Vor 36 Jahren: Die Geburtsstunde von Stefan Bellof & Ayrton Senna

Christian Nimmervoll

Am 25. März 1984, also vor genau 36 Jahren, wurde in Rio de Janeiro mit dem Grand Prix von Brasilien die neue Formel-1-Saison eröffnet. Ein Rennen, das in der Historie der Königsklasse einen festen Platz hat - vor allem aufgrund seiner Rookies. Zu denen gehörten nämlich Ayrton Senna, Stefan Bellof und Martin Brundle (ebenso wie, weniger bekannt, Philippe Alliot und Francois Hesnault).

Bildergalerie: Fotos vom GP Brasilien 1984 in Rio de Janeiro

Das beste Qualifying der ambitionierten Rookies legte Senna mit Platz 17 hin. Heute unvorstellbar: Der Toleman-Pilot hatte über fünf Sekunden (!) Rückstand auf die Pole-Position von Elio de Angelis (Lotus). Seinen Teamkollegen Johnny Cecotto ließ er auf Anhieb knapp hinter sich.

Brundle, den Senna in der Britischen Formel 3 1983 geschlagen hatte, belegte mit einem Tyrrell mit Ford-Saugmotor den 19. Rang, Hesnault wurde 20. in einem Ligier und Bellof im zweiten Tyrrell 23. Alliot gewann das Stallduell gegen RAM-Teamkollege Jonathan Palmer und sicherte sich damit den 26. und letzten Startplatz im Feld, wenn auch mit mehr als zehn Sekunden Rückstand.

Nach dem Qualifying rückten alle fünf Rookies um je eine Position auf. Manfred Winkelhoch (ATS) hatte sich eigentlich an 15. Stelle qualifiziert, wurde aber nachträglich aus der Wertung genommen, weil ihn seine Mechaniker an die Box geschoben hatten, nachdem er auf der Strecke ausgerollt war. Das war anno 1984 verboten.

Sennas Debütrennen in der Formel 1 dauerte dann nur acht Runden. Der Turbo seines Hart-Motors gab den Geist auf. Bellof schaffte es bis in die elfte Runde, Alliot (Batterie leer) und Hesnault (Überhitzung) schieden nach 24 beziehungsweise 25 Runden aus.

Als einziger Rookie sah Brundle an jenem Tag die Zielflagge. Er fuhr als Fünfter über die Ziellinie. Wegen mehrerer Regelverstöße (unter anderem Blei, das beim Boxenstopp als Zusatzgewicht in den Tank geschüttet wurde, um die FIA-Waage zu manipulieren) wurde Tyrrell später aber aus der Weltmeisterschaft ausgeschlossen.

Während Brundle in seiner Formel-1-Karriere neunmal aufs Podium fahren sollte, verglühte der Stern von Bellof ein Jahr nach Brasilien bei einem Sportwagen-Crash im Gruppe-C-Rennen in Spa-Francorchamps.

Brundle war an jenem Tag in der Boxengasse Augenzeuge des tödlichen Unfalls: "Bellof war ganz schön wild, aber er war nicht der Crasher, als den ihn viele ihn Erinnerung haben", sagt er im Interview mit 'motorsport.com'.

"Ich wollte gerade in meinen Jaguar einsteigen und sah den Unfall oben bei Eau Rouge, als es passierte. Mir war sofort klar, dass das ein schwerer Unfall ist. Aber ehrlich gesagt sah er zunächst nicht wie ein totaler Horrorcrash aus."

"Ich habe das damals nicht so gesehen, dass mein Kollege aus der Formel 1 jetzt tot ist. Damals herrschte in der Sportwagen-Szene eher das Gefühl: 'Und was kommt jetzt?' Es war das gleiche Gefühl, dass wir in Imola 1994 und in den Wochen danach wieder hatten."

Über den Bellof-Unfall sagt Brundle heute: "Offensichtlich war da viel mehr Energie im Spiel, als das aus meinem Blickwinkel zunächst den Anschein hatte. Von dem, was ich heute weiß, war klar, dass er keine Chance hatte, das zu überleben."

Hesnault erlangte später Berühmtheit, als er in Deutschland 1985 einen dritten Renault mit einer Onboard-Kamera fuhr. Alliot schaffte mehr als 100 Grand-Prix-Starts für Teams wie RAM, Ligier und Larrousse, einmal sogar als Häkkinen-Ersatz für McLaren (Ungarn 1994); holte dabei aber nur sieben WM-Punkte.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.