31-Jähriger steht vor Gericht: Überfall mit selbst gebastelter Bombenattrappe

Der gelernte Dachdecker muss für fünf Jahre in Haft.

Die Bombenattrappe war täuschend echt, gebastelt aus einer Überwachungskamera, Batterien und einer Getränkedose. Die Alarmlampe des vermeintlichen Zeitzünders flackerte bedrohlich rot auf, als der Mann am Schalter eines Finanzdienstleisters am Ring im April 2016 sagte: „Geld her. Sie haben 30 Sekunden Zeit, bis Ihnen das Ding um die Ohren fliegt.“

Dem Täter gelang mit 4000 Euro zunächst unerkannt die Flucht. Knapp vier Wochen später blieb es beim Versuch, allerdings der gleichen Vorgehensweise. Diesmal hatte sich der Räuber die Kreissparkasse in Leverkusen ausgesucht, war allerdings ohne Beute geflohen.

Er war eindeutig zu erkennen

Bei den Taten trug er weder Handschuhe noch eine Waffe, war nicht vermummt und von den Überwachungskameras eindeutig zu erkennen. Auch hatte er seine Jacke einschließlich der Bombenattrappe mit sämtlichen Identifizierungsmerkmalen in einem nahe gelegenden Park geworfen. „Wollten Sie denn geschnappt werden?“, fragte die Staatsanwältin kopfschüttelnd angesichts der laienhaften Vorgehensweise den 31-jährigen Angeklagten, dem seit Mittwoch wegen räuberischer Erpressung der Prozess gemacht wird.

„Der dümmste Räuber, der mir je begegnet ist“

Für seinen Verteidiger ist Dieter S. (Name geändert) der „dümmste Räuber, der mir in meiner Laufbahn je begegnet ist.“ Ganz so einfach ist es nicht, denn S. ist Serientäter, hat zwei einschlägige Vorstrafen. Schon 2011 gelang ihm ein Coup, der im Gericht kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen wird. Der Türkei-Urlaub mit der ersten Freundin drohte zu platzen, weil das Geld nicht reichte.

Auf dem Weg zum Flughafen musste der ahnungslose Taxifahrer an einer Raststätte halten. S. stieg aus, betrat die Tankstelle und hielt dem Kassierer eine Spielzeugpistole vor, ergatterte 2000 Euro – und – der Urlaub war gerettet. Schon damals ging S. das gleiche Risiko ein wie bei allen seinen Überfallen: unmaskiert, hinterließ DNA, schaute direkt in die Überwachungskamera. Nach dem Urlaub nahm die Polizei ihn fest. Als Ersttäter erhielt er eine zweijährige Bewährungsstrafe.

20.000 Euro bei Banküberfall erbeutet

Vier Jahre später dann der nächste Raubüberfall. Dieter S. hat eine Frau mit Kind kennengelernt, zieht mit ihr zusammen, ein gemeinsames Kind ist unterwegs. Das Geld reicht nicht, weil er seine Arbeit verliert und die Zwangsräumung droht. Wieder eindeutig zu identifizieren, überfällt S. eine Bank in Bergisch Gladbach, macht 20 000 Euro Beute und siedelt noch am selben Tag – es ist der Tag der Zwangsräumung – mit schwangerer Freundin und zehnjährigem Stiefsohn in deren polnische Heimat um. „Ich habe immer damit gerechnet, dass jeden Moment die Polizei vor der Tür steht“, sagt S. heute.

Das Geld reicht nicht lange, eine Arbeit zu finden ohne Papiere gelingt nicht. Da macht er sich auf den Weg nach Deutschland und überfällt am Ring den Finanzdienstleister, fährt noch am selben Tag mit einem Busunternehmen nach Polen zurück. Vier Wochen später – dieselbe Vorgehensweise – der Überfall in Leverkusen.

Laienhaft ausgeführte Taten

Für den Überfall in Bergisch Gladbach wurde S. bereits zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, die in das aktuelle Urteil mit einbezogen werden muss. „Er handelte aus familiärer Verantwortung und Not“, befand das Amtsgericht.

So laienhaft wie die Taten ausgeführt wurden, so geordnet ist der Lebenslauf des Angeklagten. Er ist intelligent, wächst als Adoptivsohn einer Akademikerfamilie auf: „Es sind für mich die fürsorglichsten und besten Eltern, die man sich wünschen kann“, sagt er. S. macht das Fachabitur, absolviert eine Lehre zum Dachdecker, hatte zunächst einen guten Job.

„Eine kranke Schwachsinnsidee“

„Ich bin nicht davon ausgegangen, dass es funktioniert“, sagt er über seine Taten. Den Bombenbau nennt er eine „kranke, Schwachsinnsidee“. Bei seinem letzten Überfall, der im Versuchsstadium steckenblieb, hatte er zuvor ein Paket und Wertmarken gekauft und einen Abschiedsbrief geschrieben.

Das Geld wollte er der Freundin mit dem gerade zur Welt gekommenen Sohn nach Polen schicken, weil er glaubte, noch am Tatort festgenommen zu werden. Tatsächlich war einige Tage später in Polen geschnappt worden, nachdem die Polizei ihn mit internationalem Haftbefehl suchte.

In der Haft geheiratet

Die Freundin hat er inzwischen in der Haft geheiratet. Nach seinen Zukunftsplänen gefragt, hofft er „irgendwann auf einen offenen Vollzug, um wieder eine Arbeit zu finden“. Das Urteil soll Anfang August verkündet werden....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta