300.000 Euro erbeutet: Fünfeinhalb Jahre Haft für Automatensprenger

Das Duo aus den Niederlanden hatte mehrfach im Rheinland zugeschlagen.

Wo ist das Geld? Mehr als 300.000 Euro erbeuteten zwei niederländische Angeklagte im Herbst vergangenen Jahres bei mindestens vier Überfällen auf Geldautomaten im Rheinland, in Köln hatten sie es zweimal vergeblich versucht. Die Antwort blieb das Duo schuldig.

Seit Mitte Juni saßen die beiden Angeklagten (24, 33) wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und Diebstahls vor dem Landgericht. Zum Prozessauftakt schwiegen sie, doch die Beweislage war eindeutig. Aufnahmen der Überwachungskameras vom ersten Tatort zeigten eindeutig ihre Gesichter, als sie zwei Tage vor dem Überfall auf eine Leverkusener Bank unmaskiert die Filiale ausspionierten.

So kam es zu einem „kargen, sehr schlanken Geständnis“, wie es das Gericht im Urteil kritisierte. Eine Antwort zum Verbleib der Beute blieben die Männer gleichwohl schuldig. Das Gericht schickte sie für fünf Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Die Anklägerin hatte fünf Jahre und neun Monate gefordert.

„Hochprofessionelle, sorgfältige Planung“

Während es in Riehl gleich zweimal beim Versuch blieb, weil die Zündung nicht funktionierte, gelang es den gebürtigen Nordafrikanern außerhalb Kölns – in Leverkusen, Düren und Bonn –, die Geldautomaten in die Luft zu sprengen. „Hochprofessionelle, sorgfältige Planung, deutliche kriminelle Energie“, beschrieb das Gericht die Tatausführung.

So reisten die Täter in PS-starken, angemieteten Autos jeweils am Vorabend der Tat an, stellten das Fluchtfahrzeug zunächst in einer angemieteten Garage in Weiden ab, wo auch das Werkzeug – Gaskartuschen, Schläuche, Brecheisen – zuvor untergebracht worden war. Das Fluchtauto wurde zusätzlich mit gestohlenen Kennzeichen des jeweiligen Tatortes bestückt. Auch trugen die Täter bei den Überfällen Masken und Spezialschutzanzüge, um jegliche Spuren zu verwischen.

Gleichwohl fanden die meisten der Überfälle unter polizeilicher Beobachtung statt. Denn das Duo war im Oktober 2016 bei der ersten Tat aufgeflogen, in eine Polizeikontrolle geraten und hatte den Fluchtwagen in einer leerstehenden Garage in Porz-Finkenberg abgestellt. Dort hatte die Polizei bereits Videokameras installiert, um eine ähnlich vorgehende Diebesbande zu beobachten.

Die Ermittler bestückten das Fluchtauto mit einem Peilsender, um sie später auf frischer Tat zu ertappen. Doch bei dem nächsten Überfall auf eine Bonner Bank gaben die Täter mit ihrem 250 PS starken Fahrzeug Gas und entkamen in ihre Heimat Niederlande.

Duo war nicht Teil einer Bande oder Organisation

Drei Tage vor Heiligabend dann der nächste Coup. Das Duo weckte im Vorraum der Sparda-Bank zunächst einen schlafenden Obdachlosen. Weil er nicht schnell genug den Tatort verließ, zerrten sie den Mann an den Füßen nach draußen und nahmen dann wie gehabt die Sprengung vor: Zunächst hebelten sie am Automaten die Vorrichtung auf, dann installierten sie den Gasschlauch und sprengten per elektronischer Fernzündung den Automaten. Die Geldkassetten fielen ihnen regelrecht entgegen.

Deutliche Kritik übte das Gericht an den Banken und Sparkassen, denn sie hätten es den Tätern aufgrund fehlender Sicherheitsmaßnahmen „leicht gemacht“. Zum einen stellten sich die Richter die Frage, warum ausgerechnet nachts sechsstellige Beträge in den Kassetten vorrätig sein müssten. Zum anderen verwies das Gericht auf Sicherheitsvorkehrungen beispielsweise in den Niederlanden: Dort sind Farbpatronen so platziert, dass sie bei Erschütterung aufplatzen und die Geldscheine unbrauchbar machen. Bei den Überfällen hatten die Täter, die stets freistehende Geldautomaten im Auge hatten, insgesamt 160.000 Euro Sachschaden angerichtet.

Ausdrücklich verneinte das Gericht die Zugehörigkeit der beiden Angeklagten zu einer Bande oder gar zu einem größer agierenden Netzwerk: „Dazu haben wir keine zuverlässigen Erkenntnisse“, auch wenn hin und wieder von „Randfiguren“, die zur Szene gehörten, die Rede war. Strafschärfend werteten die Richter auch das Vorstrafenregister der Angeklagten, die in den Niederlanden wegen Eigentumsdelikten bereits verurteilt wurden....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta