30 Sekunden, vier Parteien und ein kleiner Flirt: So war der Politik-Talk auf SAT.1

Claus Strunz, Linke-Chefin Katja Kipping, Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt, AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel und FDP-Chef Christian Lindner. (Bild: dpa /Sat.1)

„Direkter, kontroverser, unterhaltsamer“ – so kündigte SAT.1 seine Polit-Talksendung an. Am Mittwochabend trafen sich die Spitzenkandidaten der Grünen, der Linken, der FDP und der AfD zum angekündigten verbalen Schlagabtausch bei „Wahl 2017 – Die zehn wichtigsten Fragen der Deutschen. Klartext mit Claus Strunz“.

Vier Tage vor dem großen TV-Duell der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz liefert der Privatsender SAT.1 ein neues Sendungskonzept, bei dem kein Platz für die großen Parteien SPD und CDU/CSU ist. Stattdessen waren die Spitzenkandidaten und -kandidatinnen der vier größeren Oppositionsparteien ins Studio geladen worden: Katrin Göring-Eckardt von den Grünen, Katja Kipping von der Linkspartei, Alice Weidel von der AfD und FDP-Chef Christian Lindner.

Moderator Claus Strunz erklärte vorab, worum es ihm in der Sendung gehe: „Nur bei uns geht es ganz konkret um die Fragen, die die Deutschen wirklich bewegen. Kein Drumherumreden, als Anwalt der Zuschauer werde ich klare Antworten einfordern.“

Fragen zu persönlichen Vorlieben und Schwächen

2000 repräsentativen Deutschen wurden daher vorab Fragen gestellt, die innerhalb der Sendung diskutiert werden sollten: „Würden Sie mit der Grünen Katrin Göring-Eckardt in den Urlaub fahren?“ Oder: „Möchten Sie Alice Weidel von der AfD als Nachbarin?“ In 30-sekündigen Statements mussten die Politiker immer wieder ihre Haltung zu diesen Themen und den Antworten der Befragten darstellen. Doch zwischendurch rückte Moderator Strunz ihnen immer wieder verbal auf die Pelle, indem er unter anderem auch persönliche Vorlieben und Schwächen abklopfte. Eine völlig neue Form von Polit-Talk, eine Art Speeddating. Doch auch die Antworten der Politiker ähnelten inhaltlich eher einer netten Gesprächsrunde als einem kontroversen Polit-Talk.

So möchte die Parteivorsitzende der Linken, Katja Kipping, die Flüchtlingskrise vor allem in ihrer Ursache lösen, Göring-Eckhardt spricht von ihrer Erfahrung in der DDR und will nie wieder eingesperrt sein. Alice Weidel will einen besseren Grenzschutz und FDP-Chef Christian Lindner fordert, Entscheidungen weder mit dem Bauch, noch mit dem Herz zu treffen, sondern rational „mit dem Kopf“. Konkrete Antworten sehen allerdings anders aus.

Endergebnis enttäuscht

Populismus als Talktaktik? Fraglich ist, ob Strunz’ Moderationsmethode Zukunft hat. Seine Strategien „den Angriff immer persönlich halten“ und „die Schwachen gegeneinander ausspielen“ ist in Teilen unterhaltsam, aber birgt informativ wenig Fundament für den politisch Interessierten Zuschauer.

Alice Weidel lobt Christian Lindners Redetaktik. (Bild: ddp Images)

Dass am Ende der „Flirt“ mehr im Fokus steht als die politischen Themen innerhalb der Sendung, zeigt, wie wenig inhaltliches Futter dem Zuschauer tatsächlich geboten wurde. „Niemand redet so gut wie Christian Lindner”, schwärmte AfD-Kandidatin Weidel nämlich zwischendurch im Gespräch und der angekündigte „verbale Schlagaustausch“ blieb eine reine Gesprächsrunde.


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