303.000 Euro im Jahr: Verzichtet ARD-Chefin Patricia Schlesinger wegen der Berater-Affäre auf ihre Gehaltserhöhung?

ARD-Chefin Patricia Schlesinger - Copyright: picture alliance/dpa | Christoph Soeder
ARD-Chefin Patricia Schlesinger - Copyright: picture alliance/dpa | Christoph Soeder

In der Affäre um dubiose Beraterverträge und persönliche Vorteile zieht ARD-Chefin Patricia Schlesinger offenbar erste Konsequenzen. Nach Informationen von Business Insider hat die Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) in internen Runden angedeutet, dem Verwaltungsrat den Verzicht auf ihre umstrittene Gehaltserhöhung anzubieten.

Erst kürzlich wurde das Gehalt von Schlesinger um 16 Prozent auf 303.000 Euro angehoben. Angesichts der klammen Kassen beim RBB sorgte die Nachricht innerhalb des Senders für scharfe Kritik. In Betriebsversammlungen sprachen Mitarbeiter offen von Instinktlosigkeit. Während bei Personal und Programm gespart werde, kassiere die Chefin ab, so der Tenor. Schlesinger verteidigte ihre Gehaltserhöhung damit, dass sie lediglich mit anderen männlichen Intendanten der ARD gleichziehen würde.

Schlesingers Verzicht wäre die erste persönliche Konsequenz in der Affäre

Wie Business Insider erfuhr, erklärte die RBB-Chefin in Gesprächsrunden nun, dass sie ins Nachdenken geraten und die Gehaltserhöhung angesichts des Kostendrucks beim RBB womöglich nicht angemessen sei. Demnach wolle sie dem Verwaltungsrat anbieten, ihren Vertrag mit der Gehaltserhöhung wieder aufzulösen.

Nachdem Business Insider darüber berichtet hatte, bestätigte Schlesinger dies auch im Interview mit dem „Tagesspiegel“: „Ich habe dem Verwaltungsrat angeboten, nochmals über meinen Vertrag zu reden. Die heutige, gültige Version ist vor anderthalb Jahren zustande gekommen.“ Ihr Gehalt lege sie nicht selbst fest, sagt Schlesinger. „Wir können den Vertrag nochmal aufmachen. Das ist mein Wunsch und Vorschlag, ich werde dem Verwaltungsrat aber keine Vorgaben machen.“

Schlesingers Verzicht wäre die erste persönliche Konsequenz in der Affäre, die seit Wochen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk belastet. Wie Business Insider enthüllt hat, erwecken dubiose Beraterverträge den Eindruck, dass sich die RBB-Intendantin und ihr oberster Kontrolleur, der RBB-Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf, gegenseitige Gefälligkeiten erwiesen haben. So erhielt Schlesingers Ehemann ab Ende 2020 lukrative Aufträge, die Wolf in seiner weiteren Funktion als Aufsichtsratschef der Messe Berlin initiierte. Auf der anderen Seite profitierte das geschäftliche Netzwerk von Wolf, in dem Berater, die er zuvor empfohlen hat, zwischen 2019 und 2022 von der RBB-Spitze für ein zentrales Bauprojekt engagiert wurden.

Im Zuge der RBB-Affäre ließ Wolf bereits sein Amt als Verwaltungsratschef ruhen. Zudem stellte die Geschäftsleitung die weitere Planung für das Bauprojekt vorerst ein.

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