„300.000 Euro oder Kopf ab“: Düsteres „Tatort“-Jubiläum für Kommissarin Lindholm

 

„Der Fall Holdt“ erwies sich als Zerreißprobe für Polizei, Betroffene und Zuschauer. (Bild: NDR/Marion von der Mehden)

Jubiläum für Kommissarin Charlotte Lindholm: Zum 25. Mal ermittelte die Kriminalistin (gespielt von Maria Furtwängler) am Sonntag im „Tatort“. Trotz vermeintlich klassischem Thema – Entführung, Lösegeldforderung – fiel die Folge bemerkenswert düster aus.

Die Eröffnungssequenz spielt auf einem Parkplatz vor einer Diskothek. Kommissarin Lindholm wird von fremden Männern beim Wasser lassen fotografiert. Als sie die ungewünschten Passanten dazu auffordert, das Fotografieren zu lassen und die Bilder löschen möchte, wird sie von den Männern verprügelt. Dann der diffus inszenierte Übergang zum narrativen Kern: Die Frau eines Bankfilialleiters wird entführt, die Erpresser fordern Lösegeld. „300.000 in kleinen Scheinen, sonst schneiden wir Ihrer Frau den Kopf ab“, so die Ansage. Ihr Mann, Frank Holdt, bittet seine Schwiegereltern um das Geld, diese informieren gegen seinen Willen die Polizei. Nachdem ihr Auto im Wald entdeckt wird, ist das Schlimmste zu befürchten. Schließlich gerät auch Frank Holdt selbst ins Visier der Polizei.

Eine Zerreißprobe für Kommissarin Lindholm

Die Arbeit der Polizei verläuft nicht wie gewünscht, Lindholm legt sich mit den lokalen Kollegen in Walsrode an, die Exekutive zeigt nur wenig Professionalität, Lindholm steht dauernd auf der beruflichen Kippe. Nicht nur für die Zusammenarbeit der Kriminalisten ist der Fall eine Zerreißprobe – auch die Familie der Entführten (die am Ende tot aufgefunden wird) steht vor dem Kollaps.

Die Polizeiarbeit verläuft nicht so professionell wie erhofft. (Bild: NDR/Marion von der Mehden)

Apropos Zerreißprobe: Vor einer solchen fanden sich auch zahlreiche Zuseher wieder. Denn wer sich von „Der Fall Holdt“ ein eindeutiges Ende – oder gar ein Happy End – erwartete, wurde eines Besseren belehrt. „Wenn ich einen Tatort ansehe, möchte ich, dass am Schluss des Films der Fall aufgeklärt wird! Was will das ERSTE? Seine Zuschauer/innen unterhalten oder am Sonntagabend verärgert in die Nachtruhe schicken? NIE WIEDER EINEN TATORT OHNE AUFLÖSUNG DES FALLES!“, kommentiert ein verärgerter Zuseher auf der Website der ARD.

Basiert dieser “Tatort” auf einer wahren Geschichte?

„Der Fall Holdt“ erinnert über weite Strecken an den realen Entführungsfall um die Bankiersgattin Maria Bögerl. Die Frau des Vorsitzenden einer Kreissparkasse wurde im Mai 2012 aus ihrem Haus entführt. Die Erpresser forderten (wie auch im „Tatort“) 300.000 Euro Lösegeld – allerdings scheiterte die Lösegeldübergabe. Später wurde die Leiche von Bögerl in einem Auto gefunden, ein Jahr später nahm sich ihr Mann Thomas Bögerl das Leben.

Allerdings habe sich das Autorenteam nicht an diese reale Geschichte gehalten, sondern verschiedene Fälle recherchiert, wie Fernsehfilm-Chef Christian Granderath gegenüber der „Bild“-Zeitung erklärte. Zudem habe man mit keinen Beteiligten des Falles Bögerl gesprochen, es handele sich hierbei um einen rein fiktiven Fall, so Granderath. Allerdings gibt es für diese Argumentation zu viele Parallelen zwischen den beiden Fällen; von der missglückten Lösegeldübergabe bis zum Fernsehappell der Familienmitglieder der Entführten.

Alles in allem schuf Regisseurin Anne Zohra Berrached mit „Der Fall Holdt“ einen sinistren Tatort, der den Fokus auf Dissonanzen und Spannungen legt und damit ein realistisches Bild zeichnet. Sicher nicht jedermanns Sache – aber durchaus geglückt.

Im Video: Diese Eilmeldung sorgte während des “Tatort” am Sonntag für Ärger