zurückbleibt, scheint es, als ob das Management der Ansicht wäre, dass ein Redesign der App notwendig wäre. Spiegel hat es ganz ehrlich ausgedrückt:

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Neugestaltung unserer App kurzfristig unser Geschäft stören wird, und wir wissen noch nicht, wie sich das Verhalten unserer Community ändern wird, wenn sie mit der Nutzung der neuen App beginnt. Wir sind bereit, dieses Risiko einzugehen, weil wir der Meinung sind, dass dies ein wesentlicher langfristiger Nutzen für unser Geschäft ist.

Das Management mag zwar Recht haben, aber die Investoren werden es erst erfahren, wenn es soweit ist, und es steht viel auf dem Spiel.

Android-Optimierung

Snapchat überarbeitet nicht nur die App, sondern optimiert auch für Androi. Während viele App-Entwickler zunächst für iOS optimieren, hat Android einen viel größeren Marktanteil von etwa 85 % des weltweiten Smartphone-Marktes. Kürzlich investierte das Unternehmen in die Android-Optimierung und verkürzte die Zeit bis zum Öffnen der Android-App um 20 %, was dazu führte, dass im September „deutlich mehr“ Android-Nutzer hinzukamen.

Es scheint aber noch viel mehr Arbeit vor sich zu haben, da das Management auch auf eine Neuentwicklung der Android-App hinwies. So wird das Unternehmen nicht nur die App neu gestalten, sondern auch für Android optimieren. Da die Snap-Investoren jedoch ein aktives Benutzerwachstum anstreben, ist die Verbesserung der Android-Erfahrung von entscheidender Bedeutung.

Geografisch expandieren

Das Management sprach auch über seinen Plan, die Nutzer in Entwicklungsländern anzupeilen. Da Snapchat in erster Linie eine Video-App ist, verbraucht es große Mengen an Bandbreite, was ein Hindernis für die Penetration in Entwicklungsländern darstellt.

In diesem Quartal verbesserte Snap die Wiedergabefunktion der App, so dass die Download- und Wiedergabefunktion nicht mehr so viel Bandbreite beansprucht wie früher. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit Mobilfunkbetreibern in den Zielländern zusammen, um Snapchat für diese Netze zu optimieren. Daher hat Snapchat auch stolz bekanntgegeben, dass Snapchat in den USA, Großbritannien, Frankreich und Australien über 70 % der 13- bis 34-Jährigen erreicht hat, was seiner Ansicht nach zur Finanzierung des Wachstums in anderen Ländern beitragen kann.

Bezahlung

Als ob all diese Änderungen nicht genug wären, ändert Snap auch die Art und Weise, wie es bezahlt wird. Vor einem Jahr wurden alle Anzeigenverkäufe von Snapchat über den Direktvertrieb abgewickelt. Heute werden 80 % der Werbeeinblendungen von Snap über ein automatisiertes Auktionssystem abgewickelt.

Auf der anderen Seite hat dies dazu geführt, dass Snapchats durchschnittliches CPM, oder „cost per thousand impressions“, um 60 % gesunken ist. Auf der anderen Seite ist das Management der Ansicht, dass das effizientere automatisierte System der Schlüssel zur Skalierung des Unternehmens im Laufe der Zeit ist. Als es mehrere Bieter bei der Auktion gab, stellte Snapchat fest, dass die Preise um durchschnittlich 40 % gestiegen sind. Da immer mehr Werbetreibende auf die Plattform kommen, sollte Snapchat eine Erhöhung der Preise sehen, da die Angebote wettbewerbsfähiger werden. Darüber hinaus führte die niedrigere Preisgestaltung im letzten Quartal zu einer Verdreifachung des Umsatzes bei kleinen und mittleren Unternehmen. Das ist ein tolles Zeichen.

Überall Bewegung

Der BTIG-Analyst Rich Greenfield sagte während der Telefonkonferenz: „Es sieht so aus, als ob Sie erst seit acht oder neun Monaten an der Börse sind und es scheint, als hätte sich in kurzer Zeit viel verändert.“ Greenfield hat Recht, und das macht die Investoren zweifellos nervös, vor allem bei einem Unternehmen, das zum 24fachen Kurs-Umsatz-Verhältnisses gehandelt wird.

Dennoch scheinen mir die Verbesserung der App, die Anstrengungen in den Entwicklungsländern und die Automatisierung der Anzeigenverkäufe allesamt die richtigen Schritte zu sein, so dass die Investoren auf jeden Fall ein Auge auf Snap haben sollten, da das für eine sehr profitable Zukunft sorgen könnte. Aus meiner und scheinbar auch aus der Sicht anderer Investoren ist es aber noch viel zu früh, um das zu sagen.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Billy Duberstein auf Englisch verfasst und am 23.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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