360° Videos – Menschen zur Bundestagswahl: 12 Jahre Merkel – Jetzt ist ein Wechsel nötig!

Was beschäftigt die Menschen in Deutschland? Was wünschen sie sich von der Politik? In den Wochen vor der Bundestagswahl reisen wir mit einer 360°-Kamera durch die Republik und befragen sie.

Die Protagonistinnen und Protagonisten erzählen uns, was ihre Sorgen, Hoffnungen und Wünsche sind. Unsere InterviewpartnerInnen haben unterschiedliche Berufe, sie stammen aus verschiedenen Regionen und haben ganz unterschiedliche Hintergründe.

Die zweite von neun Folgen hat uns nach Demmin in Mecklenburg-Vorpommern geführt, wo wir mit Christine Richter gesprochen haben. Sie war Musiklehrerin und Deutschlehrerin, 37 Jahre lang, und seit 1983 in Demmin am Musikgymnasium. Seit 2006 ist sie Rentnerin hat aber, wie sie sagt, immer noch genug zu tun. Sie hat sich der Keramik verschrieben und sich damit einen Lebenstraum verwirklicht.

Lena Roche, euronews:

“Frau Merkel ist seit 12 Jahren deutsche Kanzlerin, was wäre Ihr Fazit ?”

Christine Richter:

“Das es gut war. Zwölf Jahre und nun wäre ein Wechsel mehr als notwendig, aber ob das so viele Menschen begreifen, weiß ich nicht. Da haben sich so viele Strukturen gebildet und gefestigt, für Alternativen ist keine Möglichkeit mehr da.”

euronews:

“Wer hat momentan in Deutschland das Sagen, Ihrer Meinung nach?”

Christine Richter:

“Die Wirtschaft und das Geld, aber doch nicht die Politiker, nee. Die Meinungen der Politiker sind doch vollkommen unwichtig. Das ist für mich blabla, das ist Rederei. Die Wirtschaft macht das wie sie das möchte . Um den den Menschen geht es gar nicht, es geht um Geld, wir reden immer von Demokratie, das ist die Macht des Geldes und nicht die Macht der Menschen.”

Christine Richter macht sich Sorgen um die Zukunft. Die Politik findet sich auch in ihren Werken wieder. Ihre Stadt Demmin ist seit der Wende geprägt von Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Von den Politikern fühlen sich viele Menschen im Stich gelassen.

Christine Richter:

“Ich finde es gut, dass die Wiedervereinigung in der Geschichte durchgeführt wurde. Allerdings über das Wie in keiner Weise. So wie man über den Osten hergefallen ist, da kann man schon die Menschen verstehen, dass sie viele Jahre gebraucht haben, um wieder normal zu leben. Die Menschen, die in ihrem Beruf aufgegangen sind, in ihrem Betrieb, die ihre Arbeit geliebt haben, wurden auf einmal, also wurden vor die Tür gesetzt, ihre Betriebe wurde ausgeräumt regelrecht oder absolut stillgelegt und dann verkommen. Da darf man nicht daran denken. Und dass sich viele umstellen mussten, um dann auf einmal ein vollkommen anderes Leben zu führen, das hat viele Menschen gesundheitlich in ihrem Leben ganz schön kaputt gemacht. Das darf man nicht vergessen.”

euronews:

“Was sind die größten Probleme hier in Mecklenburg-Vorpommern?”

Christine Richter:

“Die Arbeitslosigkeit, die Infrastruktur, der Unterschied zwischen Stadt und Land, das ist ganz kurz die Antwort. Eine Politikerin sagte einmal zu mir, was politisch gewollt ist, wird auch bezahlt. Über den Satz habe ich erst einmal lange nachgedacht, weil ich gedacht habe, nee, dann müsste es ja ganz anders aussehen. Nee, bis ich dann begriffen habe, das ist ja politisch nicht gewollt.”

euronews:

“Weil Sie gerade von Geld sprechen. Wofür müsste in Deutschland oder auch in Mecklenburg-Vorpommern mehr Geld ausgegeben werden ?”

Christine Richter:

“Für mich als Lehrer in erster Linie für die Bildungspolitik. Es müssen mehr Lehrer da sein, es müssen mehr Kindergärtnerinnen da sein, die Bildung geht ja nicht erst mit sechs oder sieben Jahren los. Die fängt ja schon im Kindergartenalter an. Es gibt so viele Bereiche, wo man sagen muss: ‘Deutschland nehmt das Geld für das was wirklich unbedingt nötig ist!’”

Einen Artikel über die Stimmung in Mecklenburg-Vorpommern vor der Wahl, finden Sie unter folgendem Link.

Produziert von: Lena Roche in Zusammenarbeit mit Carolin Küter, Schnitt: Alexis Caraco.

Euronews powered by Google News Lab